Wie sieht eigentlich das Internet aus? Zerbrechlich, wie Kabelschäden in Afrika zeigen

Der globale Netzverkehr beruht in hohem Maße auf Kabelnetzen. Für die interkontinentalen Verbindungen liegen in den Weltmeeren deshalb zahllose Kilometer Unterwasserkabel. Beschädigungen dieser Kabel gehören zur Tagesordnung und bringen den Internetverkehr für gewöhnlich nicht ins Wanken. Manchmal aber schon. Vor der Küste Ägyptens sind nun einige Kabel beschädigt und stören die Verbindungen zwischen Afrika, Asien und Europa. Öfter als man denkt hängt unser geliebtes Netz im wahrsten Sinne des Wortes am seidenen Faden.

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So sieht das Internet aus

Das Netz ist nämlich gar so virtuell wie man denkt. 1858 wurde das erste transatlantische Kupferkabel zum telegraphieren verlegt. Mittlerweile sind es Glasfaserkabel mit beachtlichen Kapazitäten; und sie verbinden den gesamten Globus miteinander, sogar für Verbindungen im ewigen Eis gibt es Pläne. Sonderlich dick und robust sind die Kabel allerdings nicht.

Irgendwie hat man es schon immer geahnt wie das alles funktioniert, ein Blick auf die Karte der Unterwasserkabel veranschaulicht dieses diffuse Bild aber ganz wunderbar und regt zudem zum Nachdenken über die geopolitische Verteilung des globalen Netzes an. Denn während die großen Wirtschaftsnationen eine Menge Backup-Leitungen vorweisen, befinden sich andere Länder eher an der „Peripherie“ des Internets. Vor allem Afrika.

Tiefseekabel Karte

Mehrere Tage ohne Netz

Vom aktuellen Defekt am Kabel vor der ägyptischen Küste waren tausende Internetnutzer betroffen. Am 22. März meldete die Betreiberfirma Seacom Probleme an Kabeln im Mittelmeer. Gleich an mehreren Stellen beeinträchtigten Schnitte im Kabel die Internetverbindungen in Afrika, dem Nahen Osten und Afrika nach Europa.

Die Störung ging jedoch über einen teilweisen Totalausfall der Internetverbindungen in vielen Teilen Afrikas hinaus. Auch Kartenzahlungen sollen nicht mehr möglich gewesen sein.  Laut Unternehmensangaben sind die meisten Defekte jedoch mittlerweile behoben.

Sollbruchstellen der Datenautobahn

Den genauen Grund für die Ausfälle konnte das Unternehmen zwar noch nicht nennen, es scheint aber wahrscheinlich, dass sich das Kabel einfach nur in einem Schleppnetz verfangen hat. Auch ein Schiffsanker könnte für den Schaden verantwortlich sein. Nicht unwahrscheinlich, geradezu normal ist ein solcher Unfall nämlich.

Mehrfach schon gab es Meldungen zu teilweise wochenlangen Störungen und Ausfällen aufgrund von Beschädigungen durch Schiffe. Sogar im Umfeld der Fussball-WM in Südafrika klagten Reporter über Einschränkungen aufgrund von Kabelschäden.

Achillesferse der modernen Wirtschaft?

Natürlich ist es quatsch, gleich den Teufel an die Wand zu malen. Ausfälle wie diese machen aber deutlich, dass unsere alltägliche Netzabhängigkeit mitunter durchaus nicht so stabil ist, wie man denken könnte. Bereits Ende 2010 veröffentlichte Wikileaks eine Liste mit Infrastrukturen in Deutschland, die nach Meinung der USA vor Terror geschützt werden sollten, darunter auch Unterwasserkabel. Al-Kaida hatte es angeblich schon seit langem auf die kostbaren Internetleitungen abgesehen.

Labil ist das Internet aber nicht nur unter Wasser. Auch überirdisch ist es nicht unbedingt schwer, die Kabel zu cutten. Gerade ist nach Vodafone-Angaben in Leipzig das Netz wegen Kabelsabotagen ausgefallen; und in Georgien hatte es eine 75-jährige Rentnerin vor zwei Jahren sogar ganz alleine geschafft, die Verbindung nach Armenien lahmzulegen.

Bilder: Guido Berger (via Nerdcore), TeleGeography, Quirk Seacom (CC BY 2.0)

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11 Kommentare

  1. glas

    wenn z.b. “norden” wegfallen würde, läuft es doch dann automatisch über z.b. holland dachte ich?

    ich dachte übrigens auch immer wir haben eine (oder mehrere) direktleitungen nach den usa.

    aber anscheinend laufen die alle schön über fremde knoten :(

  2. Mika B.

    Das Internet wurde so konstruiert, dass es auch nach einem Atomschlag funktionsfähig bleibt, damit die Militäreinheiten weiter kommunizieren können.
    Ziel war es die anfällige zentralistische Netzwerkarchitektur durch ein dezentrales System mit vielen unabhängigen Querverbindungen zu ersetzen. Dadurch sollte nach einem Atomschlag ein Totalausfall des nationalen Netzwerks verhindert werden.

    Das Problem sind daher eigentlich nicht irgentwelche Kabelschäden oder wie nun auch hier schon die “Cyberkriegstrommeln” als Warnung vor Terror Anschlägen getrommelt werden, sondern die zunehmende Zentralisierung des Internet.
    Wenn das ganze Internet zur “Google” wird ist es leider nicht mehr ein dezentrales System und dadurch Anfällig.

