Finanzkrise: Island steht am Abgrund

Na, das wird ja noch spaßig. Island hat im Zuge der Finanzkrise -das Prinzip kennen wir ja bereits- die dritttgrößte Bank Islands übernehmen müssen, um sie vor der Pleite zu bewahren. Doch nun hängt der isländische Staat so tief im Sumpf, dass ihm selbst die Gelder ausgehen. Mehr dazu in der WiWO

FTD: Die Ereignisse überschlagen sich in Island. Nach der Verstaatlichung des Bankensektors und der Fixierung des Wechselkurses hofft der Inselstaat auf Hilfe durch den Internationalen Währungsfonds. Und weiter heißt es, was das ganze Ausmaß aufzeit: Vor der Verabschiedung eines Eilgesetzes sagte Ministerpräsident Geir Haarde in Reykjavik, Island stehe vor der “reellen Gefahr”, dermaßen in die globale Finanzkrise hineingezogen zu werden, dass am Ende der Staatsbankrott stehe. Mit den Bestimmungen des Notstandsgesetzes übernimmt die Regierung die totale Kontrolle über die Banken. So dürfen Aufsichtsbehörden künftig eigenmächtig Banken fusionieren und sie zur Bankrotterklärung zwingen. Das Finanzministerium darf bis zu 20 Prozent an heimischen Sparkassen und zudem Hypothekenkredite von Banken übernehmen und diese in einen Regierungsfonds übertragen. Die Aufsichtsbehörden dürfen für Finanzinstitute Aktionärsversammlungen einberufen, diese leiten und die Macht der Direktorien beschneiden. Hm.. Notstandsgesetz, Staatsbankrott, Kontrolle des heimischen Bankensektors… ich hoffe, die Jungs bewahren passend zum Wetter einen kühlen Kopf. Auf der einen Seite verstehe ich die Maßnahme, um die Banken untereinander womöglich dazu zu bringen, sich wieder Geld auszuleihen, die ja mittlerweile allesamt den Kopf weltweit verloren haben, andererseits aber wirds mir komisch im Magen, wenn man sich vorstellt, dass der Staat den Finanzprofis (so lächerlich sich dieses Wort mittlerweile anhört) reinpfuscht (auch das hört sich komisch an). Gleich nach Verabschiedungs der Gesetze hat man sich die zweitgrößte Bank Islands unter den Nagel gerissen. brbrbrbrbrr… Tagesschau: Das Bilanzvolumen der drei führenden Banken ist zehnmal so groß wie das jährliche Bruttoinlandsprodukt. Als möglicher Ausweg gelten Mittel aus den nach internationalen Maßstäben sehr großen Pensionsfonds des Landes. Pensionsfonds? Um die Dummheiten der abgefahrenen, hochbezahlten Finanzspinner glattzubügeln? Das wird das Volk in Island aber freuen, so oder so.

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Währenddessen veweist Jeff Jarvis/Buzzmachine (via Netzwertig) auf einen 1-stündigen Podcast, der die Finanzkrise angeblich gut erklärt: latest This American Life. Jeff: Davidson and Blumberg explain the debt swap market and how it became an utterly unregulated $60 trillion marketplace — that’s more, they say, than all the money in all the stock markets in the world — built on no collateral or real value. It’s leverage, they call it. Ponzi scheme is another way (my way) to look at it. Giant pool of nothing is another way. Big, fat, fucking lie is another. The problem, as they explain better than I can, is that people made bets with no money in their pocket and now those losing bets are being called but we’re the ones getting kneecapped.

Lol, mir kommt da so ein Bild von Dominosteinen, Euch auch? Wird womöglich noch spaßiger als gedacht. Nur eine Frage am Ende: Wenn einige Länder nun mehr und mehr Banken unter ihre Kontrolle bringen, was passiert dann, wenn sich wieder alles auf Normalmaß beruhigt hat? Dürfte ein hübscher Gewinn für die Staaten bei rausspringen. Billig einkaufen, teuer verkaufen?

via Georg Holzer

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35 Kommentare

  1. Andreas

    Gerade im Feedreader gelesen und gedacht: Da weiße ich jetzt mal auf den einstündigen Podcast von This American Life hin.
    Und dann lande ich hier und sehe, dass das in der zwischenzeit schon passiert ist ;-)

    Ist aber wirklich hörenswert. Am Ende schüttelt man nur noch den Kopf und fragt sich wie das alles so lange gut gehen konnte…

  2. Martin

    Ich hoffe nicht, dass Island in den Malstrom der Finanzkrise gerissen wird. Ich wollte nächstes Jahr mein Auslandssemester dort machen.

