Techcrunch: Blog-Urvater Arrington geht, Millionär Schonfeld übernimmt

Ist es eigentlich schon bezeichnend, dass man über die Hintergründe des Abgangs von Michael Arrington nicht auf dessen Blog Techcrunch alles Notwendige erfährt, sondern beim Business Insider? Auf Techcrunch erschien gestern nur eine ultrakurze Nachricht von AOL, die Arringtons Abgang bestätigt. Der Techchrunch-Gründer wird dabei in den Himmel gelobt. Er sei ein Top-Unternehmer und man werde ihn in seinem geplanten Venture-Fonds Crunchfund unterstützen, aber er habe sich dazu entschieden, wegzugehen. Dieses “entschieden” setzte Autor Jack McKenna in Anführungszeichen, um dem ganzen wenigstens ein bisschen Sarkasmus zu verleihen.

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Arrington erschien auf der Startup-Konferenz Techcrunch Disrupt mit dem T-Shirt “Unbezahlter Blogger”. (Willkommen in Deutschland, hätte ich da beinahe gesagt.) Dort sagte er, für ihn sei es keine gute Situation mehr, bei Techcrunch zu bleiben. In ein paar Tagen sei er kein Angesteller mehr des Blogs oder von AOL. Er werde Techcrunch aber weiterhin unterstützen. Seine rechte Hand Erick Schonfeld übernimmt die Leitung. AOL kündigte in der Botschaft an, man werde die Redaktionsleitung aufstocken.

AOL hat richtig reagiert

Schonfeld ist seit 2007 bei Techcrunch und soll sich einen Anteil von 5 Prozent an dem Blog gesichert haben. Da AOL für die Übernahme vor einem Jahr mindestens 25 Millionen US-Dollar bezahlt hat, dürfte Schonfeld damit Millionär sein. Da sage noch einer, mit Bloggen ließe sich kein Geld verdienen. Dass AOL die Leitung erweitern will, dürfte aber heißen, dass man ihm den Job alleine nicht zutraut. Na denn, viel Spaß: Bei Techcrunch zu arbeiten, dürfte in Zukunft seinen Reiz verlieren.

Trotzdem hat AOL richtig reagiert: Konzernchef Tim Armstrong hatte keine andere Wahl, als Arrington zu entlassen. Der Techcrunch-Gründer hatte Armstrong ein Ultimatum gestellt, das dieser ohne Gesichtsverlust niemals hätte annehmen können. Auch Chefredakteurin Arianna Huffington hat richtig reagiert, indem sie Arringtons Entlassung forderte. Gleichzeitig über die Unternehmen zu schreiben, die man mit einem Startup-Fonds fördert, dürfte in der Tat einen Interessenskonflikt bedeuten, den ein Medienunternehmen sich nicht bieten lassen kann.

Das ist für Techcrunch der Nachteil der millionenschweren Übernahme durch AOL. Aber niemand hält Arrington davon ab, ein neues Blog zu starten…

(Jürgen Vielmeier, Bild: Alexia Tsotsis)

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8 Kommentare

  1. Jürgen Vielmeier

    @Georg: Gizmodo sind aber auch A**holes! ;)

    @Sergeji: Klar, auch. Aber wenn es um die Ehre geht, habe ich schon oft gesehen, dass es selbst reichen Leuten weniger ums Geld als den guten Ruf geht.

  2. Gast

    “Ist es eigentlich schon bezeichnend, dass man über die Hintergründe des Abgangs von Michael Arrington nicht auf dessen Blog Techcrunch alles Notwendige erfährt, sondern beim Business Insider?”

    Das ist so nicht richtig. In den vergangenen Tagen ist auf den TechCrunch-Seiten sehr wohl über die Hintergründe geschrieben worden.

    Zum Beispiel hier:

    TC (08.09.2011): Yes, Of Course I’ll Resign Unless Mike Arrington Chooses His Successor
    http://techcrunch.com/2011/09/08/not-leaving-quietly/

    ***********************************************
    TC (06.09.2011): TechCrunch As We Know It May Be Over
    http://techcrunch.com/2011/09/06/the-end/
    ***********************************************

    Erster Leserkommentar dazu:
    “wow. the fact that you are publishing this on TechCrunch is why I love TechCrunch. good work, as always, MG.”

    TC (02.09.2011):
    The CrunchFund: Actually, Tim, We Don’t All Have “Different” Standards
    http://techcrunch.com/2011/09/02/crunchfund/

  3. Jürgen Vielmeier

    @Gast: Ja, die beiden Beiträge kenne ich. Die stammen aus der Zeit, als Arrington noch da war bzw. schon weg war, es aber noch niemand kommuniziert hatte. Auch TC nicht. Danach kam auf Techcrunch nichts mehr zu dem Thema.

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