Atos Origin will E-Mail abschaffen: Leichter kommunizieren, aber ganz sicher nicht weniger
Der E-Mail geht es an den Kragen: Manager verbringen heute 5 bis 20 Stunden pro Woche, um elektronische Post zu lesen oder zu schreiben, klagt Atos Origin. In 25 Prozent der weiteren Arbeitszeit suchten sie Manager nach Informationen im Netz. Das ist sowohl eine Horror- wie auch eine Erfolgsmeldung. Was früher analog war, ist heute digital und damit deutlich leichter geworden. Doch das Rad hat sich weiter gedreht: Atos Origin kündigt in einer Pressemeldung die nächste Runde in der Evolution der Kommunikation an: Der französische IT-Dienstleister will die E-Mail intern innerhalb von drei Jahren abschaffen. Zusätzlich sollen interne Tools zur Wissenssammlung die Netzrecherche weitgehend überflüssig machen. Die Idee ist lobenswert, aber die Rechnung, dass Mitarbeiter danach mehr Zeit in der Woche für andere Tätigkeiten hätten, würde so manches Milchmädchen beleidigen.
Rund 200 Mails hätten Atos Origins Mitarbeiter im vergangenen Jahr im Schnitt täglich erhalten, 18 Prozent davon Spam. Direktere Kommunikationswege hätten die Zahl der Mails um weitere 20 Prozent verringern können, sagen die Franzosen. Atos wirft eigene Social Community Plattformen wie Office Communicator in den Ring, die das E-Mail-Aufkommen schon heute direkt um 10 bis 20 Prozent senken könnten.
Mehr Produktivität aber nicht weniger Kommunikation
Alles schön und gut. Denn so praktisch E-Mails im Vergleich zu papiernen Briefen auch sind, sie sind echte Zeiträuber geworden und ein Großteil der Arbeitszeit im Büro geht für das Schreiben von E-Mails drauf. Zeit, die man früher damit verbrachte, Briefe zu schreiben oder zu telefonieren. Und die Zeit für die Recherche im Netz bedeutete früher Recherche in Nachschlagewerken, Katalogen, am Telefon. Zeit, die wir künftig also mit Collaboration Tools und sozialeren Kommunikationsplattformen verbringen sollen. Dass das weniger sein wird, ist allerdings unwahrscheinlich. Denn die frei werdende Zeit dürfte schnell mit neuen Aufträgen oder Mehrarbeit gefüllt werden, die wiederum ein Mehr an Kommunikation nach sich ziehen. Also nichts gewonnen außer leistungsstärkere Mitarbeiter.
Genau das wird mit dem Ende der E-Mail auch passieren. Das Kommunizieren wird einfacher und schneller und wir werden endlich mehr Anfragen in kürzerer Zeit verarbeiten können. Der Privatnutzer kann das schon einmal an Hand von Facebook Messages nachvollziehen. Hier kann man ohne Betreffzeile, Gruß und Anrede posten, was in der Tat schneller geht. Bleibt uns deswegen mehr Freizeit? Unwahrscheinlich. Eher kommunizieren wir einfach mehr als davor und schreiben noch mehr kurze Nachrichten als lange E-Mails, weil das ja jetzt leichter geht. Atos Origin suggeriert in der Pressemeldung, dass Manager endlich wieder mehr Zeit für andere Tätigkeiten als Kommunikation hätten. Worin aber, außer in Kommunikation, besteht denn bitte die Hauptaufgabe des Managements?
Bleiben wir fair: Leichter zu kommunizieren macht Spaß, Fortschritte in der Kommunikation haben noch immer gut getan. Ob eine Nachricht nun noch E-Mail heißt oder nicht, ist doch im Grunde egal. Aber Atos Origin sollte so fair sein und erwähnen, dass das Abschaffen der E-Mail nur eine Seite der Medaille ist. Es werden Barrieren abgebaut, aber weniger kommunizieren werden wir nicht.
(Jürgen Vielmeier)
|
|
Tweet |
|
3. Artikelstatistik:
· read: 6779 · today: 8 · last: 23. February 2012






Gruß
Vincent
Firmen- oder Netzwerkintern mag das funktionieren. Aber die Email als Kontakt über solche Grenzen hinweg, als Kommunikationsmittel offizieller Art , wird sich so leicht wohl nicht ersetzen lassen.
