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Löschen von Nutzerdaten: Bing wird Vorreiter beim Datenschutz

Thema: Internet, Kritiken, Recht, Unternehmen, 19.01.2010

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Die Europäische Union pocht seit zwei Jahren darauf, dass Suchmaschinen ihren Datenhunger ein wenig zügeln und spätestens nach sechs Monaten die Informationen der Nutzer – inklusive der IP-Adressen – kompromisslos löschen. Google hatte seinerzeit nicht gerade erfreut auf die Brüsseler Anordnung reagiert: Bis 2008 speicherte der Suchriese alle gesammelten Daten zwei Jahre lang. Das neue Zugeständnis bestand darin, die Daten nun nach neun Monaten zu anonymisieren – gelöscht wird nach wie vor nichts. Yahoo! weigert sich ebenfalls bis heute, die Auflagen zu erfüllen: Man sei dringend auf die Informationen angewiesen, um den Betrieb und Ausbau der Suche weiterhin zu gewährleisten.

Offenbar gilt diese Einschränkung aber nicht für jeden: Nun ist Microsoft vorgeprescht und hat erklärt, künftig die Privatsphäre der Nutzer ernster zu nehmen: “Wir werden sämtliche Internet-Protokoll-Adressen, die mit Suchanfragen in Verbindung stehen, nun nach sechs Monaten löschen – und nicht länger nach 18 Monaten”, schreibt Microsofts Datenschutzmann Peter Cullen. IP-Adressen würden wie bisher zum Zeitpunkt der Suchanfrage umgehend anonymisiert: “de-indentified”, sagt Microsoft dazu. Wie das geht, kann in einem PDF nachgelesen werden. Nach einem halben Jahr wandern sie in den Mülleimer. Microsoft rechnet damit, dass die angekündigten Änderungen innerhalb der kommenden “12 bis 18 Monate” umgesetzt werden können.

Eine nicht ganz freiwillige Entscheidung

Ein schönes – wenn auch überraschendes Zugehen auf die Nutzer. Das Unternehmen hatte immer versichert, dass man sich nur ändern werde, wenn auch die Wettbewerber mitziehen. Jetzt sieht man sich in der Rolle des Vorreiters: “Wir rufen die Konkurrenten auf, nun dasselbe zu tun”, sagte Microsofts Vize John Vassallo gegenüber der “New York Times”.

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Tatsächlich dürften aber zwei Gründe ausschlaggebend für den plötzlichen Kurswechsel sein: Zum einen boomt das Thema Datenschutz (unabhängig davon, was Facebook-Zuckerberg sagt) und Marketingstrategen entdecken in der Entwicklung mittlerweile ein profitables Alleinstellungsmerkmal. Den zweiten Grund liefert die EU selbst. Die Article 29 Working Group, das Gremium, das die neuen Regeln erarbeitete, darf lediglich Empfehlungen abgeben. Sanktionen können aber nur die Datenschutzbehörden der einzelnen Länder aussprechen (inklusive Haftstrafen). Das ist in der Vergangenheit noch nicht passiert, weshalb sich Google und Yahoo! auch noch das Päuschen bei den Reformen gönnen.

Seit dem Vertrag von Lissabon hat die EU-Kommission aber erstmals die Macht bekommen, selbst Strafen zu verteilen. Microsofts vorauseilender Gehorsam soll diesen Ambitionen den Wind aus den Segeln nehmen. Vassallo sagte der Zeitung ziemlich offen, dass sie keine Lust darauf haben, dass sich die EU neue Regulierungsideen einfallen lässt. Wenn dies erst eingetreten ist, dürfte der Spielraum für alle Suchmarkt-Teilnehmer nämlich ordentlich eingeschränkt werden.

(André Vatter)


     

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18 Kommentare zu “ Löschen von Nutzerdaten: Bing wird Vorreiter beim Datenschutz ”

  1. #1 web-newspaper [www] schrieb

    Wirkt sich sicherlich positiv auf die Beliebtheit von Bing! aus. Also, wie ich finde, ein sehr guter Schachzug, um Google weiterhin die Stirn zu bieten ;)

  2. #2 Jake [www] schrieb

    Diese Entwicklung zeigt natürlich in keinster Weise Microsofts positive Einstellung zum Datenschutz. Sondern einfach nur, dass Konkurenz belebt und Wettbewerb gut für die Nutzer ist.