    Man traut es sich kaum auszusprechen, aber egoistisch betrachtet ist zumindest der Zugang zum Land damit etwas günstiger geworden. Auch wenn ich den Isländern alles erdenkliche Gute wünsche, es wäre nicht so schlecht, wenn im nächsten Jahr die isländische Krone nicht wieder so überstark sein werden würde.

    Ich bin eigentlich auch eher ein liberaler Mensch, aber vielleicht ist die Übernahme der Banken in staatliche Kontrolle ja gar nicht so schlecht. Offensichtlich sind regulierte Finanzmärkte durchaus wichtig.

  3. Gilly

    “Wird womöglich noch spaßiger als gedacht.”

    Hahahaha! Finanzkriese!

    Ich könnte mich auch darüber schlapp lachen, dass viele Anleger Ihr Geld verlieren, Hausbesitzer Ihre Raten nicht mehr zahlen können weil die Zinsen angehoben werden und viele Menschen Ihre Jobs verlieren werden.

    HAHAHA! Großes Kino HA HA!

  4. Roy

    Nein Robert ganz falsch. Dann geht das Spiel wieder von Vorne los. Denn erst kommt der Ruf nach liberaleren Märkten und dann der Ruf nach Sanktionierung und Verstaatlichung!

    Und wenn sie nicht gestorben sind, dann…

    Vielleicht sollten nur die Rufen, die auch berufen sind, und damit meine ich nicht den ängstlichen, medienhörgen Bürger, oder den noch ängstlicheren, medienhörigen Politiker, der seine Existen an guten und schlechten Zeiten versucht zu weiden, statt sie zu vermeiden. Nicht jeder aber doch so mancher.

  5. Jojo

    Naja, machen wir halt Island dicht. Einfach die 300.000 Isländer nach UK oder Festlandeuropa rüberholen und aus Island wird ein schönes Naturparadies ohne Einwohner … Problem gelöst.

  6. Andy

    Es ist eine Frechheit, dass die Banken nun durch die staatliche Hand geschützt werden! Erst werden jahrelang auf hoch spekulativer Ebene Gewinne sondergleichen eingefahren – die natürlich nur revidiert in den Bilanzen auftauchen – und wenn es schiefgeht, greift Papa Staat granz brav ein. Konsequenzen? Erfahrungswerte? Was wird denn in 10 Jahren sein, wenn die Aktienkurse wieder einen Höhenflug antreten und die Banken sich wieder dumm und dämlich verdienen? Alles von vorne. Der gleiche Mist!
    Es steht den Banken natürlich frei, mit meinem Geld zu spielen. Interessiert mich normalerweise ja nicht einmal. Aber von diesen Gewinnen bekomme ICH nichts ab. Jetzt aber hafte ICH als Steuerzahler dafür, dass die sich verzockt haben? Ich glaube ich spinne …

  7. Markus

    Was genau ist so spassig an dieser Finanzkrise?

    Ich bin ja auch dafür das diese kriminellen/dummen Banker, was auf die Mütze bekommen. Aber das sind ja leider nicht die einzigen, die in dieser Sache mat drinhängen ……..

  8. Tim

    Genau, das ist kein Spass. Um mal beim Blogthema zu bleiben: Das Internetbusiness, Startups, web2.0 usw. ist von Investoren und Werbegeldern abhängig. Ein Crash würde dem ganzen Hype ein vorläufiges Ende setzen. Rezession und Werbeausgaben vertragen sich nicht und die VC-Geber und Investoren verlieren zur Zeit eine Masse Geld.

  9. egghat

    In einem Kommentar hat einer meiner Leser vermutet, dass das Thema Island mehr Schlagzeilen machen wird als Lehman. Er hatte Recht. Auch wenn Island im Vergleich zu Lehman eine kleine Nummer ist.