Spass beiseite – das Problem ist doch vielmehr, WIE man Email benutzt. Zum Informationsaustausch = super und zeitsparend. Zur KOMMUNIKATION – total ungeeignet, da ist Telefon oder reales Treffen 10 mal effektiver. Gibt tausende Studien dazu. Das Problem ist also eher, dass es in vielen Unternehmen einfach keine sinnvolle Kommunikationskultur gibt. Eien einfach Grundregel könnte lauten: Wenn es bei einer E-mail, mehr als eine Rückfrage oder Gegenmeinung gibt – sofort stoppen und anrufen. Ob zu zweit oder nen grosser Verteiler – dann muss man halt ne Telko machen oder sich treffen wenn man im selben Gebäude sitzt.
Die Diskussion erinnert mich irgendwie an die Leute die auch Powerpoint verteufeln. Nicht das Programm ist schlecht, sondern nur was viele Leute damit machen. Die wenigsten wissen es richtig einzusetzen…
man sollte einfach den CC-Wahn in Firmen untersagen. Das würde die Anzahl an Mails drastisch reduzieren.
@Schorsch kann mich dir nur anschließen. Wenn die Leute es effektiv anwenden, wäre es nur halb so schlimm.
Stay Focused.
Auch privat könnte man die Herangehensweise von Schorsch aufsplitten. Kurz gesagt, es gibt für jeden Inhalt den richtigen Kommunikationskanal. Viele Personen in meinem Umkreis beschweren sich über die “SMS-Kultur” der Jugend. Unterscheiden aber nicht nach Inhalt. Es gibt Infos für die ist eine SMS der beste Kanals und für andere Inhalte wähle ich das Telefonat und/oder die E-Mail oder eben einen Brief.
Genauso im Büro. Die Technik ist nur so gut wie ihr Anwender. Aber es ist eben leichter der Technik die Schuld zu geben als den Freunden oder den Angestellten.
Bei einem Verkehrsunfall ist auch immer das Auto Schuld und nicht der Fahrer. ;-)
mfg Bätschman
hier empfehle ich einen witzig geschriebenen Artikel in der Fachzeitschrift CallCenter SCOUT:
Der Netzknigge
Spielregeln der digitalen Kommunikation
Ehen werden per SMS beendet, Unmut über den Pizzaservice wird auf QYPE hinterlassen und regt zur Diskussion an, der Vorstandsvorsitzende ist auf Facebook mit der Vertriebsassistenz verknüpft und der 10-Jährige meckert per Tweet über die Erziehungsmethoden seiner Eltern. Wohin führt uns der digitale Wahnsinn?
weiterlesen ->> http://www.call-center-scout.d.....KNIGGE.pdf
[...] Das stimmt. Der Begriff hat sich derart in der Sprache manifestiert, dass das vorgestellte “e-” für “electronic” an Bedeutung verloren hat. Auch “endlich” ist richtig. Denn mit der E-Mail, pardon, Email geht es schon wieder abwärts. Facebook und Instant Messenging setzen dem Medium zunehmend zu. Und Atos Origin will die Spamschleuder und den Zeiträuber mittelfristig durch andere Techniken ersetzen. [...]
“Der E-Mail geht es an den Kragen: Manager verbringen heute 5 bis 20 Stunden, um elektronische Post zu lesen oder zu schreiben”
Pro Jahr? Pro Monat? Pro Tag?
@Henrik: Pro Woche. Ts, da steht so eine Meldung zwei Monate hier online und erst dann fällt’s einem auf. Hab’s ergänzt. Merci für den Input! ;)
[...] er es also wieder in die Schlagzeilen geschafft: Bereits im Februar tönte Thierry Breton, Chef des französischen IT-Dienstleisters Atos, er wolle die E-Mail unternehmensweit [...]
[...] Zero Mail Policy: Laut einer Pressemitteilung will der französische IT-Dienstleister Atos Origin die interne elektronische Post innerhalb von drei Jahren abschaffen. So soll vor allem die Produktivität im Management gesteigert werden. Evolution der Kommunikation oder Milchmädchenrechnung? [...]