Sonstiges

Stern hält seine Kunden für Scheißdreck

cool, ab und an kaufe ich mir als bloggender Kunde den Stern (ich gelobe Besserung) und da labert einer derer Schreiberlinge, die ich mitfinanziere, sowas über Blogs:

„€œDie guten Redaktionen sollten ihre Siele geschlossen halten, damit der ganze Dreck von unten nicht durch ihre Scheißhäuser nach oben kommt.“€? Stern-Kolumnist Hans-Ulrich Jörges ist in guter Form heute abend. Über die Blog-Szene, den „€œDreck von unten“€?, lässt er sich ganz besonders gerne aus. Dazu hat er sich vor der Veranstaltung extra ein paar Worte zurecht gelegt, und die packt er jetzt aus, obwohl Moderator Hajo Schumacher ihn eigentlich etwas ganz anderes gefragt hat. Sein „€œloser generated content“€? erntet ihm prompt einen kleinen Szenenapplaus im Jungjournalistenpublikum

Ich finde es immer wieder faszinierend, wie manch eine Pappnase auf die Idee kommt, bad mouth Propaganda Stilmittel zu nutzen und in diesem Fall u.a. dem Stern, seinem eigenen Arbeitgeber, schadet, aber auch die eigenen Kunden vor den Kopf stößt. Nicht mein Problem letztlich, einerseits muss ich den Stern nicht zwingend kaufen, andererseits werden seine Worte wohl kaum ohne Konsequenzen bleiben, wenn der Stern nicht gerade vollends vor sich hinschnarcht:)) Immerhin ist dieser Typ seit Mai 2002 stellvertretender Chefredakteur und Leiter des Berliner Büros der Illustrierten Stern. Cool, wie lange bleibt der noch kleben auf seinem Stuhl? Oder wird er seine Worte missverstanden und missinterpretiert korrigieren müssen? Das nennt man „seine eigene Scheiße schlucken“ im Plebs. Pauline weist mich gerade auf die Blogger/UGC-Aktion vom Stern hin, na, das ist doch superb. Packt am besten Eure Sachen und geht wieder husch husch zurück ins good old tote Holz Business zurück, da seid ihr vielleicht noch willkommen;))

via Indiskretion Ehrensache

Update: der echte Jörges meldet sich zu Wort und korrigiert wie erwartet brav seine Aussagen… das liest sich wie folgt
hier meldet sich nun mal der echte uli jörges. und erklärt, wovon er wirklich gesprochen und was er gemeint hat: von hass, vorurteil und verächtlichmachung von menschen in vielen blogs „€“ und das aus der deckung der anonymität. bis hin zu antisemitismus, besonders massiv bei außenpolitischen debatten. brauner dreck. der charakterstarke zeitgenosse, der sich hier unter meinem namen exponiert und das absichtsvoll verschwiegen hat, ist offenbar auch so eine erscheinung aus dieser zwiespältigen welt – wenn auch eine vergleichsweise harmlose. deshalb sollte man sich genau überlegen, wo und mit wem man im netz diskutiert. und genau deshalb gibt es qualitätsblogs „€“ wie diesen, in dem menschenverachtendes keine chance hat.

Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

44 Kommentare

  • komisch, wo der stern doch neuerdings mittels eines digg-klons seine user auffordert, blogcontent zu sammeln …

    „stern.de startet heute unter http://www.tausendreporter.de ein neues Web
    2.0-Tool. Das Angebot ist eine News-Community, in der die Nutzer die
    Berichterstattung aktiv gestalten können, indem sie die Nachrichten
    auswählen, die sie für lesenswert halten und über die Meldungen
    anderer User abstimmen.
    Tausendreporter besteht aus zwei Kernfunktionen: User können
    interessante Nachrichten, die sie im Internet gelesen haben und für
    relevant halten, einstellen, kommentieren und anderen Usern
    weiterempfehlen. Darüber hinaus haben sie die Möglichkeit, mit dem
    Vote-Button, der neben jeder Nachricht steht, über die von anderen
    Usern eingestellten Meldungen abzustimmen und diese zu kommentieren. “
    http://www.presseportal.de/story.htx?nr=1008443

  • Als „Alphajournalist“ macht sich das gut, deshalb habe ich diesem Aspekt in meinem Beitrag zum Klowand-Thema mehr Raum gegeben. Ich bin gespannt, wie sich das auf Jörges digitale Reputation auswirkt…

  • na wie gut, das ich vor ca. 10 jahren aufgehört habe, den stern zu lesen…. das bildzeitungsniveau war nicht mehr zu ertragen. und siehe da, es war wohlgetan.