    Wir zahlen jetzt alle die Rechnung dafür, dass man Lehman nicht gerettet hat, keiner mehr dem anderen vertraut und daher niemand (nicht nur Banken) mehr eine Refinanzierung bekommt. Das ist ein Credit Crunch der übelsten Sorte, der schlimmste seit Weltwirtschaftskrise.

    Der Schaden ist schon jetzt 10-Mal höher als für die Rettung für Lehman angefallen wäre.

    Danke, dass dieses Exempel statuiert wurde! Danke!

  10. RH

    Jemand, der über diese Krise lacht, der hat nichts begriffen. Über den Interbankenmarkt ist auch das Geld aus Omas Sparbuch bei den Pleitebanken gelandet! Ich empfehle z.B. Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Geld oder das Buch “Makroökonomie, Geld und Währung ” von Lothar Wildmann für die Komiker unter uns.

    Wenn der Bankenmarkt zusammenbricht, dann sind wir alle am Ar***. Wieso:

    1. Von den 100 Euro auf deinem Sparbuch (Geldbasis “B”), verleiht deine Bank ca. 98 Euro weiter (1,5% Mindestreserve “r”). Das machen alle Banke so, weshalb aus deinen ursprünglichen 100 Euro dann 5.000 Euro Kreditgeld werden (Geldmenge M = B / r). Das ganze nennt sich dann “Geldschöpfung”.

    2. Früher konnte man sein Papiergeld jederzeit in Gold umtauschen. Heutiges Geld ist nicht an Gold oder ähnliches gebunden, weshalb es keinen “inneren” Wert hat. Der Wert beruht einzig und allein auf unserem VERTRAUEN in das Geld(system).

    Wenn nun viele (grosse) Banken Pleite gehen, dann kann das eine Weltwirtschaftskrise auslösen. Damals haben schon 12% Börseneinbruch gereicht. Am heutigen Tage haben einige Finanztitel über 10% verloren!

    Zurück zum kleinen Mann: wenn sich in der Bevölkerung die Meinung durchsetzt, dass das Geld auf der Bank nicht mehr sicher ist, dann heben wir schnell unser Geld von der Bank ab. Wenn das viele gelichzeitig machen, dann nennt man das “Bankrun”. Leider kann die Bank dir dann aber nur 2 Euro auszahlen, da der Rest ja verliehen ist! Für deine restlichen 98 Euro müssen erst mal Kredite gekündigt werden. Das führt dann dazu, dass die vielen Häuslebauer auf’n Schlach die ganze Kreditsumme aufbringen müssten. Deshalb wird es zu etlichen Zwangsversteigerungen kommen, die die Immobilienpreise in den Keller sausen lassen, wodurch wiederum weitere Kredite fällig werden … Strudel, Strudel. In viele Branchen wird es zu Massenarbeitslosigkeit kommen, weil die Firmen einfach nicht mehr an Kreditkapital für ihre Aufträge kommen. Das führt wiederum dazu, dass die Leute kein Geld mehr für Konsumgüter haben und sparen, weitere Branchen ziehen nach … Strudel, Srudel.

    In Anbetracht dieser Tatsache muss ich selbst sagen, dass unsere Regierung soetwas nach Möglichkeit verhindern sollte. Denn selbst Herr Bush hat verstanden, dass das 700 Mrd-Paket immer noch billiger ist als eine Wirtschaftskrise.

  11. derherold

    Ich gaube ja, daß es mit *web2.0* in Wirklichkeit (noch) gar keinen sog. *hype* gegeben hat … und der wird jetzt auch ausbleiben.

    Durch Finanzspekulationen ist man jetzt in diese Krise gekommen – aber “alle” haben mitgemacht. Berichte darüber, daß Island und Irland nur als Banken- und Finanzstandorte zur Prosperität gelangten, habe ich in der Vergangenheit nicht gelesen. Im Gegenteil, bei Island wurde regelmäßig auf die “hohe Bildung” und ihre “innovative” Gesellschaft verwiesen.

