Ihr Deutschen liebt die CD, sagt die Musikindustrie. Warum nur?

Jürgen Vielmeier


BMWI

Heute sparen wir mal mit Spott an der Gema und der Musikindustrie – und heben uns das für morgen auf. Denn dann fällt das berüchtigte Landgericht Hamburg sein Urteil im Streit „Gema gegen YouTube“. Schon heute aber hat der Bundesverband Musikindustrie seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2011 vorgestellt. Und der wächst zum ersten Mal seit 15 Jahren wieder – um sagenhafte 0,1 Prozent auf 1,67 Milliarden Euro. Stern.de und andere haben also nicht Unrecht, wenn sie das Wachstum dem zarten Pflänzchen Musikstreaming zuschreiben.

Simfy, Spotify und Co. sind die Hoffnungsträger der Industrie. Florian Drücke, der Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI), nennt sie eine „Brücke zum legalen Musikkonsum“. Das klingt markig, aber wir sollten uns darüber freuen: Wir haben inzwischen eine Musikindustrie, die sich über den Zukunftsmarkt Online freut, statt sich an der CD festzuklammern. Das tut dafür ihr. Drücke sagte nämlich auch diesen erstaunlichen Satz: „Deutschland liebt die CD. Sie ist der Fels in der Brandung.“ Warum nur?

Fels in der Brandung

Ob er will oder nicht, Drücke hat nämlich Recht mit dem, was er da erzählt. Denn 74 Prozent der Gesamtumsätze des Jahres 2011 machte die Industrie mit CDs. Das sind zwar 3 Prozent weniger als noch im Vorjahr, aber es bleibt ein Fels, der noch nicht einmal wankt. Fast acht Jahre nach dem Start des iTunes Music Store in Deutschland und sechs Jahre nach dem Startschuss der ersten Musikflatrate in Deutschland, steht und fällt hier alles mit der CD.

Streaming brachte es in Deutschland 2011 auf einen Jahresumsatz von 26 Millionen Euro bei einem kleinen Zuwachs von 4 Prozent. Das sagt noch nicht viel aus, weil es mit Musikflatrates erst um die Jahreswende so richtig losging. Und doch sind die Zahlen erschreckend: 1,75 Prozent am Gesamtumsatz macht Streaming aus. Selbst die gute alte Vinyl-Schallplatte wächst im gleichen Zeitraum schneller: um 17 Prozent auf 14 Millionen Euro. Immerhin: Download legt deutlicher zu: iTunes und Co. tragen nun immerhin fast 250 Millionen Euro oder 16 Prozent zum Gesamtumsatz bei. 16.

Die Frage ist, warum das so lange dauert. Die USA erreichen mittlerweile eine Digitalquote von 50 Prozent, Schweden immerhin 44 Prozent. Deutschland: 16 Prozent. Warum? Was ist hier los? Was hält euch noch bei der CD?

Erklärung zur Überschrift: Ich bin natürlich auch Deutscher – aber ich liebe die CD nicht. Ist das wirklich das gleiche Land, aus dem wir kommen?

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(Jürgen Vielmeier, Bild: BMWI)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.