Bieterwettstreit bei Dell – verliert Michael Dell seine Firma?

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Da waren wohl einige – auch ich – etwas zu vorschnell. Vor ein paar Wochen schrieb ich, dass Michael Dell gemeinsam mit Microsofts Hilfe und dem Investor Silver Lake die von ihm gegründete Firma übernehmen wird. Doch inzwischen sind weitere Angebote eingetrudelt – das hat sich CEO Michael Dell wohl anders vorgestellt.

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Icahn: Dell ist unterbewertet

Das ursprüngliche Angebot, das Michael Dell den Aktionären gemacht hat lag bei 13,65 Dollar pro Aktie – das entsprach dem damaligen Aktienpreis. Großaktionär Carl Icahn, ein etwas unbequemer Investor, wies das Angebot aber zurück mit der Begründung, dass Dell damit unterbewertet sei.

Inzwischen hat er sein eigenes Angebot abgegeben: 15 Dollar pro Aktie. Hinzu kommt ein weiteres Gebot von Blackstone, die 14,25 Dollar pro Aktie geboten haben. Das sieht fast so aus, als ob Michael Dell den Kürzeren ziehen wird. Denn auch wenn finanzielle Details unbekannt sind, so greift Dell bei seinem Gebot auf eine Milliardenanleihe von Microsoft zurück – momentan ist nicht klar, ob er da noch mal was drauflegen kann, um doch noch den Vorzug zu bekommen.

Was sieht Icahn was andere nicht sehen?

Damit er nicht am Ende noch aus der eigenen Firma geschmissen wird, hat Dell schon zugesagt, sich anzuschauen, ob er sich nicht mit anderen Bietern zusammentun kann. Doch wieso entsteht ein Bieterstreit um eine Firma, die überwiegend in einem schrumpfenden Markt operiert und zuletzt ihre Gewinnprognose für 2013 runterschrauben musste? In anderen Worten: Was sieht Carl Icahn, was andere nicht sehen?

Ich weiß es nicht. Vielleicht arbeitet Dell im Geheimlabor am iPhone-Killer, vielleicht werden in einer Börsenmitteilung Ende der Woche Zahlen präsentiert, die den Wettbewerb rechtfertigen. Möglich, aber eher unwahrscheinlich.

Nur ein guter Bluff?

Auch wenn es nur eine vage Vermutung ist, so ist es wahrscheinlicher, dass Carl Icahn einfach nur pokert. In einem Brief Anfang des Monats forderte der Investor eine Dividende von 9 Dollar pro Aktie, sollten die unabhängigen Aktionäre das Übernahmeangebot von Michael Dell ablehnen. Kurz zuvor hatte Icahn seinen Aktienanteil auf 6 Prozent erhöht.

Auch hatte er mit Klagen gedroht, falls sein Vorschlag zurückgewiesen werde und der Computerhersteller trotzdem von Michael Dell übernommen würde. Auch wenn Icahn seine Forderung inzwischen zurückgezogen hat, so scheint es, als ob es sein größtes Interesse sei, dass Dell gerade nicht von der Börse geht oder zumindest nicht vollständig in die Hände von Michael Dell fällt – aus welchen Gründen auch immer.

Wie entwickelt sich Dell langfristig?

Vorstellbar ist, dass Icahn langfristig eine rosige Zukunft bei Dell sieht und seine Aktien auf die lange Sicht eben steigen sieht. Leider ist nicht bekannt, zu welchem Preis Icahn seine bisherigen Aktienanteile erworben hat, aber da Dell seit August 2008 und zuletzt nochmal im Februar 2012 auf Talfahrt gegangen ist, könnte es schlichtweg sein, dass Icahn die Verluste fürchtet, die ihm mit Michael Dell’s Angebot bevorstehen würden.

Da er mit seinem jüngsten Gebot von 15 Dollar pro Aktie zunächst nur ein offizielles Kaufinteresse bekundet hat, was sich zurückziehen lässt und mit Blackstone ein weiterer Bieter im Rennen ist, könnte Icahn am Ende also tatsächlich der lachende Dritte sein – vielleicht zum Leidwesen von Michael Dell. Mal schauen, was die Zukunft für den Computerbauer so bereit hält. Mit Carl Icahn wird es so schnell jedenfalls nicht langweilig.

Bild: Flickr / Affiliate (CC BY 2.0)

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2 Kommentare

  1. Mika B.

    Man sollte beim “schrumpfenden Markt” nicht immer nur von den Consumer Produkten ausgehen.
    Der Markt für Firmenrechner ect wird sich nicht so schnell Wandeln.
    Zumal ja selbst Microsoft am Erhalt von Dell interssiert ist und sollte HP doch noch Wegfallen wären sie fast alleiniger Marktführer.
    Dadurch könnte man Zulieferer und auch MS mehr unter Druck setzen.
    Eventuell spekuliert man auch mit einer engen Partnerschaft von DELL mit Microsoft, wie bei Nokia, denn alle großen IT Firmen drängen zunehmend ins Hardwaregeschäft.

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