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Abmahnanwalt Günter Freiherr von Gravenreuth begeht Suizid

Ich hatte es an anderer Stelle schon einmal gesagt: Die schwierigsten Posts hier auf dem Blog sind diejenigen, bei denen ich über menschliche Tragödien schreibe. Und der Selbstmord des Rechtsanwalts Günter Freiherr von Gravenreuth gehört in genau diese Kategorie. Der als „Abmahnanwalt“ zweifelhaften Ruhm erworbene Gravenreuth hat sich in der Nacht zu Montag in seiner Wohnung selbst umgebracht. Die kurze Zeit zuvor angerückte Polizei konnte das Unglück leider nicht verhindern.

Eine Sondereinsatzkommando war alamiert worden, weil der Anwalt seine Absicht, Selbstmord begehen zu wollen, zuvor per E-Mail angekündigt hatte. Sie war mit dem Betreff „Ein letzter Gruß an die Runde“ versehen und enthielt mehrere Erklärungen für seinen Suizid, darunter auch seine bevorstehende 14 monatige Haftstrafe. Zu dieser war Gravenreuth am 17. September 2008 wegen Betrugs verurteilt worden. Er hatte den Internet-Domainnamen der überregionalen Tageszeitung „taz“ pfänden lassen und den Versuch unternommen, ihn zu veräußern.

Dieses Vorgehen begründete er damit, von der „taz“ im Rahmen einer einstweiligen Verfügung gefordertes Geld nicht erhalten zu haben. Aufgrund vorangegangener und vor Gericht verhandelter Straftaten (darunter Urkundenfälschung und Untreue) fiel das Urteil ohne Bewährung aus und sollte von dem 61-jährigen Juristen diesen Monat angetreten werden, nachdem eine von seinem Anwalt beantragte Revision abgewiesen wurde.

Gravenreuth wurde vom Gericht allerdings ein Strafaufschub gewährt, um die Auflösung seiner Kanzlei durchführen zu können. Aufgrund des verhängten Strafmaßes von über einem Jahr musste er damit rechnen, dass ihm die Zulassung als Rechtsanwalt entzogen werden würde.  

(Marek Hoffmann)

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Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

34 Kommentare

  • „Dieses Vorgehen begründete er mit einer von der ”taz” im Rahmen einer einstweiligen Verfügung geforderten Geld nicht erhalten.“

    Der Satz stimmt nicht so ganz.

  • @Bendix & freakpants: Sorry, ich dachte, es ginge um eine den Fakten nicht entsprechende Darstellung. Habe gerade erst gemerkt, dass der Satz grammatikalischer Mumpiz war. 🙂

  • Kann da eigentlich auch nur den Kommentar von Korrupt zitieren:

    „RIP, GvG. Wie man auch immer zu ihm stehen mag, ein Stueck Internetgeschichte war er.“

  • Schreibt doch einfach Selbstmord und „brachte sich um“ und nicht immer Suizid oder „hat sich selbst gerichtet“. Das ist nur um den heißen Brei geredet und führt nachweislich dazu, dass sich weitere verzweifelte Menschen umbringen…

  • @Johnny: Stimmt. „sich selbst gerichtet“ klingt auch ein bisschen zu sehr danach, als hätte er vorher einen Amoklauf begangen und seine Reaktion sei in irgendeiner Form seinen eigenen Vergehen angemessen gewesen. Auch der Screenshot muss im Sinne einer journalistisch vernünftigen Auseinandersetzung mit dem Thema Suizid nicht sein, speziell dann, wenn das Opfer oder sein Umfeld ja offenbar selbst die entsprechende Internetseite erstellt haben.

    Siehe dazu auch dieser hilfreiche Leitfaden:
    http://www.univie.ac.at/krisenintervention/leitfaden.pdf

  • Ich stimme Garbers hier zu, der Ausdruck „selbst gerichtet“ ist in diesem Kontext nicht angebracht. Er suggeriert, er habe sich wegen seiner Taten und sozusagen ein staatliches Urteil vorwegnehmend „selbst gerichtet“. Das ist ja hier offensichtlich nicht der Fall.

