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Eye-Tracking-Studie legt nahe: Nutzer haben kein Interesse an Real-Time-Ergebnissen

Die Online-Marketing-Agentur OneUpWeb hat eine interessante, kleine Studie durchgeführt. Unter anderem mittels Eye-Tracking-Verfahren hat sie untersucht, welchen Stellenwert die Einbindung von Real-Time-Ergebnissen bei Google-Suchanfragen hat. Dazu wurden 44 Personen in zwei Gruppen unterteilt: „Konsumenten“ und „Informationssuchende“. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen ergibt sich aus der Aufgabe, die die Test-Teilnehmer gestellt bekamen. Erstere sollten nach einem Produkt suchen, das sie sich möglicherweise kaufen wollen, Letztere sollten nach Information zu einem beziehungsweise über ein Produkt suchen. Ziel der Studie: „Wir wollten wissen, ob die Durchschnittsnutzer erkennen und verstehen, was Echtzeit-Ergebnisse sind, ob sie sie finden und auch tatsächlich anklicken und was sie im Ganzen über Echtzeit-Ergebnisse denken“, so Lisa Wehr, Gründerin und CEO der Agentur.

Und das Ergebnis ist ernüchternd: Fast drei Viertel der Teilnehmer war der gehypte Begriff „Echtzeit-Ergebnis“ völlig unbekannt, sie hatten ihn noch nie zuvor gehört. Rund die Hälfte der Informationssuchenden nutzte diese Art der Ergebnisse bei ihrer Recherche, bei den sogenannten Konsumenten waren es nur knapp ein Viertel. Insgesamt betrachtet vermochten die in Real-Time gelieferten Ergebnisse kaum das Interesse der Internet-Surfer zu erwecken. Das Teaserbild dokumentiert dabei die Resultate des Eye-Tracking, die in Frage stehenden Ergebnisse befanden sich in den beiden Kästchen am unteren Ende der Seite – die im übrigen von nur knapp der Hälfte der Teilnehmer problemlos gefunden wurden.

Dort ist auch der markanteste Unterschied zwischen den beiden Gruppen festzustellen. Während sich die Konsumenten eher mit den Ergebnissen in der ersten Hälfte der Seite orientierten, lässt sich bei den nach Informationen suchenden Usern ein leichter Trend auch in die zweite Hälfte der Ergebnisseite feststellen. Sie verbrachten mit 14 Sekunden nicht nur etwa fünf Sekunden länger beim Betrachten der Echtzeit-Ergebnisse, sondern hatten auch eine um zehn Prozent höhere Klickrate als die Konsumenten.

Was uns das sagen soll:

Auch wenn es sich nur um eine sehr kleine Stichprobe handelt, lassen die Ergebnisse einen interessanten Schluss zu: Auf Sozialen Netzwerken beeinflussen die Empfehlungen von anderen Personen – in der Regel Freunden und Bekannten – maßgeblich die Kaufentscheidung eines Users. Bei der Google-Suche orientiert sich der Konsument aber offenbar mehr an den „traditionellen“ und „bekannten“ Ergebnissen-Anzeigen und vermeintlich verlässlicheren Quellen (etwa Rezensionen bei Amazon oder Testergebnissen von bekannten Plattformen) als auf die über Twitter, FriendFeed oder Facebook eingespeisten Ergebnisse.

Diese Schlussfolgerung soll nun keineswegs bedeuten, dass die Einbindung von Echtzeit-Ergebnissen falsch und sinnlos ist, sondern dass Google sie seinen Usern noch stärker als ein verlässliches und hilfreiches Zusatzfeature präsentieren muss. Oder wie seht ihr das? Welche Schlüsse zieht ihr aus den Ergebnissen? Nachfolgend noch zwei Grafiken, eine zur Altersverteilung bei den Teilnehmern und eine weitere zu der Frage, was die Teilnehmer nach Sichtung der Ergebnisse taten.

Via: Searchengineland 

(Marek Hoffmann)

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Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

23 Kommentare

  • ja, wenn man die Ergebnisse gaaaaaaanz unten einblendet, ist klar, dass die keiner beachtet!
    dumme Studie!
    packt die mal oben (rechts oder links) oder in die Ergebnisse (unter die ersten 2/3) dann sieht man was gaanz anderes!

    echt dumme studie!

    das ergebniss ist hier wohl eher, dass google diese Real-Time-Ergebnisse so einbindet, dass sie keinen Einfluss haben!
    Aber auf die wirkliche Relevanz, lässt das garnicht rückschließen!

