Hamster können aufatmen: Eine Ära geht zu Ende – LucasArts macht dicht

Eine Ära geht zu Ende: Disney hat sich laut “GameSpot” und “Wall Street Journal” (Paywall) entschlossen, die Spieleschmiede LucasArts dicht zu machen. Bevor ihr mit den Schultern zuckt, lasst mich einfach kurz ein paar Schlagworte einwerfen: “Secret of Monkey Island”, “Indiana Jones”, “Zak McKracken”, “Maniac Mansion” beziehungsweise “Day oft he Tentacle”, “Star Wars: X-Wing”, “Sam & Max Hit the Road” oder auch “Star Wars: TIE Fighter”.

Vom Hamster in der Mikrowelle bis zum Weltraum-Kampf

Anzeige

Wer jetzt immer noch nicht weiß, worum es geht, ist wahrscheinlich deutlich unter 30 oder spielt einfach bevorzugt analog oder bei Facebook. Ansonsten werden vielleicht auch bei euch Erinnerungen wach: An durchgezockte Nächte, irgendwann Anfang der 90er-Jahre, in denen man verzweifelt versuchte, Benzin für die verdammte Kettensäge zu finden, mit Zak auf den Mars zu reisen oder in einem X-Flügler imperiale Jäger zu verfolgen. LucasArts begründete damals nebenbei das Spiele-Genre der “Weltraum-Simulatoren” mit Ego-Perspektive aus einem virtuellen Cockpit. Längst legendär ist zudem der Hamster in der Mikrowelle (Kinder, bitte auf keinen Fall nachmachen! Tierschützer, bitte mal kurz wegschauen!):

Kurzum: LucasFilm Games respektive später LucasArts hat eine ganze Generation von PC-Spielern beim Erwachsenwerden begleitet und im Spiele-Business mehr als einmal Maßstäbe gesetzt. Heutige Spiele mögen grafisch tausendfach anspruchsvoller sein, nichtsdestotrotz hat LucasArts vieles davon entscheidend mitgeprägt. Und: Ähnlich fesselnd sind wohl nur noch die wenigsten der aktuellen Titel. Vielleicht stimmt das aber auch nicht und ich bin einfach ein wenig sentimental. Sollte es euch ähnlich gehen, dann dürft ihr mit mir ein wenig traurig sein, dass nun endgültig Schluss ist – auch wenn die Kult-Spieleschmiede in den letzten Jahren eigentlich nie wieder an die früheren Erfolge anknüpfen konnte.

Zahlreiche Klassiker finden sich kostenlos im Netz

Einiges wird aber weiterleben. So gibt es etwa bereits zwei inoffizielle Fortsetzungen von Zak McKracken (“Zak McKracken: between time and space” und “Die neuen Abenteuer des Zak McKracken”) als Gratis-Downloads und auch “Maniac Mansion” lässt sich als Deluxe-Version kostenfrei herunterladen. Klassiker wie “Monkey Island” oder “Sam & Max” haben zudem längst eine neue Heimat gefunden und werden unter der Regie von telltale games weitergeführt.

Völlig überraschend kommt das Ende allerdings nicht, denn die Verkaufszahlen sind bei LucasArts seit Jahren rückläufig. Zudem hat sich der Spielemarkt grundlegend gewandelt – Online-Games, Apps, Freemium-Modelle und Multiplayer-Spiele bestimmen das Bild, Billig- und Gratis-Konkurrenz im Netz das weitere Umfeld. Teure und anspruchsvolle Eigenproduktionen können da schnell zum wirtschaftlichen Fiasko werden – trotz aufwändig produzierten Bestsellern wie der “Call of Duty”-Reihe von Electronic Arts Activision. Ein Branchen-Dinosaurier wie LucasArts wirkte da schon länger wie aus der Zeit gefallen.

Disney setzt auf minimales Risiko

Nur als kurzer Hoffnungsschimmer erschien die Übernahme der Muttergesellschaft LucasFilm durch Disney vor nicht einmal einem halben Jahr für rund 4 Milliarden Dollar. Wie wir jetzt wissen, ist der Unterhaltungskonzern aber keineswegs ein weißer Ritter, sondern vielmehr der Totengräber, der noch schnell die Taschen fleddert, bevor es für immer unter die Erde geht.

Für den in den letzten Jahren immer wieder mit Verlusten kämpfenden Disney-Konzern heißt die oberste Devise: Minimales Risiko und geringste Kosten bei maximalem Ertrag. Daher wird die Entwicklung neuer Spiele ab sofort an externe Unternehmen vergeben – unter Lizenz versteht sich. Von den 200 LucasArts-Beschäftigten bleiben ein paar wenige für die Koordination derartiger Projekte übrig. Aus ökonomischer Sicht ist das sicherlich alles nachvollziehbar, der Spieler-Seele blutet trotzdem das Herz.

Abgelegt unter:

16 Kommentare

  1. Negativity

    meine güte, das geht aber rasant bergab bei denen.

    aber gut, ist ja nicht so schlimm. jeder weiß ja, dass lizenzierte und von drittfirmen entwickelte videospiele praktisch immer qualitativ hochwertig sind und total den erfolg haben. aber ist ja alles eh nicht so wichtig. die videospiele aus dem starwars franchise machen ja nur ein paar mikrige milliarden dollar umsatz aus. da kann man schon mal drauf verzichten.

  2. 10tacle

    Somit geht Lucasarts den Weg aller guter Spieleschmieden wir z.B. Sierra oder Microprose. Schade, was hab ich X-Wing und DOTT geliebt…. :-(

  3. Tobi

    eigentlich waren alle adventure von lucasarts die besten und fesselsten spiele die ich je gespielt hab…irgendwie kommen heute kaum noch titel an die klassiker ran

  4. Mika B.

    …produzierten Bestsellern wie der “Call of Duty”-Reihe von Electronic Arts.????

    Die “Call of Duty” -Reihe stammt NICHT von Electronic Arts sondern von Activision/Blizzard.
    Warum kauft Disney erst LucasArts wenn sie nicht daran Interresiert sind , vermutlich ging es nur um die Lizenzen welche sonnst vielleicht eine andere Spielefirma bekommen hätte.

  5. chris

    @Mika B. Disney hat das gesamte George Lucas Imperium gekauft, darin enthalten war eben auch LucasArts. Die Lizenzen aller Spiele (sowie auch des Star Wars Franchises) haben sie nun im Sack und da man die Lizenzen ja auch an Third-Party-Entwickler in Auftrag geben kann, wird LucasArts eben für sie überflüßig.

  6. Mika B.

    @chris
    Das wollte ich ja damit sagen, aber es geht ja auch um Spiellizenzen welche eigentlich nichts mit dem “Star-Wars Universum” gemein haben und sicher nun bei Disney “verstauben” werden, statt sie anderen Anzubieten.
    Es ist schade das George Lucas keinen richtigen Nachfolger gefunden oder zum Schluss nur noch “Geld geil” war, denn der Verkauf an Disney ist ungefähr so als hätte Steve Jobs vor seinen Tod, Apple noch schnell für viel Geld an Microsoft verkauft.

  7. GRegor

    The Secrets of Monkey Island wird für mich unvergessen bleiben! Ein klasse Spiel, dass sogar in der heutigen Zeit seinesgleichen sucht!

  8. Michael

    Da könnte ich echt heulen – Spiele wie Loom und DOTT sind untrennbar mit meinen Jugendjahren verbunden. Schade, dass solche hochklassigen Adventures heutzutage bei der breiten Massen den 3D-Aktionspielen weichen müssen.

Dein Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Bitte beachte unsere Kommentar-Richtlinien.