Je niedriger der Schulabschluss, desto weniger wird gezockt (sagt Bitkom)

Hehe, da wir heute schon mit Fragen zur Bildung losgelegt haben, gibt es hier noch einen kleinen Infohappen, der sich speziell an die Gamer unter euch richtet: Offenbar hat der angestrebte oder erworbene Schulabschluss großen Einfluss auf das Spielverhalten. Das zumindest behauptet der Bitkom – und bei soviel Studien und Umfragen, die der Verband täglich raushaut, muss es ja stimmen. Also, hier das Ergebnis im Detail: Insgesamt wurden 1.002 Personen über 14 Jahren telefonisch befragt. Dabei kam heraus, dass fast jeder dritte Abiturient zockt – bei den Hauptschülern sei es nur jeder fünfte. Das kurze Fazit des Bitkom: “Mit dem Bildungsniveau wächst die Neigung zu Computerspielen.” Unterstützt wird die These mit der neu gewonnenen Erkenntnis, dass ein ähnliches Verhältnis auch im Konsolensektor herrsche: Jeder elfte Gymnasiast besitze eine – bei den Hauptschülern sei es nur jeder zwanzigste.
Die Umfrage wurde übrigens im Vorfeld der Games Convention durchgeführt, die in wenigen Stunden in Leipzig beginnt. Wahrscheinlich wird das ein wahres Akademikertreffen…
(André Vatter)
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· read: 4401 · today: 2 · last: 25. May 2012





Nunja, vielleicht haben die Kids in der Realschule auch Eltern mit Realschulabschluss oder weniger. Und die hängen dann an der Mutterbrust von Hartz4 und haben keine Kohle um ihren Kindern die tollsten und neuesten Konsolen/Computer zu kaufen.
Ähnliche (fiktive) Studie: 1.000 Menschen über 18 Jahren wurden nach dem Fahrzeug befragt, das sie derzeit besitzen. Ergebnis der Studie: Offensichtlich wollen Menschen aus lohnschwachen oder mittelständischen Familien keine teuren Spitzen-Sportwagen fahren.
Kurz gesagt: Wer sich die notwendige Hardware für aktuelle Computerspiele nicht leisten kann, wird auch nicht spielen. Die Neigung zu Computerspielen am Bildungsniveau festzumachen halte ich für ziemlich naiv, weil es die technischen Möglichkeiten durch die Sozialbedingungen ignoriert. Nachweislich (hab grad keinen Link zu einer Studie parat) korreliert das Bildungsniveau positiv mit dem Sozialniveau.
Vermutlich haben die so zwischen 9 und 15h angerufen und nur die Schulschwänzer an die Apparate bekommen…
Was haltet ihr von folgendem Schluss aus der Studie:
Zocken macht leistungsfähiger und sorgt so für ein höheres Bildungsniveau. Daher zocken mehr Abiturienten.
Ich finde das ehrlich gesagt selbst ein bisschen paradox, aber das ist genauso schwammig wie wenn man sagt “Mit dem Bildungsniveau wächst die Neigung zu Computerspielen.”
Im Endeffekt sehe ich das Fazit der Studie nicht ganz faktisch belegt.
@Paul: *unterschreib* :)
[...] Schlaue Schüler sind eifrig am zocken [...]
Meiner Meinung nach nicht repräsentativ.
Stimme auch mit Lenn’s Aussage überein.
Zu den falschen Schlüssen, die aus den Zahlen gezogen wurden ist ja schon alles gesagt worden. Eine Abhängigkeit wie aus Bildung/Dummheit folgt Zocken oder umgekehrt kann daraus nicht abgelesen werden. Und der soziale Status spielt sicherlich eine Rolle.
1. Abiturienten neigen zu einem höheren sozioökonomischen Status. Eltern von Abiturienten wären in der Regel eher in Lage, ihrem Kind einen eigenen Computer oder eine Spielkonsole zu erwerben.
2. Ist ein scheinbarer ZUSAMMENHANG keine WIRKUNG festgestellt worden. Weder führt Computerspielen zu guten Schulleistungen – was auch absurd wäre – noch führen gute Schulleistungen zu einer Neigung zu Computerspielen.
3. Die Befragung wurde von einer Lobbyorganisation für Computerspiele durchgeführt, deren Interesse darin besteht, das Ansehen der Computerspielbranche zu erhöhen und ihren Gewinn zu maximieren.
In unabhängigen Studien findet sich in der Regel kein solcher Zusammenhang. T. Quandt, J. Wimmer & J. Wolling stellen in ihrer sozialwissenschaftlichen Analyse “Die Computerspieler. Studien zur Nutzung von Computergames.” fest, dass:
“Hauptschüler häufiger als Realschüler und diese wiederum häufiger als Gymnasiasten Ihre Zeit mit Computerspielen verbringen. In nicht repräsentativen Studien haben viele der Befragten oft einen relativ hohen Bildungsabschluss, sodass teilweise verallgemeinernd vom “hochgebildeten” Gamer die Rede ist”
Die Zahlen der BITKOM-Studie, so selbstwertdienlich sie auch sein mögen, müssen also dringend infrage gestellt werden.
Fassen wir zusammen:
1. Der BESITZ von Computerspielen scheint mit einem höheren Bildungsgrad zusammenzuhängen (oft auf das Einkommen der Eltern zurückzuführen).
2. Das SPIELEN scheint eher mit einem niedrigeren Bildungsgrad zusammenzuhängen.