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Visitenkarten-Digitalisierer 'Pitrec': Nützliches Gadget oder Produkt ohne Markt?

Mal angenommen, ihr kommt zum Online-Stammtisch – auf den ich an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich hinweisen möchte – und ihr erhaltet von einem neuen Kontakt dessen Visitenkarte zugesteckt. Wie geht ihr dann mit der Karte um? Seid ihr stolzer Besitzer eines dieser speziellen Edelstahl-Etuies, steckt ihr die Karte zu Hause in so ein Buch mit Steckfächern oder verschwindet sie bei euch zunächst in der Hosentasche und beim nächsten Waschgang im Flusensieb? Da ich die Teile hasse und es zudem nicht ausstehen kann, wenn sie mir mein Portemonnaie ausbeulen, tippe ich die Kontaktdaten immer direkt in mein Smartphone ein (obwohl es mit dieser App vermutlich schneller ginge) und schmeiße die Karte anschließend weg (obwohl es um manche wirklich schade ist).

Der japanische Hersteller King Jim wartet nun mit einer neuen Möglichkeit auf: dem „Pitrec„. Bei dem auch unter der Bezeichnung „DNH10“ laufenden Kästchen handelt es sich um einen Visitenkarten-Digitalisierer. Das etwa 120H x 60B x 13T Millimeter kleine und knapp 85 Gramm leichte Gerät besteht im Kern aus einem 3,5 Zoll großen WQVGA-TFT-Display und einer zwei Gigabyte großen microSD-Karte. Auf dieser können bis zu 2.000 Visitenkarten digitalisiert werden. Und wie das funktioniert, könnte ihr eigentlich schon dem Teaser-Bild entnehmen.

Ihr braucht dazu nur die Karte in einen dafür vorgesehenen Schlitz zu stecken, wobei die Seite mit den Kontaktdaten in Richtung des Displays zeigen muss. Anschließend heißt es Knöpfchen drücken und das Gerät erstellt einen Schnappschuss der Karte, der auf dem internen Speicher abgelegt wird. Wer übrigens ein überdurchschnittlich fleißiger Kartensammler ist, der kann die Speicherkapazität des Geräts auch auf 16 Gigabyte hochschrauben. Mit den restlichen Buttons des Geräts kann der User dann durch seine Sammlung browsen.

Ob es das Teil jemals bis nach Deutschland schafft, ist fraglich. In Japan wird es aber am 6. August auf den Markt kommen und mit einigen zusätzlichen Accessoires (etwa einer Ledertasche) circa 27,300 Yen (umgerechnet knapp 250 Euro) kosten. Man sollte also schon ein paar Visitenkarten zum Archvieren haben, damit sich die Anschaffung lohnt.

Wenn das Thema schon einmal angesprochen wird: Haltet ihr Visitenkarten eigentlich noch für zeitgemäß? Wo immer es geht, so scheint es, wird vom Papier Abstand genommen und auf die elektronische Variante gesetzt. Sei es beim klassischen Brief, der nun als Online-Brief Einzug ins 21. Jahrhundert halten soll oder dem guten alten Buch, das dem Urteil einiger weniger Zufolge bald weitestgehend vom E-Book verdrängt werden wird. Visitenkarten, so der Eindruck, stemmen sich aber erfolgreich gegen diesen Trend. Oder werde hier gerade Opfer meiner selektiven Wahrnehmung?

Zudem gibt es doch längst viel fortschrittlichere Methoden, seine Kontaktdaten mit anderen zu teilen. Zum Beispiel mittels der App Hoccer, mit der sie sich quasi von einem Smartphone zum anderen werfen lassen. Oder dem sogenannten Poken, das gerade für jene User von Vorteil ist, die auf einem der unzähligen Netzwerke (im Zweifelsfall Xing) ein komplettes Selbstprofil von sich hinterlegt haben.

Was spricht also noch für die Visitenkarte?

Via: Akihabaranews

(Marek Hoffmann)

Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

31 Kommentare

  • Tja, es gibt allerdings leider noch immer viel zu viele, die ihr smartphone nur zum telefonieren verwenden und Poken haben sich nicht wirklich durchgesetzt. Allerdings, wofür brauch ich dafür ein Extra Gadget, eine App fürs Smartphone reicht doch auch?

  • Ich will ja nicht böse sein, aber ein Duden wäre besser 😉 Seit != Seid… Für ein A-Klasse Blog ist der Fehler ein kleines bisschen peinlich.

