Not macht erfinderisch: Polizei twittert in Echtzeit alle eingehenden Notrufe

Marek Hoffmann

In Großbritannien versucht die Greater Manchester Police (GMP), mit einer webzweinulligen Aktion ein wenig Promotion für sich zu machen. Sie twittert. Offenbar geht es den Gesetzeshütern dabei aber nicht darum, ihren Ruf (wie auch immer der sein mag) aufzupolieren. Na ja, vielleicht auch ein bisschen. In erster Linie sollen aber wohl die Mitmenschen dafür sensibilisiert werden, wie stressig der Alltag von Oskar und seinen Kameraden ist, mit welchen Widrigkeiten sie es tagtäglich zu tun haben. „Der Polizeipräsident Peter Fahy möchte der Öffentlichkeit die Komplexität der modernen Polizeiarbeit vor Augen führen, die von ihr nicht immer entsprechend gewürdigt wird“ ist auf der GMP-Seite zu lesen. Hintergrund ist wohl eine erneute Budgetkürzung, die die Schutzmänner verärgert. Wie dem auch sei: Ich denke, man muss jetzt nicht unbedingt in Mitleid zerfließen, schließlich sind andere Jobs auch knochenhart und jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.

Aber die Aktion ist deswegen interessant, weil sie einen kleinen Einblick hinter die Kulissen der Polizeiarbeit gewährt. Und zwar so gut es den Cops eben möglich ist in Nahezu-Real-Time. Neben vielen „gewöhnlichen“ Tweets über Verkehrsunfälle und Verhaftungen, gibt es auch solche mit „Unterhaltungswert“. Beispielsweise, wenn eine Streife zum Flughafen geschickt wird, um einen Rauchverbot-Sünder an Bord einer ankommenden Maschine in Empfang zu nehmen, ein ausgebüchstes Pferd wild durch die Gegend läuft oder ein Mann seinen Brücken-scheuen Hund im Arm trägt – und dabei versehentlich von Passanten wegen Kindsmisshandlung angezeigt wird (siehe Screenshot).

Seit Beginn der Frühschicht am heutigen Donnerstag um fünf Uhr sind bei der Dienststelle bereits über 700 Anrufe wegen möglicher Verstöße, Delikte und anderer Vorkommnisse eingegangen. Und alle diese (Ausnahmen wird es etwa aus Datenschutzgründen sicherlich geben) wurden auch getwittert. Wer sich nun ein wenig mit den AGB des Microblogging-Dienstes auskennt, weiß, dass eine solch hohe Tweet-Frequenz zur vorübergehenden Sperrung des Accounts führt – aus Sorge vor Spam. Die Polizisten haben deswegen nicht nur bereits mehrere Konten eröffnet, sondern bieten Interessierten auch einen Live-Ticker auf der eigenen Homepage. Dort sind auch die Namen der anderen Twitter-Accounts angegeben. Und neben dem YouTube-Video gibt es auch noch Bilder auf Flickr, mit denen die Schutzmänner auf ihre Situation aufmerksam machen wollen. Sieht man sich zudem die vielen Retweets und Kommentare bei Twitter an, gehe ich davon aus, dass die Aktion ein voller Erfolg wird. Zumindest, was das Erheischen von Aufmerksamkeit betrifft. Mehr Geld wird’s deswegen wohl nicht geben.

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Leider läuft die Twitter-Kampagne nur 24 Stunden. Wer also auch noch einen Blick durchs Schlüsselloch riskieren möchte, muss sich beeilen. Sollte sich die landläufige Meinung bestätigen, dass das miese Gesindel erst in der Dunkelheit aktiv wird, wer weiß, was wir dann noch für Tweets zu lesen bekommen.

Um ehrlich zu sein, fände ich eine solche, aber für einen längeren Zeitraum angelegte Aktion auch hierzulande sehr cool. Die einen könnten damit (gegebenenfalls zusätzlich zum illegalen Abhören des Polizeifunks) ihrem Voyeurismus frönen, die anderem sich darüber auf dem Laufenden halten, wo in ihrer Gegend gerade etwas passiert (ist). Letzteres schätze ich ja bereits sehr am inoffiziellen Twitter-Account der Kölner Verkehrsbetriebe

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(Marek Hoffmann)

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Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.