  3. Peter

    Eigentlich würde das Internet auch nach ein großen Terroranschlag weiter funktionieren.Es gibt für jede Richtung bis zu 5 mögliche Alternative Wege. Vielleicht würde es bei ein Angriff ein wenig eng mit den Datenverkehr,aber möglich wäre alles.

    Nur gibt es ein andere Punkt den viele nicht bewusst ist.

    Die US Militär und die NATO haben auf alle Fälle ein Recht bei bestimmten Ereignisse das Internet für den privaten Gebrauch abzuschalten.

    Wenn also ein 3 WK kommen würde,könnten die Militärs von einen Tag auf den anderen,das Internet wie wie es erkennen für Ihre Zwecke besetzen.

    Dann wäre es noch möglich für Regierungen dies zu nutzen, aber eure wahnsinss wichtige Facebook Eintrag “ich bin gerade auf den Klo” könnt ihr nicht mehr verschicken.

    Aber wenn ich genau nach denken wäre so was auch mal schön.2 Wochen ohne sinnfreies Zeug a la Facebook.

    Vielleicht sollten wir alle darauf hoffen das so was mal kommt.

    Noch was.

    Unser Datenverkehr läuft über Kabel und ist damit verletzbar. Was es aber auch noch gibt ist die Möglichkeit ein Teil davon über Sataliten abzuwickeln. Zwar kann man hier nicht alles ersetzen, aber ein Teil.

  4. freakpants

    Wie willst du denn das Internet zentral einschränken können? Deine Verschwörungstheorie hat technische Lücken.

  5. Peter

    @Frealpants.

    Die meisten Namenserver sind in die USA.Nimmmt man dazu die, die in NATO Staaten sind sowie in “befreundete Länder” sind, bleiben kaum welche übrig.

    Schon damit alleine lahmt man das Internet.

    Ich gebe zu das diese Möglichkeit nur in seltene Fällen auch zu Anwendung kommt,aber wo ein Wille ist es auch ein Weg.

    Das Militär lässt sich entsprechende Möglichkeiten sichern. Vielleicht gibt es auch andere Wege dies zu machen. Aber wer meint keine Institution oder Regierungen wäre in die Lage das Internet einzuschränken, der glaubt auch noch an den Weihnachtsmann :)

  6. Mika B.

    Technisch wird und kann das Internet kaum einschränkt werden, aber wider erwarten “Nutzertechnisch”.
    Wenn alle die gleichen Dienste wie Facebook, Amazon oder Google , Youtube oder Hulu verwenden und nun die Verbindung zu deren Servern unterbrochen oder eingeschränkt wird, ist faktisch für viele “Leihen” das Internet “Kaputt”.
    So eine Nutzer Konzentration auf wenige Namenserver und damit “Verbindungen” welche dazu noch in einem Land oder Region stehen war halt in der Ursprünglichen Entwicklung des Internet nicht Vorgesehen, ja im Gegenteil man wollte sie damit ja eigentlich “Verhindern”.

  7. fX

    Das ist ja alles schön und gut, wenn in den Militär- und Regierungsschubladen dieser Welt Pläne vorhanden sind (ich hoffe es sehr!). Ich kenne jedoch keine öffentlich zugänglichen Informationen über solche Notfallpläne. Das Problem fängt aber schon weit vor einem abstrakten WW3 an. Denn Fakt ist: Regelmäßig haben (mal mehr, mal weniger) Nutzer kein Netz aufgrund von Kabelbrüchen. In den o.g. Fällen konnte es ja offenbar nicht komplett auf andere Leitungen verlagert werden.
    Jedes Unternehmen, das auf das Netz angewiesen ist erleidet aber in solchen Fällen unmittelbar Schaden. Großflächige Ausfälle können mitunter ganze Volkswirtschaften deshalb hart treffen. Und ganz offensichtilich können Leitungsschäden je nach örtlicher Verkabelung mal besser und mal schechter ausgeglichen werden. Die Frage eines Terrorbedingten Totalausfalls ist dementsprechend nur eine von vielen Aspekten, wenn es um eine stablie Infrastruktur des Netzes geht…

  8. Victoria

    Ich habe jetzt diesen Artikel gelesen und habe auch die Kommentare gelesen und ich frag mich echt; ist das jetzt ein Welt Untergang wenn man mal kein Internet hat?
    Die beste Hightech Technologie ist nicht zu 100 Prozent und kann mal Defekt sein und dasselbe für die Internet Kabel muss man halt ein paar Tage ohne Internet auskommen. Und glaubt mir wenn einmal eine Umwelt Katastrophe oder der Dritte Weltkrieg ausbrechen sollte (was ich natürlich nicht hoffe) mal sehen in diesem Moment ob noch eine von uns an das Internet denkt, da wird jeder nur noch eine seine eigene haut denken!

  9. Peter

    Ein völlig auf alle Möglichkeiten abgesichertes Internet kann es leider nicht geben. Selbst wenn man ein oder mehrere vorhandene Hauptkabel unterbrochen wären (z.B von Europa in die USA) gibt es sicherlich Auswege um zumindest weiterhin ein Austausch zu ermöglichen.

    Leider belastet dies aber die dann noch vorhandene Leitungen mehr und schon beginnen die Probleme.

    Durch Glasfaserleitungen und neue Möglichkeit noch viel mehr Daten innerhalb der schon bekannten Leitungen unter zu bringen ohne irgendwelche Kompromisse eingehen zu müssen, sehe ich die Sache aber eher entspannt.

    Zudem werden immer wieder neue Überseekabel installiert.

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