  • Einen letzten Salut auf Gravenreuth. Ein Freund seiner Tätigkeiten war ich nun wirklich nicht, aber wie oben schon erwähnt, war sein Name aber auch irgendwie Teil der Internetgeschichte, viele seiner Postings gerade im Heiseforum hatten darüber hinaus einen (manchmal auch unfreiwilligen) Unterhaltungswert. Insofern macht es einen durchaus betroffen, daß der stets bissige und tatkräftige Freiherr von Gravenreuth letztlich eben doch ein Mensch unter vielen ist, mit all seinen Problemen, Sorgen und Nöten und das er schlussendlich diesen Weg wählte.

  • Es sind immer die – die uns am meisten beschäftigt haben – die eine Lücke hinterlassen. Wer auf seinen abschließenden sozialen Status schaut, sowei den Krebsverdacht etc., der kann nachvollziehen das er es mittlerweile echt schwer hatte. Dabei, er hat auch positives getan (siehe GPL und Deutschland sowie dessen Verteidigung im Sinne es Geld-Scan-Programms bzgl. der Devisen/Banken.).

    Wie auch immer. Es ist nie schön wenn jemand geht; und der Feind tod ist, sollte er geehrt sein. Er war nicht zuletzt ein würdiger Feind, darüber lässt sich wohl schwer streiten… oder? 😉

  • Ich selbst wurde von Gravenreuth zwei mal teuer Abgemahnt und so tragisch auch das ganze für seine Familie und co. sein mag ich weine ihm keine Träne nach.

    Wer weiß wieviele Menschen er in den finanziellen Ruin oder gar Selbstmord getrieben hat.

    R.I.P

  • Ich bin immer kein so großer Freund von den Selbstmordbemitleidungen. Er ist gegangen, weil er in seinem Leben keinen Sinn mehr gesehen hatte, oder den Schmerz nicht ertragen hat. Immerhin stand ihm eine Gefängnisstrafe bevor, über die sich sehr viele Leute gefreut hätten. Und überlegt euch mal, was danach passiert wäre. Er wäre auf Ewig der Buhmann des Internets geblieben.

    Ich sehe keinen Sinn darin, krampfhaft sein Leben fortzuführen. Er fand, es war Zeit für ihn zu gehen, und er war mutig genug, das zu tun. Vielleicht würdevoller, als das was sonst so passiert wäre.

  • Ich finde ja, wenn man ihn bemitleidet, sollte auch Zeit dafür sein, diejenigen zu bemitleiden, die unter ihm gelitten hatten, und das waren nachweislich nicht wenige.

  • und was ich auch nicht toll finde – hat aber nix mit günni speziell zu tun – wenn ein Anwalt Angst vorm Knast hat.

    Also sorry, aber wer mitspielt muss auch mit der roten Karte rechnen

  • Der Typ war die Definition eines „problematischen Mitbürgers“, der seine ganze Intelligenz und Bildung dazu einsetzte anderen – mehr oder minder grundlos – zwischen die Beine zu treten, und sich damit persönlich zu bereichern! Er hielt sich ganz offensichlich für besser und schlauer, als alle anderen in diesem Land. Ich persönlich hatte die Wahrscheinlichkeit, das der Typ eines natürlichen, alterbedingten Todes stirbt, als kleiner 10% eingeschätzt – und hab am Ende damit wohl Recht behalten.

    „Den gravienden Fehler, den diejenigen machen, die sich selber für super-schlau halten ist, alle anderen für dumm zu halten!“

  • Ich war schon etwas erstaunt, als ich diese Meldung gelesen habe. So habe ich mir sein Ende nicht vorgestellt. Da etwas von Beziehungsproblemen berichtet wurde nehme ich mal stark an, das er seine Freundin oder Ehefrau selbst abgemahnt hat, oder vielleicht lag es daran, das seine Freundin einige Brief von der Tanja gefunden hat.

