Strafanzeige gegen "Lol"

Schöne Geschichte drüben bei Alvar Freude vom ODEM-Blog. Er erhielt gestern einen Brief von der Polizei Berlin, die im Rahmen einer Strafanzeige gegen Nutzer seiner Website ermittelt. “Herr W erstattet Strafanzeige gegen folgende genannten Personen auf Ihrer Website: Cora be, Noodles, Robert H, Anonym und Lol.”

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Freude wird zur Herausgabe der Anmeldedaten dieser Website-Besucher aufgefordert. Er musste erst einmal nachrecherchieren, um herauszufinden, was die Polizei genau von ihm wollte und in welchem Zusammenhang er die Namen herausgeben soll. Zankapfel sei dabei möglicherweise ein Beitrag im ODEM-Forum aus dem Jahr 2003, in dem der Kläger sich von den genannten Kommentatoren verunglimpft sieht. Darunter eben auch Lol und Anonymous.

Anmeldedaten allerdings habe er nicht, schreibt Freude. Er könne der Polizei verfügbare Daten wie freiwillig abgegebene E-Mail- sowie IP-Adressen geben. Aber dazu müsse er dazu erst einmal wissen, auf welche URLs sich die Polizei bezieht. Der Vorfall zeigt sehr eindrücklich, warum wir in Social Networks, Foren, Blogs und Nachrichtenwebsites keinen Klarnamenzwang einführen sollten. Würde jeder nur unter seinem echten Namen Beiträge verfassen, gäbe es auch keine Strafanzeigen mehr gegen “Noodles”, “Anonym” oder eben “Lol”. Und das wäre doch weit weniger amüsant.

(Jürgen Vielmeier)

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21 Kommentare

  1. Sascha

    Haha, grandios, ich frage mich ob diese Anzeige tatsaechlich mit dem Glauben gestellt wurde das man auch nur einen Hauch eines Anfluges von Erfolg damit haben koennte? Amuesant ist das auf alle Faelle :D

    Gruss,
    Sascha

  2. Peter

    Eigentlich zeigt dieser Fall genau das Gegenteil! Es zeigt, dass Menschen unter dem Deckmantel der Anonymität keinerlei Strafverfolgung fürchten müssen und gewissenlos beleidigen können!
    Eigentlich ein perfektes Argument für Vorratsdatenspeicherung etc.

    Bitte ein wenig mehr Tiefgang in den Posting!

  3. Mika B.

    @2 Sascha schrieb

    …ich frage mich ob diese Anzeige tatsaechlich mit dem Glauben gestellt wurde das man auch nur einen Hauch eines Anfluges von Erfolg damit haben koennte?…

    Weshalb nicht ,
    beim Angefraten Nicknamen ist es Unwichtig ob er “Noodles”, “Anonym” oder eben “Lol” heißt
    Es geht ihnen sicher um die angegebene E-Mail- sowie IP-Adressen , denn es wird wohl kaum jemand E-Mail- Konto unter dem Namen “Lol” haben? und selbst wenn, sollte das E-Mail- Konto noch Aktiv sein , ist es meist ein leichtes darauf Zugreifen zu können zumindest innerhalb der EU um den Inhaber dank dem Inhalt zu lokalisieren.
    Es reicht nicht ein Nick “Anonym” oder eben “Lol” um Anonym in Foren unterwegs zu sein.
    Fraglich ist aber ob diese “Beleidigung” aus dem Jahre 2003 nicht schon längst Verjährt ist?

  4. Phelan

    2003??
    Da kramt einer einen Leserkommentar von vor 9 Jahren hervor um ein Blog zu verklagen?

    Ehrlich gesagt, irgendwo wünsche ich mir, der Kläger würde jetzt den Streisand-Effekt anhand eines praktischen Beispiels erklärt bekommen :).

  5. Claudia

    Der Beitrag ist gemessen an der Geschwindigkeit des Netzes “uralt”. Wie kommt man jetzt auf die Idee, noch etwas verwertbares zu finden. Die damals verwendete IP-Adresse wird wohl kaum noch jemand zuzuordnen sein. Auch nicht mit der geforderten 6 Monate VDS.

