Zurück in die Zukunft: Der Jahresrückblick 2013 – Was für ein Jahr!

Wir schreiben den 31.12.2013 und blicken auf ein spannendes Jahr zurück. Viel ist passiert, mancher erhoffte Trend braucht noch ein bisschen. Der Jahresrückblick 2013.

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Musik-Streaming setzt sich durch

Spotify & Co. haben die Musiklandschaft verändert. Access statt Ownership heißt die Devise. Das haben nun alle verstanden und arbeiten daran, Streaming noch populärer zu machen. Spotify bietet Unternehmenslizenzen an, damit Mitarbeiter auch im Büro ihre Lieblingsmusik hören können. Gelegentlich muss der Betriebsrat schlichten, wenn sich zwei Bürokollegen nicht zwischen „The Best Of Psy“ oder „The Very Best of Justin Bieber“ einigen können. Außerdem wurde eine breite Allianz geschlossen, das Autoradio durch Musikstreaming via LTE zu ersetzen. Das erste Spotify-fähige Radio wird für das erste Quartal 2014 erwartet. Neben Musik soll es auch individualisierte Nachrichten streamen können.

Nach jahrelangen Streitereien wurden auch YouTube und die GEMA endlich dicke Freunde und einigten sich auf einen milliardenschweren Tarif. Beide Seiten reklamierten den Sieg für sich, doch mussten Federn lassen. Wie dem auch sei, die meisten Musikvideos sind nun auch in unserem Land verfügbar und VEVO hat Deutschland ganz oben auf der Liste für die internationale Expansion.

Das Leistungsschutzrecht ist da

Unter lautstarkem Protest der Internetgemeinschaft hat die Bundesregierung das Leistungsschutzrecht durchgesetzt. Die Verlage jubelten zunächst, waren aber am nächsten Tag verwundert, als Google sie aus dem kompletten Suchindex geschmissen hat. Immerhin hat man schnell einen Kompromiss gefunden. Als Vorlage diente die Einigung, die Ende 2012 mit den belgischen Verlagen erzielt wurde: Google zahlt nix, darf weiterhin Artikel-Schnipsel verwenden und unterstützt die Verlage mit Werbeeinnahmen.

Die Printindustrie hat sich stabilisiert

Paywalls haben sich durchgesetzt. Nahezu alle Qualitätsmedien in Deutschland haben nun eine Bezahlschranke nach dem Vorbild der „New York Times“. Springer-Chef Mathias Döpfner spricht von einem Erfolg, obwohl die Zugriffszahlen zunächst stark eingebrochen sind, sich dann aber langsam erholt haben. Ein Scheitern hätte er aber vermutlich auch nicht zugegeben. Er kann trotzdem schwer davon ausgehen, zum Medienmann des Jahres 2013 gewählt zu werden.

Von den überregionalen Verlags-Webseiten ist nur noch „Spiegel Online“ kostenlos und freut sich über monatlich steigende Wachstumsraten. Damit kann man sich gut finanzieren. Die anderen Verlage experimentieren damit, Nachrichten aus dem dpa-Ticker doch wieder kostenlos auf der Startseite anzuzeigen und erst die Analysen und Hintergrundberichte hinter der Bezahlschranke zu verstecken. Endgültige Zahlen gibt es noch nicht, aber es sieht so aus, als ob das Experiment geglückt wäre.

Apples großes Jahr

Was für ein Jahr für Apple! Nachdem mit dem iPad der letzte große Coup schon etwas zurückliegt, war 2013 das Jahr der Innovationen. Im Frühjahr stellte man seinen eigenen Streaming-Dienst „iRadio“ vor und ärgerte damit Spotify und Pandora. Die Börse nahm die Nachricht nicht so gut auf, weil man die Umsätze bei iTunes in Gefahr sah. Im Juni wurde das neue iPhone 5S vorgestellt. Es enttäuschte die Anleger und Experten ein wenig wie schon das damalige iPhone 4S, hat aber endlich einen NFC-Chip und ging weg wie geschnitten Brot.

