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Investoren: Henne oder Ei?

ich werde eine Session auf dem Forum Kiedrich nie vergessen. Da erklärte uns vor Jahren ein verzweifelter Erfinder, wie er vergeblich nach Investoren gesucht hat, um eine Finanzierung für sein Produkt (irgendwas mit mobile Internetnutzung im Auto) hinzubekommen. Die alten Kaufmannshasen drehten den Spieß einfach um und meinten furztrocken, dass er nicht den Investoren hinterherjagen soll, das sei ein Denkfehler. Sondern sie zu sich kommen lassen soll, indem er sein Produkt begehrlich macht. Um die Story mal abzukürzen und nicht auf die Details einzugehen.

So befasse ich mich neuerdings mit einem weiteren Webservice und höre mir gerne auch mal an, was so investorenseitig läuft (auch direkt, nicht nur via Mund zu Mund). Was mich dabei erstaunt, ist eine Strategie der Geldgeber, sich an der Firma zu beteiligen, indem sie mit tollen Kontakten herumwedeln. Kein Cash, nur ein Versprechen. Wtf? Welche tollen Kontakte? Ganz so, als wäre es in der heutigen Welt nicht möglich, selbst an die Kontakte heranzukommen, wenn man ein begehrliches Produkt hat. Wenn man keins hat, so zumindestens meine Meinung, muss man auch keine heisse Luftblasen produzieren und die Bläschen mit einem finanzierten Goldüberzug verzieren. Und es zeigt sich recht zügig, ob ein Produkt ankommt oder aber nicht. Da ich eh kein Fan vom Komplexitätsmonstern bin, gibts auch nicht viel umzubiegen bzw. viel Ressourcen fürs Development draufgehen zu lassen. Wozu man Cash benötigen würde, um ein Funktionsmonstrum auf die Beine zu stellen, dann benötigt man auch einen Investor. Aber ein Investor mit Versprechungen ist mir soviel wert wie ein alter Backstein.

Da aber die Welt grau und nicht schwarz/weiß ist, gibt es sicherlich gute Gründe, um sich auf so einen Kontakte gegen Beteiligungs-Deal einzulassen. Mir fallen nur keine ein. Wie siehts aus?

Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

12 Kommentare

  • Gute Kontakte und Door-Opener verspricht einem jeder, wirklich jeder… Wenn die wirklich einer mitbringt sind die auch Gold wert!
    Aber nie darauf verlassen… immer versuchen das Performanceabhängig zu machen… du hast tolle Kontakte? Toll, wenn du a), b) und c) schaffst (e.g. Intro hier, Door-Opener da und es kommt dabei was zu stande) dann bekommst du rückwirkend mehr Prozente…

  • Hm. Das Produkt begehrlicher gestalten, um Investoren zu locken? Leichter gesagt, als umgesetzt. Das kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Im Moment gehöre ich noch zu denen, die den Investoren hinterherlaufen. Und das ist schon schwierig genug. Wenn die dann auch noch nur ihre Kontaktdatenbank anbieten als selber mal aktiv in die Bresche zu schlagen: nein Danke. Und so geht’s weiter zum nächsten. Nebenbei noch warten, das mal einer von sich aus anruft, Muhahaha!

  • Wir fahren eigentlich auch ganz gut mit der Taktik „vorlegen und kommen lassen“. Jeden Monat werden es mehr Anfragen.

    Leider machen ja viele Startups das Geld einsammeln zur Unternehmensstrategie – und es fallen erstaunlicherweise gar nicht so wenige Investoren drauf rein.

    Kontakte verprechen natürlich alle – was sie nicht bedenken ist, dass man auch mal mit „Kontakten“ spricht und dabei schnell mal feststellt, dass die Kontakte eher „weak“ sind.

    Richtig gute Kontakte sind natürlich Gold wert – leider weiß man das meist nicht vorher.

  • Tüpfelhyänen (also Geschmeiss, dass versucht ahnungslose Firmengründer abzuzocken) gibt es viele.

    Wer nur „seine eigenen Kontakte“ als Wert anbietet, ohne aber eine echte eigene Leistung, einen Mehrwert, anzubieten, hat meist nicht lange Kontakte, die es wert wären, dafür zu zahlen.

    Denn die „Kontakte“ merken sehr schnell, dass sie da jemand nur vermarktet/benutzt, statt ihnen aus Überzeugung („Tolle Idee, das musst Du Dir mal ansehen…“) neue Geschäftspartner zu empfehlen.

    Natürlich gibt es auch seriöse Vermittler und Geschäftsbesorger. Diese bieten aber nicht ihre Kontakte, sondern ihre Dienstleistung und einen Mehrwert an. Und arbeiten meist auch auf Provisions-/Erfolgsbasis.

  • Investoren sehen gerne, dass eine Geschäftsidee im Kleinen bereits funktioniert. Das mag in der Praxis nicht so leicht nachzuweisen sein, aber irgendwas muss da schon kommen.
    Es besteht aber die Möglichkeit bankenfähige Geschäftsmodelle zu formulieren und die Banken – nachweisbar einwandfreies Verhalten in den Auskunfteien vorausgesetzt – als Geldgeber zu involvieren. Die IHK hat hier normalerweise Ansprechpartner, die kompetent [1] beraten können.

    Nachtrag:
    Bei „Investoren“, die nur rumschwätzen wäre ich vorsichtig. 😉

    [1] Das weiss ich aus eigener Erfahrung.

  • bin mit Sky einer Meinung: Investoren wollen erste Erfolge sehen, egal wie eigentlich … dann mit Kontakten zu wedeln ist wohl ziemlich „dumm“: ohne Kontakte ja meist auch keiner erster Erfolg

    der Gang zur IHK sollte auf jeden Fall bedacht werden

  • Ein guter Investor hat mehr Geld als Zeit (weil er ja vorher schon viele andere Sachen gut gemacht hat). Wenn jemand also vor allem Zeit (Kontakte)einbringen will aber kein Geld dann ist er kein guter Investor, ich würde sagen, dann ist er nicht mal einer.

    Ganz praktisch würde ich mir das Gespräch auch mal vorstellen.

    Investor K (Kontaktinvestor) spricht mit potentiellem Investor G (Geldinvestor). Nach dem Hallo, Bla bla über Frau und Kinder, kommt als drittes die Frage von G an K „und hast du auch Geld investiert?“. Dann sagt der „ne ich stell Kontakte her“.

    Dann sagt G, okay auf der Basis will ich auch einsteigen

  • Es gibt wohl auch professionelle Vermittler, die zwischen den Leuten mit der Geschäftsidee und dem Investor vermitteln.
    Täte mich aber überraschen, wenn diese das nicht klar aussprechen und wenn die Beteiligungen wünschen. Oder ist sowas üblich?

  • Ein Vermittler stellt sich normalerweise auch als Vermittler / Connecter vor und nicht als Investor – wäre also eine mehr als unübliche Variante