  6. Blubb

    @Claudia: Genau, da sollte auch mit IP-Adresse nichts mehr zuordbar sein.
    Und im Idealfall wurde in diesem Blogsystem die IP-Adressen der Kommentatoren auch schon im Laufe der Zeit automatisiert gelöscht oder verschleiert….

  7. Michael

    Wieso kommt Alvar auf die Idee, das er der Polizei irgendwas aushändigen darf? Dafür braucht es meines Wissens immer noch einen Gerichtsbeschluß.

  8. Phelan

    Was als nächstes kommt?
    Ein ahnungsloser Politiker, der hier den “BEWEIS” sieht, dass die Vorratsdatenspeicherung mindestens über 15 Jahre gehen und dass endlich die Klarnamenpflicht im Internet eingeführt werden muß m(.

  9. Hans

    Manche Leute sind echt merkwürdig. Wer kommt bitte 2012 auf die Idee eine Beschimpfung aus dem jahr 2003 (!), also fast zehn Jahre danach zu verfolgen. Ich halte den Polizeibrief für ein Fake.

  10. Musenrössle

    Der Fall zeigt mal wieder ganz deutlich, daß viele unserer Gesetze für das Internet so gar nicht passen.

    Da schreibt man mal im Zorn oder einfach ohne groß Nachzudenken irgendwas dummes in’s Web und dann kommt Jahre oder möglicherweise sogar Jahrzehnte später irgendjemand und verklagt einen deswegen, weil hier jede Dummheit für alle Ewigkeiten für jeden lesbar stehen bleibt.

    Wahrscheinlich hat jeder von uns schon mal irgendwas geschrieben, was straf- oder zivilrechtliche Konsequenzen haben könnte.

    Aber selbst wenn man das möchte, nachträglich alles löschen ist schlicht unmöglich.

    Es ist ja schon unmöglich das was man auf zigtausenden verschiedenen Seiten im Laufe von Jahren geschrieben hat wiederzufinden, geschweige denn alles nochmal durchzulesen und auf eventuell problematische Stellen zu sichten, von den dafür nötigen juristischen Kenntnissen mal gar nicht zu reden.

    Und selbst wenn… nützt einem das wenig, denn das Allermeisste was man im Web mal geschrieben hat kann man gar nicht mehr löschen, weil man die dafür nötige Berechtigung gar nicht hat.

    Wenn ich diesen Kommentar hier z.B. mal abgeschickt habe und ihn später aus irgendwelchen Gründen problematisch fände, ich hätte null Chancen ihn dann wieder zu löschen.

    Man kann zwar theoretisch den Seitenbetreiber darum bitten geschriebenes zu löschen, dafür müsste man aber eigentlich nachweisen, daß man der Verfasser davon ist und das wird einem später kaum noch gelingen.

    Selbst die Kenntnis von der angegebenen Mailadresse hier beim kommentieren beispielsweise beweist ja gar nichts.
    Die kenne ja nicht nur ich sondern auch noch andere Leute.

    Fazit:
    Jahrealte Kommentare im Web juristisch ahnden zu wollen ist einfach absurd und lächerlich.

    Wenn jemand tatsächlich beleidigt, verleumdet etc. wurde, soll er natürlich auch dann noch das Recht auf Löschung solcher Aussagen haben.

    Aber ansonsten brauchen wir für das schnellebige Internet einfach ein daran angepasstes neues Recht speziell für das Internet.

    Ich denke da beispielsweise an deutlich verkürzte Verjährungsfristen.

    Aber unsere InterNOTpolitiker denken ja stattdessen lieber darüber nach wie man das Internet durchregulieren oder noch besser gleich ganz verbieten kann. *augenroll*

  11. Alex Kasakow

    Genial, habe mir gerade die Geschichte durchgelesen. Unglaublich- ich würde die Daten nicht rausgeben, sollen die doch bei meinem Hoster anmelden und in die Logs schauen.

    Grüße

  12. online Witze

    Schöne Geschichte. Sie zeigt aber auch, dass unsere Politiker und Behörden noch nicht in der heutigen Zeit angekommen sind.
    Ich frage mich immer wieder wie solche Entscheidungsträger über Sachen entscheiden von dem sie keinen blassen Schimmer haben.
    Naja sind ja bald wieder Wahlen, ich hoffe es geht ein kleiner Ruck durchs Land und es bessert sich etwas.

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