    Auch “wir” haben von den Außenhandelsdefiziten der USA, Irlands und Spanien profitiert … und egal, in welchen “steuerbegünstigten” Regionen Banken spekuliert haben: Unsere Steuereinnahmen wuchsen in jedem Jahr um 5, 6%. Darüberhinaus haben “Häuslebauer” in Deutschland ihren Anteil am “leichten Geld” erhalten, wie man an den Zinssätzen erkennen kann: Seit ca. 1992 leben wir in einer einmaligen Niedrigzinsphase, wodurch für manchen der Erwerb eines Hauses erst denkbar wurde.

    Zudem darf man nicht vergessen, daß politisch “befohlene” Immobilienkredite für Einkommenssschwache in den USA diese Blase ermöglicht haben – auf die Gefahren ist zwischen 1999-2004 immer wieder verwiesen worden.

  12. Robert Basic

    @Spaß, es gibt viele Arten und Weisen, Sprachen zu interpretieren. Das Wort Spaß kann man zB in Notzeiten auch mit schöne Scheiße bezeichnen. Ich bevorzuge das Wort Spaß.

  13. Horst

    heute geh ich konserven und haltbare lebensmittel für mindestens drei wochen einkaufen…das ist jetzt kein scherz !

    ich möchte keine panik erzeugen, aber seht euch lieber vor !

    horst

  14. sprain

    Muss mir den Podcast wohl mal anhören… bin schon länger auf der Suche nach jemand, der mir als ganz gewöhnlichem Menschen mal erklären kann, woher die Krise kommt und was deren Folgen sind. Für mich ist das ein spanisches Dorf.

  15. Georg

    Ich denke die Finanzkriese in Island wird nicht nur dort bleiben…. es ist halt mit einer der ersten Länder die es nach den USA richtig erwischt hat… wir sind grad in einer neuen Weltwirtschaftskrise… ob das nun mansche leute wahr haben möchten oder nicht…. Deutschland wird sicherlich auch noch dran kommen.

  16. Roman

    Schön find ich ja, dass zZ wohl gerade alle (Ex-)Banker (VR, CEOs…) ihr Geld abheben (Provisionen, überhöhte Löhne, Abfindungen), weil sie ja mehr als genug davon haben um ohne Zins 10 mal ihr eigenes Leben finanzieren zu können.

    Die Banken gehen pleite, der Staat versucht das schlimmste zu retten und die Leute, die das ganze verursachten und welche wohl einfach zu faul waren um ihre Arbeit zu machen (ich geh jetzt mal davon aus) schwelgen weiterhin in Saus und Braus.

    Schlussendlich kommt so oder so nicht gut raus. Ob wir jetzt zugucken und alles den Bach runter geht oder wir unfairerweise unser Geld opfern um die Fehler anderer auszubügeln. Irgendwie kommt mir gerade das Wort Kommunismus in den Sinn….

  17. mario

    Was heißt schon “normal”, wenn jahrelang im Übermaß Gewinne gescheffelt wurden? Wer sagt denn, dass es mit dem Platzen der Blase nicht erst wieder normaler geworden ist als vorher?

  18. Chris

    Nein, es ist ganz und gar nicht lustig, was aktuell in Island abgeht.
    @Martin: Erwarte lieber nicht zuviel. Durch die sehr schwache Krone werden Importe teuer – dumm für ein Land, das nahezu alles importieren muss. Mit Island=billig ist das wohl maximal sehr kurze Zeit so – die Preise steigen aktuell.

  19. Matthias

    Naja, ich kenne da eine am Forschungszentrum, aber ich würde jetzt einmal nicht von der Stimmungslage einer Frau Dr. Physik Forschungsurlaub auf die eigeborenen Islander (eher stoisch) schließen :)

    Ach ja, macht Euch doch mal den Spaß und fragt bei Eurer Bank nach Franken (ab 10.000 SFr. wird es interessant) oder nach Goldmünzen. *rofl*

  20. Hamlet

    Ausweg aus der isländischen Finanzkrise?
    Da hilft nur eins, Island muss wieder unter dänische Verwaltung zurück.

  21. Björn

    Habe von jemandem gehört, dass er 14% Zinsen bei einer isländischen Bank bekommen hat. Wen wundert es da, wenn die Pleite gehen? Jedem muss auch klar gewesen sein, dass sowas eine extrem Risikoreiche Geldanlage gewesen ist.

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