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Netbook im Porzellan-Look: Lenovo IdeaPad S12 im Test

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Wenn die Finger beim Tippen immer auf den falschen Tasten landen wollen und das ewige Gescrolle beim Surfen nervt, sind das eindeutige Anzeichen dafür, dass das kleine Netbook nicht die richtige Wahl war. Wer dennoch ein leichtes Gerät für unterwegs möchte, passt zur Beschreibung der Subnotebook-Zielgruppe. Der Haken: Diese „mittelgroßen“ Notebooks sind nicht gerade günstig. Eine Alternative könnten die neuen, größeren Netbooks sein. Zumindest dann, wenn man mit der Leistung der üblichen Verdächtigen – Intel Atom, ein Gigabyte RAM, Intel Onboardgrafik, 160-Gigabyte-Festplatte – auskommt. All dies bot das 12-Zoll-Testgerät des brandneuen IdeaPad S12 von Lenovo, das im Energiesparmodus knapp 6,5 Stunden Display und Gemüt erhellte. Bei voller Auslastung ging es zwei Stunden früher in den Feierabend.

Hübsch sieht es aus, innen und außen komplett weiß und auf dem Deckel mit Retro-Kreisen verziert. An den Seiten haben sich die Designer auch noch ein bisschen ausgetobt, aufgehübschte, runde Scharniere hatte ich zuerst beim Sony Vaio TZ vor zwei Jahren gesehen. Bei Lenovo leuchten sie aber nicht. Den allseits beliebten Hochglanzlook gibt es nur außen und auf dem Display-Rahmen, die teilweise orange-bezifferte Tastatur ist matt. Es drängt sich die Frage auf, wie lange der Porzellan-Teint wohl erhalten bleibt, insbesondere am angerauten 6-Zellen-Akku. Wer für weiße Hardware nichts übrig hat, kann das S12 auch in schwarz kaufen. Der Preis: 469 Euro UVP, ab 400 Euro in Onlineshops.

Auch wenn man häufiger liest, das Netbooks mit der HD-Wiedergabe auf Kriegsfuß stehen, spielte das S12 einen HD-Trailer (WMV-Datei) in der Auflösung 720p ohne zu murren ab. Noch mehr Pixel wären Unsinn, da das Display „nur“ 1.280 x 800 Bildpünktchen versammelt. Zum Thema HD sei noch gesagt, dass Lenovo das Ideapad S12 auch mit Nvidia Ion anbietet. Der Atom Prozessor bleibt bestehen, dank GeForce 9400 soll dann aber auch 1080p drin sein. Hierfür verlangt Lenovo 499 Euro. Im US-Shop des chinesischen Herstellers gibt es übrigens auch eine Ausführung mit VIA Prozessor.

lenovo-s12-2Das Display ist glänzend, was bestimmt nicht jedem schmeckt, und serviert bei der Farbwiedergabe Durchschnittskost. Verglichen mit den sonst bei Netbooks üblichen 1.024 x 600 hat es neben der schärferen Bildwiedergabe den Vorteil, dass einfach mehr zu sehen ist. Der Desktop verstopft nicht so schnell und beim Surfen scrollt sich der Besitzer nicht die Finger wund. Wo wir gerade beim Thema sind: Das Touchpad ist alles andere als glatt, daher muss man etwas fester über die Oberfläche streichen, damit es gut reagiert. Dreht man in den Optionen die Geschwindigkeit etwas herunter, klappt es besser.

Was ist sonst noch interessant? Es kommt mit Windows XP, wer ganz schnell ins Internet muss, kann per QS-Knopf die Linux-Umgebung – gesponsort von Splashtop – aufrufen. Bis zum Auswahl-Screen vergehen nur zehn Sekunden. Bis der Browser, Skype oder der IM anspringt, läuft der Timer aber weiter. Der Knopf mit dem gebogenen Pfeil (sieht aus wie „Wenden erlaubt“) ruft eine Backup- und Wiederherstellungssoftware auf. Was nicht jedes Netbook hat, sind Bluetooth und ein ExpressCard-Schacht. Erwähnenswert ist auch die Gesichtserkennungssoftware VeriFace. In die Kamera schauen, Gesicht scannen lassen und beim nächsten Log-In oder dem Zugriff auf einen verschlüsselten Ordner nur da sitzen. Das Passwort sollte man sich aber trotzdem merken.

lenovo-s12-3Beim Testen der Software ergab sich tatsächlich mal die Situation, in der eine CD mit Treibern/Software hilfreich gewesen wäre. Gut, das S12 hat sowieso kein Laufwerk, aber trotzdem: Wie sich herausstellte, konnte ich mein Gesicht partout nicht aus der Software löschen. Da ich nicht wollte, dass mein unfreundlich-gleichgültig blickendes Antlitz (man darf nicht lächeln, es war morgens) auf dem Testgerät verblieb, dachte ich, ich könnte ja einfach die Software reparieren. Dies stand nämlich in der Hilfefunktion. Leider kam die genannte Auswahl nicht und VeriFace war weg. Der Support-Bereich bei Lenovo brachte mir das Tool aber schließlich zurück, auch wenn der langsame Download einen besonders dicken Geduldsfaden erforderte.

Insgesamt arbeitet es sich mit dem IdeaPad S12 doch deutlich angenehmer als mit einem kleineren Netbook. Gut für Schreiber, die nicht nur ab und zu auf der Couch surfen. Die Tastatur ist sehr gut, fast wie bei einem großen Notebook. Allerdings kann man es nicht mehr so leicht in die Tasche stecken. Es wiegt laut Datenblatt etwa 1,5 Kilo und ist 29 cm breit, 22 cm tief und knapp 3 cm hoch. Etwas kleiner und leichter ist das Acer Aspire One 751. Eine weitere Alternative könnte das Aspire Timeline 1810T (ab 500 Euro, aber mit besonders langer Akkulaufzeit) sein oder – mit VIA-Innenleben – das Samsung NC20.

(Ein Gastbeitrag von onlinekosten.de-Redakteurin Saskia Brintrup)

Über den Autor

André Vatter

André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.

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