  • warum sollte Herr Jörges auch auf Herrn Schumacher hören, geschweige vernüftigt antworten, schreibt Herr Schumacher doch für den spiegel (Achim Achilles ist das Stichwort)….

    Nein da lassen sich die „Alphajournalist“ (ein schönes Wort meines Vorredners) viel lieber über den Abschaum aus, wir müssen eben alle noch viel lernen.

  • Eigentlich sollte man auf solche Äusserungen eines Hans-Ulrich Jörges gar nicht gross eingehen. Seit Jahren beweisst er mit beinahe jeder einzelnen Äusserung nur, dass er selbst sich am meisten liebt. Da bleibt einfach kein Platz für andere/anderes. Und wenn das auch noch Menschlein sind, die – wenn auch nicht alle – aber immerhin einige irgendwann in der Lage sein könnten, einen Herrn Jörges obsolet zu machen, dann muss man halt kräftig treten. Kennt man das nicht? Manchmal, wenn den Menschen die Argumente ausgehen, dann glauben sie, um sich schlagen zu können und zu dürfen (wenn hier auch ’nur‘ verbal). Eigentlich erledigen sich solche Marginalien des Alltages ganz von selbst. Da ist jedes Bit Platz auf einem Server oder in einer Datenbank schlicht zuviel der Ehre ;-).

    Viele Grüsse, Markus

  • Er hat ja auch Recht. Blogger sind nun Mal der Bodensatz, die Unterschicht, die Loser der Publisher.
    Viele Blogger haben nur eine große Sache, die sie meist auch gemein haben: Ein viel zu großes Ego.

  • Aber „Loser Generated Content“ ist doch eine wunderbare Wortschöpfung. Die kannte ich zumindest noch nicht. Dass da die Journalisten applaudieren, kann ich nur zu gut verstehen, schließlich wird ihnen mit „User generated Content“ die Professionalität streitig gemacht. Und mal ehrlich: Da fallen mir einige „soziale Netzwerke“ ein, die wirklich auf „Loser Generated Content“ setzen. Wenn auch nicht die große Mehrzahl der Blogs.

  • ..es wäre zumindest mal interessant, ob die Jungs und Mädels von ‚tausendreporter‘ den Beitrag samt Kommentaren online behalten oder ob dann, wie das in Deutschland vielfach passiert, eine ganz besondere Variante der freien Presse miterlebt werden kann ..

  • Aber Tausendreporter belegt doch eigentlich die Stern-These: kaum ist die Plattform angekündigt, schon kommt der ganze SEO-Dreck hoch.

  • Ob sich Henri Nannen (selig) jemals gedacht hat, dass es mit seinem „Kind“, respektive dessen Verantwortlichen so weit abwärts in die journalistische Gosse gehen kann?

  • o.t. zu tausendreporter: Bin ich der einzige, der es ziemlich unverschämt findet, dass ausgehende Links mittels einer out.php maskiert werden? LGC wollen aber nicht mal ein wenig Linkjuice vererben …

  • tja, wenn man nur aus faulheit journalist wird, kommt halt so ein müll bei raus:

    ? Was hat Sie in den Journalismus gelockt?

    ! Der pure Zufall: Bevor ich mit dem Studium begann, wollte ich einen Beruf gelernt haben. Zur Wahl standen eine Setzerlehre (dreieinhalb Jahre) und ein Volontariat (zweieinhalb Jahre).

  • wenn man nur aus faulheit journalist wird, kommt halt so ein müll bei raus:

    ? Was hat Sie in den Journalismus gelockt?

    ! Der pure Zufall: Bevor ich mit dem Studium begann, wollte ich einen Beruf gelernt haben. Zur Wahl standen eine Setzerlehre (dreieinhalb Jahre) und ein Volontariat (zweieinhalb Jahre).

  • Hab das ganze erstmal auf tausendreporter.stern.de bepunktet. Sollten wir alle machen. Dann hab die Sternjungs das schön auf der Startseite von ihrem „neuen“ Newsportal.

  • Wisst ihr, was lustig ist? Wenn es um solcherlei Verhaltensweisen geht, so ist sich die eher linke Presse (Spiegel, Stern, etc.) mit der rechten bürgerlichen Presse, namentlich der FAZ, ungewohnt einig. Alle löschen gerne mal einen Kommentar, wenn darin zutage tritt, dass selber vorgelegte Werte nicht eingehalten und gelebt werden.

    Eigentlich kann ich solche Sprüche nicht leiden aber dennoch muss man attestieren, dass solche Geschehnisse im angelsächsischen Zeitungswesen nicht passieren.