    Für mich war Gravenreuth jemand, der durch seine dubiose Methoden, traurige Berühmheit erlangen hat. Er war jemand, der sich selbst allzuoft überschätzt hat, und unser Rechtssystem zu seinem Vorteil ausnutzte.

    Ich kann nur hoffen, das Günther nun im Himmel nicht so weiter macht, wie hier auf Erden. Die Engel werden es ihm danken, wenn Sie von Ihm in Ruhe gelassen werden, und keine Abmahnung erhalten.

    Jemand der Selbstmord als letzten Ausweg sucht, ist für mich feige. Er hat sich nicht den Konsequenzen gestellt, für die er selbst verantwortlich ist.

    Hin und wieder musste ich über Ihn auch schmunzeln, z.b. durch äusserst witzige, komische und seltsame Kommentare bei gulli, oder über den Rausschmiss aus dem Heise Forum vor ein paar Jahren. Das ist aber auch schon alles, was ich positives über ihn berichten kann.

    Rest in Peace …

  • Manchen Menschen gelingen erst am Ende Ihres Lebens die wertvollsten Taten.
    Mögen sich daran noch viele sinnlose Abzockanwälte ein Beispiel nehmen und endlich wertvolles in Ihrem Leben kreiren.

  • Ich gehöre auch zu GvGs Opfern, denen mit 17 eine Abmahnung mit einer Gebührennote über gut 2000 Mark ins Haus flatterte. Sowas vergißt man nicht, ebensowenig wie andere Arten von Mißbrauch. Für mich war GvG der Inbegriff des fiesen Wegelagerers, ein Mensch von boshafter Gesinnung, der aus Bagatellfehlern Schwacher und Unkundiger den eigenen Nutzen zog. Mit dem Vermächtnis aus dem Leben zu gehen, möglichst vielen grundlos geschadet, den Diskurs möglichst effektiv gestört, Lebensfreude nach bestem Können vernichtet und die Unfähigkeit zu eigenem kreativen Schaffen jenseits jedes Zweifels bewiesen zu haben, ist eine Strafe, neben der 14 Monate Knast für mich die reine Gnade wären. Naja, RIP, unwahrscheinlich.

  • @dougie… “Den gravienden Fehler, den diejenigen machen, die sich selber für super-schlau halten ist, alle anderen für dumm zu halten!”
    Zum einen das und zum anderen sind „die“ nicht super-schlau. Wenn sie das wären, würden sie nicht auf diese Weise Ihren Lebensunterhalt verdienen.

    Das ist doch eine Charakterfrage. Jemand der so auftritt, hat ganz sicher an anderen Stellen noch ähnliche Macken. Stell Dir mal vor, so jemand geht im ein Vorstellungsgespräch.

  • Oh, ich stolpere gerade über diesen Artikel. Diese Meldung ist ja schon gut ein halbes Jahr her, aber das ist irgendwie an mir vorbeigelaufen. Der gute Mann ist mir (39 Jahre) alt auch schon ein Begriff aus der Anfangszeit des Internets und auch schon davor, als ich noch ein Jugendlicher war. Also schon gut 20 Jahre. Einige Freunde haben damals Abmahnungen wegen Raubkopierens erhalten usw.
    Mit Interesse habe ich die letzten Jahre in den Medien seine „Machenschaften“ verfolgt, aber dass er sich nun umgebracht hat, ist schon echt krass. Ich denke mal viele werden ihn gehasst haben, aber so ein Ende ist schon heftig.

  • egal wie zweifelhaft sein Ruhm. Mit über 60 vor dem Ruin zu stehen ist bestimmt nicht leicht. Allerdings hätte er das auch als Frührente betrachten können, oder? Geld genug, dürfte er wohl gehabt haben.
    Egal, gönnen tut man dies ja trotzdem niemanden.
    Schon bedauerlich.
    Emil