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Vertipper: Wie Google fast eine halbe Milliarde Dollar jährlich mit Typos verdient

Als ich seinerzeit mein Start-Up gegründet habe und mir den dazugehörigen Domain-Namen sichern wollte, habe ich von einem Internet-Experten drei Ratschläge mit auf den Weg bekommen. Einfach ausgedrückt lauteten sie, dass ich mir die gängigen Top-Level-Domains sichern, die Schreibung des Unternehmensnamens mit und ohne Bindestrich registrieren und mir auch jene Schreibweisen des Namens aneignen sollte, die leichte Tippfehler enthielten. Auf Letztgenanntes war ich von selbst nicht gekommen, die Überlegung dahinter leuchtete mir aber ein. Wer meine Seite besuchen möchte, sich aber verschreibt, landet woanders, aber nicht bei mir. Und je nachdem, was er auf dieser Vertipper-Seite vorfindet (Konkurrenzangebot, XXX-Inhalt, Domain-Parking), wird er keinen neuerlichen Versuch unternehmen, um mich zu finden.   

Ein Beispiel: Wer sich verschreibt und anstelle von „Google.de“ ein „Gogle.de“ in die Adressleiste seines Browsers tippt, landet auf der Seite der Suchmaschine. Bei „gugle.de“ geht’s aber zu einem mit Werbung vollgeplasterten Web-Shop. Das Interessante daran ist aber nun, dass Google an solchen Typos kräftig mitverdient. Wissenschaftler aus Harvard haben errechnet, dass sich die Summe im Jahr auf etwa 500 Millionen Dollar (abgerundet etwa 367 Millionen Euronen) beläuft. Wie das möglich ist? Ganz einfach: durch Werbung. 

Viele derjenigen Seiten, die ihre Besucher nur oder hauptsächlich aufgrund von unkorrekt geschriebenen Zieladressen erhalten, setzen bei ihrer Werbung der Studie zufolge nämlich auf Google Ads. Damit verdienen sie selbst zwar unter Umständen nicht viel, Google als Mittelsmann aber schon. Die Wissenschaftler haben zur Berechnung des oben genannten Betrags zunächst eine Liste mit möglichen Typo-Domains der laut Alexa 3.264 populärsten .com-Domains erstellt. Sie fanden heraus, dass zu jeder dieser Seiten im Schnitt 280 Typo-Domains existieren. Die sich daraus ergebenden 900.000 Seiten werden den Studienergebnissen zufolge von bis zu 68 Millionen Menschen täglich versehentlich aufgesucht.

Basierend auf dem Resultat, dass etwa 60 Prozent dieser Seiten von Google zur Verfügung gestellte Werbung enthalten und der Suchriese mit ihr genauso viel verdient, wie mit Werbung bei Suchergebnissen, summiert sich das über diesen Kanal gescheffelte Geld auf die oben genannte halbe Milliarde Dollar pro Jahr. Natürlich entfernt Google seine Werbung von solchen Seiten, wenn sich der Besitzer der „richtigen“ Domain beschwert – etwa weil sich ein Kunde in die Irre geführt sieht. Bis dahin gilt aber: Wo kein Kläger, da kein Richter. Und der Suchriese reibt sich die Hände.

(Marek Hoffmann)

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Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

17 Kommentare

  • Es ist ja nicht nur Google, die in der Hinsicht Geld scheffeln, es gibt eine ganze Industrie, die sich beinahe nur darauf stützt – die sog. „Website-Parking“-Betreiber wie Sedo, Namedrive etc.

  • Und da sind sicher die als AdWords gebuchten Berschreiber für die Werbung auf den Suchergebnisseiten für falsch geschriebene Suchanfragen noch nicht mit eingerechnet…

  • … Am Ende ist Google sowieso immer der Gewinner…

    Und diese Parking-adsence-Müll-Seiten… Oh Gott die hasse ich wie die Pest!

    Stellt euch vor ich habe kein adsence und will es auch nie benutzen. Die paar Cent sind doch echt lachhaft, wenn man bedenkt was Google einstreicht – 1 Euro und mehr pro click sind da ganz normal.

    Lieber eigene Produkte und Services auf seinem Blog bewerben!

  • @Nicole: Menschlich, allzumenschlich, würde der gute Friedrich wohl gesagt haben. 😉
    @Benny: Das finde ich auch witzig. 😀 Wusste ich gar nicht!

  • Lustig wirds wenn man noch Wort-verdreher Domains dazu nimmt,
    thinkingbasic.de oder so, da gibts bestimmt auch die ein oder andere welche in das Muster fällt…
    oder hust: basic-thinking.de 🙂

  • Echt immer wieder erstaunlich mit was man so alles Geld verdienen kann. Aber durchaus simpel da man sich ja selbst schon sehr oft vertippt und sei es nur aufgrund des zu schnellen schreibens…

  • es gibt immer mehr leute, die direkt bei google ins suchfeld die url eintippen. bei einem vertipper landen sie dann nicht automatisch auf der vertipper-domain, sondern bekommen die korrigierte domain angeboten… da immer mehr leute direkt über google gehen, wird das geschäftsmodell vertipperdomain (hoffentlich) zurückgehen.

    allerdings profitiert google auch von diesem vorgehen, v.a. wenn wettbewerben auf die markennamen / urls ihrer konkurrenten adwords buchen können – dies ist bspw. in den usa schon möglich.