Doch dann kam der Kracher: Im November wurde der langersehnte Apple-Fernseher vorgestellt – eine große, hauchdünne Flimmerkiste mit einem beeindruckenden Display. Das Gerät ist leicht zu bedienen und nimmt das gesamte Programm in der Cloud auf. Dadurch braucht man den Videorekorder nicht mehr zu programmieren, sondern streamt einfach, was man hätte sehen wollen. Der Kasten ist ganz schön teuer, verkauft sich aber trotzdem hervorragend.

Facebooks großes Jahr

Auch Mark Zuckerberg sieht auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Man hat nun 1,5 Milliarden User und Instagram hat sich auch außerhalb der USA etabliert. Ein richtiges mobiles Geschäftsmodell hat man zwar immer noch nicht gefunden, aber Facebook Gifts und Facebook Deals weiter ausgeweitet. Viel interessanter ist aber, dass man nun seine gesammelten Daten bereitstellt – inklusive Archiv – und sich das gut bezahlen lässt. Marketingabteilungen, Big Data-Fetischisten und Forscher aller Couleur wissen gar nicht, was sie zuerst analysieren sollen. Trotz Anonymisierung haben Datenschützer entweder schlaflose Nächte oder Albträume. Eine Studie der Krankenkassen hat ergeben, dass Depressionen und die Burn-Out-Rate in dieser Berufsgruppe seitdem signifikant angestiegen sind. Wir wünschen gute Besserung.

Microsofts gemischtes Jahr

Windows 8 ist nicht so abgehoben, wie erhofft. Der Grund: Es werden immer weniger neue PCs verkauft und die IT-Abteilungen der Unternehmen steigen von XP lieber erst einmal auf Windows 7 um. Dafür hat Windows Phone 8 BlackBerry überholt und ist nun Nummer 3 im Markt für Smartphone-Betriebssysteme. Der Marktanteil von Microsoft an allen Internetgeräten geht langsam, aber kontinuierlich zurück. CEO Steve Ballmer musste wegen Bluthochdruck und Panikattacken mehrfach in die Reha. Auch hier empfehlen wir Ruhe und wünschen eine rasche Genesung.

Was kam nicht?

2013 war auch das Jahr der unerfüllten Wünsche. Google TV ist weiterhin ein Randprodukt und hat mit Apple schwer Konkurrenz bekommen. Auch 3D-Drucker haben sich noch nicht durchgesetzt. Gleiches gilt für Video-Streaming-Flatrates. Einzelne Startups versuchen sich daran, doch die Rechteverhandlungen sind kompliziert. Aber es muss ja auch noch etwas für nächstes Jahr übrig bleiben.

Bild: Flickr / Vin60

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17 Kommentare

  1. Negativity

    Außerdem: umts-netze hoffnungslos überlastet. Datentarife der großen Anbieter werden auf Volumen um 100 bis 200mb gedrosselt. Telekom Chef mehdorn (air Berlin ist bereits pleite) erwartet, dass auch die neuen lte-netze bis spätestens 2016 am Rand des Kollaps stehen werden. Isps versuchen verzweifelt neue Frequenzen zum Ausbau der netze zu ersteigern…

  2. Sven

    Bin auch gespannt, ob sich die Prognose im nächsten Jahr bewahrheitet :-) Zumal es auch noch ein paar Tage dauert, bis der 31. ist.

  3. mini

    @Robert:
    Der Fernseher wird Ende Februar Anfang Marz präsentiert. warum? Einfach die frage stellen, wann das iPad immer vorgestellt wurde und warum es plötzlich im November mit dem mini rauskam. Und kurz anschauen, wann Apple neue Produkte wie iPod,iPhone,iPad präsentiert hat —> immer ende q1-20## bei erst prrasentation.