  • Ich bin (leider nur) Jurist, aus diesem Grund versuche ich nicht mal naturwissenschaftliches Fachwissen vorzutäuschen, doch… ich untersuche für meine rechtswissenschaftliche Dissertation u.A. die Verwechslungsgefahr zwischen Ads und Suchergebnisses auf Suchmaschinen (für Juristen: markenmäßig Nutzung bzw. Imagetransfer). Im Zuge der Untersuchung bin ich auf ein Phänomen gestoßen welches „INATTENTIONAL BLINDNESS“ genannt wird und „in a nutshell“ davon ausgeht, dass unser Hirn gelernt hat Information welche für uns im Moment nicht relevant ist, bei der Suche zwar visuell sehr wohl wahrzunehmen (Eye Tracking…) , aber in Folge nicht zu verarbeiten bzw. auszublenden.

    M.a.W.: „While user are absorbed in the inspection of something they are largely unable to perceive other objects in their field of view.“

    Bsp aus der Studie: Du kommst in einen Hörsaal und suchst einen Platz. Selbst wenn Deine Freunde alle in der 2ten Reihe sitzen und Dir winken, wirst Du sie wohl kaum sehen weil Dein Hirn gerade den Auftrag hat; „Platz suchen“ und eben nicht „Freunde suchen“. (das Beispiel mit derm Affen der durch die Gruppe Basketballspieler geht kennt ihr ja vielleicht: http://www.youtube.com/watch?v=hwCzasHBXNc )

    Ähnlich könnte es sich m.A. nach auch bei Suchmaschinen verhalten. Die Nutzer suchen Informationen und „blenden“ die Felder die sie nicht kennen bzw von dehnen sie früher gelernt haben, dass sie Werbung enthalten einfach aus. Dies würde dann auch die überraschend niedrige Klickrate auf Top-Ads erklären, obgleich diese doch sehr viele Fokussierungen bekommen.

    In Detail inkl. Literaturhinweise: http://austrotrabant.wordpress.com/2009/12/01/banner-blindness-inattentional-blindness-of-users/

    Für Feedback von Leuten die sich „wirklich“ damit auskennen wäre ich ausgesprochen dankbar!

  • *Banner Blindness – Inattentional Blindness of Users…

    While user are absorbed in the inspection of something they are largely unable to perceive other objects in their field of view…….

  • Ach mal ganz ehlich 90 Prozent ALLER User sind zu blöd das Internet zu nutzen
    Wir hier sind die kläglichen 1 Prozent die den Blick haben
    Wundert mich also eher das keiner meint

    Echtzeit ist, wenn Google unter 1 Sekunde die Seite ausspuckt

  • Den meisten Internetnutzern ist die aktuelle Entwicklung egal. Nur wer sich für das Medium wirklich interessiert und es sozusagen als Hobby hat, ist mehr oder weniger auf dem neuesten Stand was aktuelle Technologien betrifft. Insofern also wenig verwunderlich, dass viele Menschen „Echtzeit-Ergebnisse“ nicht kennen.

    Ist so ähnlich wie Auto fahren. Viele wissen wie man fährt, aber nicht wie ein Motor funktioniert oder was gerade die neuesten Technologien für Autos sind.

  • Bis gerade eben wusste ich noch gar nicht, dass es Real-Time-Ergebnisse bei Google gibt und ich würde mich selbst nicht unbedingt als Internet-DAU ansehen.

  • ich habe schon so lange mich nicht mehr so köstlich amüsiert wie beim lesen des o.g. Artikels …44 Personen in zwei Gruppen wurden gefragt ….es ist so was von relevant ..einfach herrlich 😉

  • Ich würde diese Ergebnisse nicht erst nehmen. Dinge wie die Amazon-Produkttempfehlungen von Usern, welche schon vor Erscheinen des Produkts geschrieben wurden, Gutscheinauslosung sei dank, kann man eh nicht ernst nehmen. Aufgeklärte User klicken eh auf keine Werbung mehr und schon gar nicht auf offensichtlich manipulativen Suchergebnisse.

