Das war schnell: Twitter schaltet nach 90 Minuten Ribbons In-Tweet-Bezahlmethode ab

Robert Vossen

twitter

Vor zwei Monaten startete Twitter eine Partnerschaft mit American Express an, damit User fortan per Hashtag einkaufen können. Letzte Woche baute Twitter seine Plattform um Multimedia-Karten aus, woraufhin der E-Commerce-Anbieter Ribbon gestern ein Feature vorgestellt hat, über dass man etwas über den Tweet kaufen kann. Schöne Funktion – doch nach 90 Minuten war damit Schluss.

Bezahlen per Tweet-Karte

Die Idee von Ribbon hörte sich gut an: Damit User schneller Einkaufen können, müssen die Klicks und Hürden beim Online-Kauf reduziert werden. Also nutzte man die neue Karten-Technologie von Twitter, über die man Tweets um weitere Inhalte wie Fotos oder eben auch ein Buttons und Formularfelder ergänzen kann.

Nicht nur auf Twitter wollte man den Einkaufsprozess verkürzen und somit an den Ein-Klick-Einkauf von Amazon herankommen. Gründer Hany Rashwan bezeichnet Ribbon auch als das „Bit.ly für Bezahlungen“ – angemeldete Verkäufer bekommen eine Kurz-URL für ein Produkt, die dann geteilt werden kann – Facebook, Twitter, E-Mail; die ganze Palette. Auch in YouTube-Videos lässt sich der Link als Overlay einbinden.

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Klickt der User auf den Link, lassen sich auf einer neuen Seite die Kreditkartendaten angeben und das gewünschte Produkt mit einem Klick kaufen. So weit, so schön – doch die nahtlose Integration mit Twitter, bei der User den Twitter-Stream nicht einmal mehr verlassen müssen, ist ein bisschen das Sahnehäubchen des Features.

Ribbon wundert sich über Abschaltung

Doch Twitter war offenbar nicht begeistert davon. Noch ist unklar, weshalb Twitter die Funktion abgeschaltet hat, erste Vermutungen gehen in Richtung Verletzung der AGB oder Entwickler-Regeln. Ribbon hingegen behauptet, dass bei der Überprüfung der Kartenfunktion alle Zeichen auf Grün gestanden haben und man in der Vergangenheit auch mit Twitter diskutiert habe. Über was genau teilt Ribbon allerdings nicht mit.

Offensichtlich nicht über Einkauf-Funktionen und mir erscheint es nur sinnvoll, dass Twitter da schnell ein Riegel vorschiebt, denn mal wieder läuft man Gefahr, von Drittanbietern schamlos ausgenutzt zu werden – wobei 90 Minuten für eine solche Entscheidung echt fix sind.

Die schnelle Reaktion ist meiner Meinung nach aber auch ein Zeichen dafür, dass Twitter in dem Bereich Social Payments die Kooperation mit American Express ausbauen möchte oder selbst ähnliche Funktionen wie die von Ribbon anbieten möchte. Da wäre es natürlich ungünstig, wenn man sich mit bereits erfolgreichen Drittanbietern rumschlagen müsste.

Bei meinem Glückwunschschreiben zum 7. Geburtstag, habe ich schon orakelt, dass das ein Feld sei, in dem sich der Kurznachrichtendienst weiter engagieren könne und auch solle, um das Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Ob und wie schnell das angesichts des heutigen Vorfalls passiert, ist allerdings noch ungewiss.

Abhängigkeiten sind nie gut – für den Abhängigen

Das Abschalten der Ribbon-Funktion macht aber auch deutlich, wie gefährlich es ist, sich vollständig auf eine externe Plattform zu verlassen. Zwar linkt Ribbon in Tweets jetzt wie bei YouTube & Co. auf die gekürzte URL, doch das ist ja nicht das, was das Startup im Kopf hatte.

Wenn Ribbon Glück hat, wird man sich mit Twitter einig und beteiligt die Plattform an den Umsätzen der Funktion. Zwar hat Ribbon im gleichen Atemzug wie der Vorstellung des Features auch die Gebühren reduziert um mit PayPal konkurrieren zu können – wie der Wettbewerber verlangt man 2,9 Prozent plus 0,30 Dollar pro Transaktion – doch um Twitter zu beteiligen muss man wohl entweder die Gebühren wieder anpassen oder seine Marge weiter reduzieren.

Ich muss sagen: Richtig reagiert, Twitterer!

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Bild: Screenshot / The Next Web

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Robert Vossen hat erst Los Angeles den Rücken gekehrt und dann leider auch BASIC thinking. Von 2012 bis 2013 hat er über 300 Artikel hier veröffentlicht.