  3. #3 Lenn schrieb

    Naja, nach meinem Verständnis ist in Sachen Datenschutz bei Suchmaschinen immer noch ixquick der Vorreiter. Die Meta-Suchmaschine bietet eine https-verschlüsselte Verbindung, speichert die IP-Adressen gar nicht erst und wurde dafür u.a. mit dem European Privacy Seal ausgezeichnet. (Okay, letzteres hat seit den Datenpannen unter dem TÜV-Siegel weniger Überzeugungskraft, aber dennoch. Empfehlungen der Datenschutzbeauftragten sprechen auch noch für sich.)

  4. #4 Kiki schrieb

    Kluger Zug, aber wie glaubwürdig ist ein Laden, dessen Crawler zumindest in der Vergangenheit wiederholt die robots.txt-Anweisungen ignorierten und gezielt in den “verbotenen” Verzeichnissen schnüffelten?
    Ich traue denen nicht weiter, als ich ein Klavier werfen kann.

  5. #5 Fry schrieb

    Umsetzung “12 bis 18″ Monate … respekt. das nenn ich mal schnell…

  6. #6 Nico schrieb

    Ich sehe darin auch eine Möglichkeit sich von Google abzusetzen. Google in der Qualität der Ergebnisse zu übertreffen ist sehr schwer, die Macht der Gewohnheit macht es noch schwerer, aber mit solchen Datenschutz-Belangen gräbt man an Googles wundem Punkt weitere Kunden ab. Finde ich eine sehr gute Entscheidung!

  7. #7 Ariakan [www] schrieb

    Wer glaubt denn ernsthaft das Microsoft das auch wirklich macht ? Wie sollte man kontrollieren ob Microsoft meine Daten wirklich löscht. Mehr Datensicherheit kann nur dadurch erreicht werden, dass man dem Nutzer den vollen Zugriff auf die eigenen Daten gewährt. Somit kann jeder sein eigenes Surfverhalten bewerten und entsprechend reagieren, sofern im die Privatsphäre nicht stark genug geschützt ist.

  8. #8 Christian [www] schrieb

    Für mich wäre Bing ein Vorreiter wenn die Daten sofort gelöscht werden und nicht 6 Monate statt 12 Monate.

  9. #9 manuel schrieb

    wirklich tolle news, warum wurd die überhaupt geschrieben.

  10. #10 Nicole Haase [www] schrieb

    Freiwillige Datendiät? Interessant.

    Daher ebenfalls wunderbare Ergänzung für die Liste zum Thema Leistungs- und Datenschutz: http://bit.ly/aVz1pX

  11. #11 GoogleSharing: Neues Browser-Plugin stoppt die Google-Schnüffelei | Basic Thinking Blog [www] schrieb

    [...] Daten aller Nutzer (ob eingeloggt oder frei auf der Plattform) getrackt und gespeichert. Erst nach neun Monaten werden diese Informationen von Google anonymisiert – gelöscht wird [...]

  12. #12 monica [www] schrieb

    i dont like bing.
    i hate it hate it hate it

  13. #13 kacy schrieb

    Hallo
    Ich habe gehört dass yahoo die Ip adresse (womit man den Ort/Land ungefähr bestimmen kann), nach 90 Tagen löscht. Stimmt das ?

    Habe meine e-mail adresse bei yahoo gelöscht. Nun frage ich mich ob meine Ip adresse dann nach 90 Tagen gelöscht wird? Das heisst dass diese Adresse dann nicht mehr sichtbar ist in den Details von gesendeten Mails ?

  14. #14 Olli [www] schrieb

    Bing muss dem geneigten User halt etwas bieten, was andere große Suchmaschinen (Google) nicht bieten (Datenschutz), um sich beim Kunden einen Vorteil zu verschaffen.

  15. #15 Andy P [www] schrieb

    Auch wenn Bing besseren Datenschutz liefert, wird das die meisten User (gerade die unbedarften) im Konkurrenzkampf Google. vs Bing nicht weiter stören. Google hat so hohe Marktanteile und Macht, dass Bing sich trotz mehr “Kundenfreundlichkeit” kurz- und mittelfristig sicher nicht durchsetzen wird. Dafür sind die Suchergebnisse gegenüber Goolge einfach auch nicht gut genug bzw. zu ähnlich.

  16. #16 jogi [www] schrieb

    ich möchte bing sofort los werden.hat es mir doch die ganze toolbar durcheinandergebracht.die symbolleiste ist ebenfalls weg.
    weiss da jemand wie man den verein löschen kann?

  17. #17 Christian Louboutin Sale [www] schrieb

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  18. #18 Karen Millen 2011 [www] schrieb

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