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Netzeitung goes OhmyNews (2)

die Frage kam auf, was ich davon halte, dass die Netzeitung nunmehr versucht, „20 Mio“ Redakteure anzuwerben. Damit versucht Netzeitung auf Citizen Journalism zu machen. Ist ihr gutes Recht, wir haben eine freie Wirtschaft. Doch wenn man weiss, dass hinter dem Onlineunternehmen Orkla Media steckt, laut Wikipedia ein Medienkonzern und Zeitungsverlag mit Sitz in Norwegen. Er gehört zur Orkla Gruppe (Orkla ASA). Orkla Media ist der fünftgrößte Medienkonzern im baltischen Raum mit einem Umsatz von ca. einer Milliarde € im Geschäftsjahr 2004. In Norwegen ist Orkla Media an 31 Regionalzeitungen und mehreren Webseiten beteiligt. In Dänemark sind es über 60 Zeitungen. Im polnischen Zeitungsmarkt beträgt der Marktanteil am Tageszeitungsgeschäft über 20%. Weitere Aktivitäten umfassen lokale Radio- und TV-Sender, elektronische Medien und Direktmarketing. Der Konzern ist auch in Schweden, Finnland, Lettland, der Ukraine und seit neuestem auch in Deutschland aktiv. Im Juni 2005 übernahm Orkla Media in Deutschland die Netzeitung, im Dezember 2005 das Newsportal Golem.de., sieht man, dass es sich hierbei um kein Garagenunternehmen handelt.

Die FAZ zur Finanzkraft von Orkla: Das Unternehmen hat im Geschäftsjahr 2004 rund eine Milliarde Euro Umsatz und 50 Millionen Euro Gewinn gemacht. Orkla Media ist nur eines der Standbeine des mit einem Börsenwert von gut 6 Milliarden Euro und 20 000 Mitarbeitern größten norwegischen Unternehmens im Privatbesitz. Daneben ist Orkla engagiert in der Nahrungsmittelindustrie und der Chemie. Nach dem Verkauf von zwei Fünfteln der dänischen Brauerei Carlsberg hat Orkla genügend Finanzmittel zu Übernahmen, wiewohl es im Mai einen langen Übernahmekampf gewann um den größten Hersteller von Silikonmetallen, Elkem. Im ersten Quartal dieses Jahres steigerte Orkla seinen Gewinn vor Steuern deutlich auf 215 Millionen Euro

Und über Netzeitungs Finanzen: Die Netzeitung ist eine reine Internetzeitung und erreicht nach eigenen Angaben rund eine Million Internetnutzer im Monat. Die Zahl der Seitenaufrufe beträgt rund 22 Millionen im Monat. Der Umsatz soll nach Angaben aus Branchenkreisen mehr als vier Millionen Euro im Jahr betragen.

Also nochmals zurück zur Frage, was ich davon halte. Zunächst noch die Aussage von einem der Macher des Projekts, Peter Schink, beim Blogboten in den Kommentaren:

Nein, nicht ganz. Zum einen wird es kein Sammelblog, sondern eine Zeitung. So eine Art globale Stadteilzeitung 😉 Zum anderen wird das natürlich mit normalen Werbeformen natürlich nix – weil die leute kein Geld bekommen, können wir damit auch nix verdienen. Stattdessen wollen wir versuchen, die Unkosten (meine Arbeitskraft und die der Produktion) mit einem Sponsor zu decken

Soll ich jetzt noch was dazu schreiben und das AAL-Prinzip erwähnen? Soll ich schreiben, dass ich es peinlich finde, dass Orkla Media (wen interessiert die Netzeitung, die haben nix zu melden?) in der Lage ist, das Projekt oW finanziell anzuschieben, was die Personalkosten angeht (die Projektkostenbestandteile wie Konzeption, Programmierung und Hosting wurden ja bereits getragen, hätte mich nicht gewundert, wenn die die User gefragt hätten, etwas zu spenden), es aber bevorzugt, einen auf Garagengründung zu machen? Sorry, ich halte das Projekt für hochspannend, aber nicht, wenn es eine erfolgreiche und finanzstarke Firma betreibt. Das ist ein großes Geschmäckle bei. Sehr großes Geschmäckle.

Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

6 Kommentare

  • Crowd sourcing, Ausbeutung oder/und Versklavung
    dazu auch Jeff Howe in Wired

    Ob Be- oder/und Entlohnung für ein solches Modell ausreichend geeignet sind, kann man auch verneinen. Wenn Citizen-Jounalismus etwas mit Partizipation zu tun hat, dann doch wohl auch Partizipation am Ergebnis? Oder?

    Wenn User von OhmyNews das Projekt sponsern, dann wesentlich direkt an den ‚verehrten Autor‘ – über den Tippingservice, der Kim Young-Ok einmal 20.000 USD in 2 Tagen gebracht haben soll, ist schon viel geschrieben worden (was auch heißt, dass es ’nicht viele‘ solcher Beispiel gibt.

    Wenn Le Monde Blog-Autoren ‚belohnt‘ dann hebt sie über die Leserbewertung Autoren ‚auf die erste Seite‘ im Wettbewerb mit den angestellten Schreiberlingen und das Bewertung durch die Leser lag (bei meiner letzten Auszählung) im Verhältnis ca. 50/50.

    Vielleicht sollte man hier in Deutschland, dafür das (gute) alte Genossenschaftsmodell aufgreifen …

  • […] Eine kleine Rand-Bemerkung vom DJV-Onlinejournalisten-Treffen BesserOnline. Der Chefredakteur der Netzeitung, Michael Maier, erwähnte in der Eröffnungsdiskussion das Projekt Readers Edition. Gestartet werde mit 20 Moderatoren, die Netzeitung arbeite dabei “stark mit der Bloggerszene zusammen”. Da sind sie wieder: die Blogger und ihre Szene. Vertreten wurden die auf dem Podium übrigens von Don Alphonso, dessen Freude über den Vergleich von Weblogs und Stammtischen nun einmal nicht jeder Blogger teilt. (Mehr zu Readers Edition in zwei Postings von Robert Basic.) […]