    • Robert Vossen

      Komisch, meine Glaskugel hat wirklich November gesagt. Aber vielleicht wissen wir ja in drei Monaten mehr…

  4. Sebastian

    Sehr schön(e Idee). Bei dem Tv könnt ihr wirklich recht haben. Aber ich bezweifle, dass alles aus der Cloud kommt. Dazu ist das Netz noch nicht stark genug, das jeder das mal locker streamen kann. Bei Musik oder mal Filme leihen ok, aber dauerhaft. Kann ich mir nicht vorstellen.

  5. Mika B.

    Apple und TV, eine “unendliche” Geschichte?
    Ich glaube kaum das sich das TV noch wirklich dramatisch Reformieren lässt, es ist als Medienmodell und techisch schon so gut wie Ausgereizt.
    Dies “nimmt das gesamte Programm in der Cloud auf” und “verkauft sich aber trotzdem hervorragend” widerspricht sich, es sei 2013 wird das Jaher der flächendeckenen Glasfaser 100 Mbit Anschlüsse.
    Ein Apple Fernseher könnte aber trozdem Erfolg haben, weniger wegen bahnbrechenden technischen “Neuerungen” eher wegen Design und dem Apple-Kult.

  6. Peter

    Die lange versprochene 3G Netze(UMTS) und 4 G Netze (LTE) sind immer noch eine Randerscheinung. Gut LTE ist noch recht neu,aber das im Jahre 2012 immer noch viele Gebiete ohne ausreichende UMTS Netz sind,ist ein Skandal.

    Hier muss es im kommenden Jahr eine massive Verbesserung geben.

    Auch das die Netze oft schon jetzt überlastet sind,trägt sicherlich nicht zu eine bessere Zukunft bei.Wie sollen wir alle die tollen mobile Dienste in Zukunft nutzen wenn das Netz völlig überlastet ist.

    Und auch alle Provider sollen endlich auch für ihre ganz normale Smartphone Tarife ein ausreichende Volumen mit volle Bandbreite anbieten.

    Nur 100 oder 200 MB pro Monat volle Bandbreite und danach Schenken Tempo ist gelinde gesagt eine Verars… der Kunden.

    Bei alle Tarifen muss es mindestens 1 GB Volumen mit volle Bandbreite geben.

  7. Christoph

    Mmmh ich glaube die Positionen von Apple und Microsoft sollten getauscht werden. Ich denke Apple wird eher ein kleines Jahr vor sich haben, weil es weiterhin fleißig Fehler macht. Windows Phone 8 hingegen wird sich etablieren und Windows 8 auch seine Nutzer finden. Es wird dann viele Updates geben und das System auf einen sicheren Untergrund gestellt.

  8. Mika B.

    Das Problem mit LTE ist nicht nur der flächendeckenden Ausbau sondern viel mehr das sie keine echte Flatrate sind und nur eine eingeschränkte Netzneutralität besitzen.
    Wie sollte sich da ein “mobiler” Stream egal ob für Musik oder Fernsehen durchsetzen wenn nach kurzer Zeit das Guthaben verbraucht ist, der Nutzer wird kaum “doppelt” für solch Angebote Bezahlen beim Netzbetreiber + Anbieter.

  9. Josh @ DownloadFlatrate.com

    Die Bennenung des Artikels finde ich doch mal sehr gelungen – ist mir bis jetzt noch nicht untergekommen.
    Somit habe ich es mir erlaubt, den Inhalt mal auf meine Seite entsprechend zu kommentieren und meine eigene Einschätzung hineinzuschmeißen.

    Alles in Allem wirst du wahrscheinlich mit ca 60% Recht haben. Die anderen 40% sind leider reines Wunschdenken oder eine nette Satire ;)

    Best regards to California
    Josh

  10. Daniela

    Laut der Tagesschau werden demnächst die ersten 3D-Drucker für den Privatgebrauch im freien Handel (um die 1000 $) lande. Ich bin gespannt!

  11. Lolly

    Vor allem in Sachen Streaming glaube ich, dass der Markt noch einiges an Erweiterungen bieten wird. Ich bin mal gespannt, ob dieses Jahr eventuell eine Software erscheint, die uns das Fliegen lehrt :-)

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