Gelöschte Orwell-Klassiker: Amazon zahlt 150.000 Dollar Wiedergutmachung

André Vatter

george_orwell_1984Im Juli hatten Leser in den Vereinigten Staaten einen kleinen Vorgeschmack erhalten, was passiert, wenn ein Buchhändler seine verkaufte Ware einfach wieder einzieht. Im Zuge von Urheberrechtsstreitigkeiten war Amazon davon ausgegangen, völlig legal zu handeln, als man auf tausenden Kindles ohne Vorwarnung die Orwell-Romane „1984“ und „Animal Farm“ löschte. Eine solche Aktion kostet nicht mehr als einen Knopfdruck, immerhin kann Amazons E-Book-Reader über das Mobilfunknetz mit Inhalten gefüttert oder eben auch auf Diät gesetzt werden.

Die Kunden schrien empört auf, doch kam die lauteste Stimme von Justin Gawronski, einem 17-jährigen Schüler aus Michigan. Amazon habe seine Hausaufgaben aufgefressen! Tatsächlich war es so, dass mit der Löschung von „1984“ nicht nur der Roman fort war – sondern damit auch die komplette Grundlage für seine Notizen, die er sich im Gerät gemacht hatte.

Amazon-Chef Jeff Bezos entschuldigte sich bei allen Kunden persönlich für das Vorgehen, nannte es “dumm und gedankenlos“. Doch Gawronski reichte das nicht, er besorgte sich einen Anwalt und zog vor Gericht. Er wollte einen Präzedenzfall schaffen und Amazon das Versprechen abringen, nie wieder unerlaubte Fernlöschungen vorzunehmen. Und er hat es geschafft…

UPDATE Newsletter BASIC thinking

Du willst nicht abgehängt werden, wenn es um KI, Green Tech und die Tech-Themen von Morgen geht? Über 12.000 Vordenker bekommen jeden Tag die wichtigsten News direkt in die Inbox und sichern sich ihren Vorsprung.

Nur für kurze Zeit: Anmelden und mit etwas Glück Apple AirPods gewinnen!

Mit deiner Anmeldung bestätigst du unsere Datenschutzerklärung. Beim Gewinnspiel gelten die AGB.

Im Internet ist jetzt die Abfindungsvereinbarung (PDF) aufgetaucht, die Amazon mit der Kanzlei geschlossen hat. Darin verpflichtet sich der Buchhändler, Schadensersatz in Höhe von 150.000 Dollar zu zahlen. Das Geld soll allerdings ohne Umwege einer gemeinnützigen Stiftung zufließen. Zusätzlich – und darauf kam es schließlich an – verpflichtet sich Amazon dazu, künftig keine verkauften Bücher mehr unerlaubt einzuziehen. Ausnahmen sind nur dann gestattet, wenn eine gerichtliche Anordnung vorliegt oder ein Computervirus gestoppt werden muss.

Beim Wall Street Journal lesen wir, dass sich Gawronskis Anwalt nach Abschluss des Deals erst einmal den Schweiß von der Stirn wischen musste. „Wenn ein CEO vor die Öffentlichkeit tritt und verspricht, dass so etwas nie wieder passiert, ist das so eine Sache. Es wird allerdings wesentlich glaubwürdiger, wenn das Versprechen in einem rechtsgültigen Dokument wieder auftaucht.“ Während der Gespräche habe Amazon eine „aggressive Verhandlungsposition“ eingenommen, so der Anwalt.

Und was kam für den Schüler dabei herum? Nichts. Gawronski war offensichtlich wirklich nicht auf die Kohle scharf, sondern wollte nur das juristische Feld rund um die neue Technologie neu abstecken. Vor einigen Wochen hatte Amazon seinen betroffenen Kunden einen Entschädigung in Form eines 30-Dollar-Gutscheins angeboten. Gawronski war damit einverstanden. Immerhin – seine Hausaufgaben hatte er letzten Endes ja auch ohne den Kindle fertig stellen können.

Google lässt dich jetzt selbst bestimmen, welche Quellen du in der Suche häufiger siehst. Mit zwei schnellen Klicks kannst du BASIC thinking kostenlos als bevorzugte Quelle hinzufügen und damit unabhängigen Tech-Journalismus unterstützen. Vielen Dank!

(André Vatter)

Du möchtest nicht abgehängt werden, wenn es um KI, Green Tech und die Tech-Themen von Morgen geht? Über 12.000 smarte Leser bekommen jeden Tag UPDATE, unser Tech-Briefing mit den wichtigsten News des Tages – und sichern sich damit ihren Vorsprung. Hier kannst du dich kostenlos anmelden.

STELLENANZEIGEN
Content & E-Commerce Manager (m/w/d)
Valdemar Krog GmbH in Hamburg
Werkstudent oder Student im Praxissemester fü...
Ritter Energie GmbH & Co. KG in Dettenhausen
Manager (m/w/d) Content-Strategie und Markenk...
VdS Schadenverhütung GmbH in Köln
Online Marketing Manager (m/w/d)
personalisten GmbH in Coesfeld
Grafik-, Medien- & Webdesigner (m/w/d)
S-Markt & Mehrwert GmbH & Co. KG in Halle (Saale)
Manager:in (m/w/d) Kommunikation und europäis...
Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart ... in Stuttgart
Content & Marketing Manager E-Commerce (m...
LouMaxx GmbH in Mayen
Social Media Berater (m/w/d)
Baden-Württembergischer Genossenschafts... in Stuttgart
THEMEN:
Teile diesen Artikel
Folgen
André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.