Wegen iTunes und Amazon: Apple im Visier der US-Justiz

Marek Hoffmann

Wenn selbst der Focus ein Apple-Thema aufgreift, das noch von keiner Seite offiziell bestätigt wurde, und es gleich morgens um kurz vor neun Uhr veröffentlicht, dann will das schon was heißen. Und in der Tat: Eine Meldung der New York Times (NYT) vom gestrigen Dienstag hat es durchaus in sich und wird – ohne meinerseits polarisieren zu wollen – vor allem jene Kritiker erfreuen, die schon lange nach ähnlichen Maßnahmen verlangten. Darin wird nämlich – unter Berufung auf Insider, wie es immer so schön heißt – behauptet, dass das US-Justizministerium im Rahmen eines Kartellverfahrens Apples Geschäftsgebaren etwas genauer unter die Lupe nimmt.

Und darum geht es im Kern: Zum einen untersuchen die Beamten die Methoden des Unternehmens, mit denen es Musik im Internet verwertet beziehungsweise verkauft. Außerdem wird Vorwürfen nachgegangen, wonach Apple seine marktbeherrschende Position ausgenutzt haben soll, um sich Vorteile gegenüber seinem Konkurrenten Amazon zu verschaffen. Demnach sollen Musik-Labels dazu gedrängt worden sein, dem Online-Versandhaus exklusiven Zugriff auf kurz vor der Veröffentlichung stehende Musik-Tracks zu verweigern. In diesem Zusammenhang sollen sowohl Bosse der großen Musik-Labels als auch jene aus Unternehmen befragt worden sein, die Musik im Internet anbieten.

Diese Anschuldigungen basieren weitestgehend auf einem Artikel des Online-Ablegers Billboard.biz des amerikanischen Musikbranchen-Insiders. Darin wird behauptet, Amazon hätte verschiedene Labels darum gebeten, bestimmte Musiktitel einen Tag vor ihrem Erscheinen exklusiv an seine Kunden verkaufen zu können. Im Gegenzug wurde den Plattenfirmen ein Deal angeboten, bei dem diese Songs innerhalb einer Promotion-Aktion namens „MP3 Daily Deal“ auf der Website des Versandhauses verkauft würden. Offenbar lehnten aber viele Label-Bosse ab – aus Sorge vor Repressalien durch Apple.

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Das Unternehmen aus Cupertino ist in den USA mit 69 Prozent Marktanteil mit Abstand der größte Anbieter von Online-Musik. Amazon belegt mit seinem MP3 Store immerhin den zweiten Platz – allerdings mit nur acht Prozent Anteil. Da ist es verständlich, wenn sich die Verantwortlichen der Plattenfirmen zweimal überlegen, ob sie Steve Jobs verärgern wollen, denn wie der auf so etwas reagiert, dürfte hinlänglich bekannt sein. Wie Billboard berichtet, wiesen sie die Bitte Amazons daher ab, nachdem sie von iTunes-Mitarbeitern freundlich darum gebeten wurden. Soweit die Story.

Laut „New York Times“ hat sich aber bisher keine beteiligten Parteien zu dem Bericht geäußert – weder Apple oder Amazon, noch jemand von Justizministerium. Vom Letztgenannten dürfen wir wohl aber noch am ehesten eine Stellungnahme erwarten. Natürlich habe ich aber meinerseits auch bei Apple und Amazon angerufen und warte nun auf ein Statement. Sobald ich was weiß, wisst ihr es auch.

Übrigens: Dies ist nur der aktuellste Vorwurf gegen Apple, dem die Justiz-Mitarbeiter offenbar nachgehen. So untersucht die Kartellbehörde – wieder Insiderinformationen zufolge – unter anderem auch die Richtlinien für Entwickler von iPhone-Apps, nachdem sich Adobe wegen eines darin enthaltenen des Flash-Ausschlusses beschwert haben soll. Hinzu kommt eine Untersuchung bezüglich der Einstellungspraktiken von Arbeitnehmern, die aber nicht nur Apple, sondern auch Unternehmen wie Intel, IBM und Google betreffen soll. Demnach sollen die sich untereinander darauf verständigt haben, nicht die ehemaligen Mitarbeiter des Konkurrenten einzustellen.

Nachtrag: Ein erstes klares Statement habe ich mittlerweile erhalten. „Wir geben dazu keinen Kommentar“ heißt es dazu aus Apples deutscher Pressestelle.

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(Marek Hoffmann / Foto: Flickr – Fotograf: Tom Coates)

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Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.