  • @paulinepauline

    der artikel war immer über die url zu sehen, nur aus der startseite (und den 10 folgenden) ist er auf einmal verschwunden. jetzt ist er wieder da.
    scheinbar hat jemand den supergau rechtzeitig verhindert. wenn das durch die blogs und anderen plattformen wie yigg, etc gegangen wäre, könnten die den laden zu machen. ähnlich wie digg fast am zensieren zerbrochen wäre.

  • […] Magazine und Zeitschriften sind des deutschen Lesers Lieblingskind. Ich höre grade per Zufall den neuen Song von “Wir sind Helden” (Arbeitgebervideolink) und die Passage des coolen Songs ist sehr einprägsam: “Du gehst K.O., weil Du weißt, Du bist Soundso…” – man sieht in diesem Fall Sternchen! Sowas auch, das passt ja wirklich wie die Faust auf’s Auge. „€œDie guten Redaktionen sollten ihre Siele geschlossen halten, damit der ganze Dreck von unten nicht durch ihre Scheißhäuser nach oben kommt.“€? Stern-Kolumnist Hans-Ulrich Jörges ist in guter Form heute abend. Über die Blog-Szene, den „€œDreck von unten“€?, lässt er sich ganz besonders gerne aus. Dazu hat er sich vor der Veranstaltung extra ein paar Worte zurecht gelegt, und die packt er jetzt aus, obwohl Moderator Hajo Schumacher ihn eigentlich etwas ganz anderes gefragt hat. Sein „€œloser generated content“€? erntet ihm prompt einen kleinen Szenenapplaus im Jungjournalistenpublikum, und Henryk M Broder schreibt sich diese neue Vokabel gleich ab – vielleicht kann er sie an passender Stelle auch mal anbringen. Die Stimmung ist gut. […]

  • HJ Jörges hat sich in den Kommentaren der News auf Tausendreporter zu Wort gemeldet. http://tausendreporter.stern.de/story.php?title=Stern-h%C3%A4lt-seine-Kunden-f%C3%BCr-Schei%C3%9Fdreck

    „hier meldet sich nun mal der echte uli jörges. und erklärt, wovon er wirklich gesprochen und was er gemeint hat…“

    Er hat sich mit seiner Aussage anscheinend auf Blogs mit extremen Gesinnungen bezogen, und auf solche, die sich hinter der Anonymität verstecken. Wenn er das so meinte, wieso hat er das nicht so gesagt? Oder hat er das?

    Meine Meinung: Solange Stern und Tausendreporter NICHT zensieren und Einträge/Kommentare löschen braucht man sie auch nicht zu ignorieren.

    Robert, schreib doch noch einen Post und kläre das mal auf…pls

  • Höhö. Die guten Redaktionen. Wo sitzen die denn? Ab und zu schau ich ja mal rein in den Stern und bei so manchem Artikel würde ich mir dann ein umgedrehtes Rückschlagventil wünschen, nicht das noch was von dort oben nach hier unten abwandert 🙂

    Bei so viel Frustration würde ich mich noch mal bei der Bundesagentur für Arbeit (oder wie die jetzt auch immer heissen, angeblich erwirtschaften die ja sogar Gewinne…) nach ner Umschulung erkundigen, wenn mein Kundenstamm, da unten, mir so auf den Zeiger gehen würde, dass ich ihnen am liebsten keinen meiner literarischen Ergüsse feil bieten möchte. ODer noch viel schlimmer, deren Meinung zur Kenntniss nehmen muss…

  • […] Kinder, Kinder, was ist da nur auf einmal los. Da zitiere ich einen Satz, mit dem sich ein bekannter Journalist über das Qualitätsniveau des politischen Kommentars in der deutschen Blog-Szene auslässt, und plötzlich ist die Hölle los (für mehr Reaktionen, siehe Kommentare des Vorgängerartikels). Das ganze ist interessant, da es auf offenbar blank liegende Nerven hinweist, und zwar auf beiden Seiten der Blogger-Journalisten-Demarkationslinie. Böswillige Beobachter könnten geradezu auf die Idee kommen, die Äußerungen Hans-Ulrich Jörges als eine Art self-fulfilling prophecy zu beschreiben. Aber das würde zu weit gehen: Es sind einfach nur alle empört. Angenehm empört, könnte man vielleicht sagen, denn sowas macht ja auch richtig Spaß. […]

  • […] Freilich kann wird sich die Fallhöhe hinsichtlich Kompetenz in Sachen Neuer Medien generationsbedingt (? was meinen Sie , medienblogger ? ) geradezu umkehren und hinter der Gutsherrenart heutiger Herrenreiter verbirgt sich in Existenzkampf und Statuskrampf der morgige Loser ? – Robert Basic demonstriert den Fall des Falles praktisch , indem er beherzt in DAS himmelhoch vom STERNenhimmel entfernte Dort Unten fasst . […]