  • Wie auch schon hier vor mir gesagt wurde, die Position bestimmt alles und nicht das man sich irgendwas Besonderes interessiert. Man findet im Internet noch die Zahlen von AOL, wonach man deutlich zu sehen bekam, wie die Klickrate auf Ergebnispositionen verteilt ist. Und das war genau das gleiche Bild. Erste Seiten in den Ergebnissen, bekommen auch den meisten Traffic. Und die Menschen interessiert weniger, durch welche Technologie diese Inhalte dargestellt werden. Deshalb gibt es auch Anzeigen über die normale Ergebnisse und nicht nur rechts, da die Suchende automatisch da oben klicken, zwar ist die Anzeige durch andere Farbe definiert und rechts steht auch, dass es um eine Anzeige handelt, aber der Unterschied ist so klein, dass es sehr oft ignoriert oder übersehen wird. Einzige was für mich relevant ist, die Studien, dass man versucht Werbung zu vermeiden. Das ist aber auch ein anderes Thema.

  • Ich finde es eigentlich super, dass die Nutzer sich von sowas nicht beeinflussen lassen. Das kommt Affiliates mit anständigem Content doch nur entgegen. Echtzeit-Ergebnisse sind imho bei bestimmten Produkten vollkommen unsinnig. Bei Trend-Produkten und dergleichen auf jeden Fall, aber wer will schon Echtzeit News zu Jogginghosen 😀

    Grüße
    Alexander

  • „Auf Sozialen Netzwerken beeinflussen die Empfehlungen von anderen Personen – in der Regel Freunden und Bekannten – maßgeblich die Kaufentscheidung eines Users.“

    Eigentlich wie im wahren Leben, gelle?

  • Glaub ja nicht, dass Real-Time Ergebnisse aus Feeds von IRGENDWEM mich beeinflussen. Empfehlungen meiner Freunde schon, nur liefert die SERP eben Ergebnisse von wildfremden Menschen…

  • Derjenige, der sich informieren möchte, ließt die Description eher (schaut sich auch mehr Ergebnisse an), als jemand der nur „schnell“ was kaufen will. Logisch, der wenn man sich informieren will, filtert man schon von vornherein besser… schließlich muss man relativ viel Text lesen und möchte somit nicht so viele „schlechte“ Ergebnisse in die Tabs laden. Den Preis für ein Produkt findet man hingegen in der Regel bereits nach wenigen Sekunden. Dennis

  • Ich ziehe daraus die altbekannten Rückschlüsse, dass der Nutzer fast nur oben auf der Seite schaut.
    Würden die Real-Time-Ergebnisse weiter oben stehen, würden auch mehr Leute draufschauen.

  • Ich denke diese „Studie“ zeigt das was schon immer angesagt war,unabhängig von Echtzeit oder nicht.Es zählt nur was im sichtbaren Bereich des Monitors angezeigt wird,ohne scrollen etc..Zusätzlich ist es in den meisten Ländern einfach so,daß man von oben nach unten liest,Blödsinn also das nach unten zu machen.Würde man die Realtimeergebnisse so zwischen den Ergebnissen einblenden wie zum Beispiel die Newsergebnisse oder Ergebnisse aus der Bildersuche,sieht diese Studie bestimmt schon wieder ganz anders aus.

  • @Torsten

    Stimme dem im Wesentlichen zu. Die Studie belegt wenigstens eins, dass der User auf Google etwas anderes erwartet, also in Sozialen Netzwerken. Das Auge richtet sich auf die TOP Ergebnisse, was anschaulich bewiesen wurde, wenn auch in einer sehr, sehr kleinen Studie.

    Aussagen über Real-Time-Ergebnisse sind zweifelhaft. Sie sind wie gesagt Medium abhängig.

    Trotzdem ist und bleibt für mich diese Studie interessant.

  • @all

    Dass Nutzer nicht an realtime Ergebnissen interessiert sind, war mir schon von vornherein klar. Man ist immer auf der Suche nach der „passenden“ Lösung. Ob diese nun realtime ist oder nicht, ist völlig Schnuppe.