  • das hier erwähnte hoccer (für android) ist leider mist und überhaupt nicht praxistauglich, wer das testen will, kann sich gleich nach was besserem umschauen… zb filetransfer via bluethooth, funktioniert auf jeden fall 100mal besser 😉

  • @Christoph: Bist du da nicht ein wenig streng, in Anbetracht der Uhrzeit und der Hitze da draußen? Und by the way: Der Duden würde mir keinen Fehler anzeigen, da er den Kontext nicht überprüft, in dem das Wort steht. Daher auch keine Fehlermeldung bei Word… 😉

    @Micha: Danke für den Tipp. Hoccer sollte von meienr Seite auch nur ein Beispiel sein für die Möglichkeiten, die es gibt. 🙂

  • @#2 sowas braucht doch die welt: leute, welche qualität und sachverstand an hand der rechtschreibung beurteilen, und das bei einer so dummen sprache wie der unseren, wo es gross und kleinschreibung, nutzlose sonderzeichen und scharfe buchstaben gibt, meine güte, soll doch jeder schreiben wie er will, es kann sowieso jeder lesen und verstehen, wen juckt es ob es spass oder spaß heisst, ob es „seid“ oder „seit“ heisst,
    es kann jeder lesen und verstehen, wer ein problem damit hat, kann ja vorher alles durch die rechtschreibkorrektur laufen lassen, wenn ihn das befriedigt….*kopfschüttel*

  • Erstmal brav einstecken (man ist ja schließlich höflich). Und bei nächster Gelegenheit dann Android-Handy schnappen, Visitenkarten-App BusinessCards oder Goggles aufrufen, *klick* und dann per RoadSync ab ins Outlook-Adressbuch.

  • @Marek: ich weiss, dass es nur ein beispiel war, ich wollte anderen nur die enttäuscht ersparen, weil die app viel verspricht und auch geil aussieht, keine frage… aber vielleicht hab ich mich auch nur dumm angestellt, es gibt auf jeden fall apps, die via BT arbeiten und auf anhieb viel besser funktionieren 😉 that´s all 😉

  • Schon lustig, alles kommt irgendwann wieder. Mein altes SonyEricsson P1i konnte sowas von Haus aus. Kamera auf Visitenkarte gerichtet, Foto gemacht und Schwupp war ein neuer Kontakt angelegt mit allen Daten (Name, Firma, Telefonnumer). Hat prima funktioniert.
    Wies um die Android App steht kann ich nicht sagen, obwohl ich jetzt ein Milestone hab.

  • Eigentlich komisch: Bei meinem letzten Kunden war niemand mit Smartphone ausgestattet und keine Kontaktdatenbanken auf den Rechnern, nicht mal funktionierende eMail. Da ich keine Visitenkarten mehr habe und keinen Zettel schreiben wollte mußte ich am Ende meine Kontaktdaten ins Büro faxen.

    Ich laß mir jetzt erst mal wieder neue Visitenkarten drucken.

  • so sehe ich das auch… mein E72 hat sogar von Haus aus einen Visitenkarten-Scanner dabei – dieser funktioniert tadellos!

  • ist dieses gadget die penisverlängerung für nerds?

    entweder man macht ein foto von der visitenkarte oder man benutzt die hände und schreibt, tippt speichert die nummer irgendwie irgendwo ein. kann doch nicht so schwer sein.

    stellt euch mal vor wie peinlich. jemand gibt dir seine visitenkarte und du ziehst dieses gerät raus und ziehst die karte durch wie an der tankstelle die visa oder master card. das hat schon fast was stalkerhaftes.

    sommerloch bei basic thinking?

  • das ding wird sich hierzulande wohl kaum etablieren. visitenkarten werden dennoch meiner meinung nach so schnell nicht untergehen. nur die verteilmenge hat abgenommen. nur weil nicht jeder ein kompatibles smartphone hat, heißt das nicht, das darauf verzichtet wird, die grunddaten (name, firma, tel.) mal eben einzutippen und sich später telefonisch aus dem büro per mail den ganzen krams schicken zu lassen.

  • Also ehrlich, ich weiß nicht ob ich neben Handy und Netbook noch so ein Ding mit mir rum schleppen müsste. Eine Interessante Idee ist es trotzdem und passt irgend wie zu meinem Bild von den Technik Verrückten Japanern 😉

  • Hi,
    habe auf meinem HTC HD2 standard mäßig World Card mobile drauf. Einfach auf start drücken, die Visitenkarte wird abfotografiert und alle nützlichen infos, wie:
    Firma, Abteilung, Name, E-Mail, Telefonnummer etc. werden automatisch eingetragen. Sehr nützliches tool.

    Ich denke viele zusätzliche Geräte (Pitrec, Kameras, Mp3 Player etc.) werden früher oder später komplett vom Markt verschwinden und von Smartphones ersetzt.

  • Also jetzt mal im Ernst. Ich fotografiere das Ding ab und werfe die Karte weg. Nach drei Monaten tippe ich alle Kontakte ab und werfe nun auch die Fotos weg.

  • .. ich gehöre zu den Sammlern der Original Visitenkarten im erwähnten dicken Buch mit Fächern.

    Natürlich übertrage ich mir die wichtigsten Daten in Outlook, aber die Original Karten behalte ich weil man so manchmal die Historie von jemandem Nachvollziehen kann „ach, schau mal, der war doch früher bei“ und ich notiere mir auf jeder Karte Wann und wo ich die Person getroffen habe.
    Bei gerade mal überflogenen 800 Visitenkarten geht das sonst unter.
    Und ich glaube, so was kann dieses neue Ding nicht, oder?

  • Ich persönlich finde es ein bisschen lachhaft, ein Gerät für 250€ (!) zu entwickeln, das dann einfach nur Fotos von Visitenkarten macht. Außerdem ist es sehr merkwürdig finde ich, das man mit 2GB nur 2.000 Visitenkarten speichern kann.

  • Ich hab auch ein htc. das scannen funktioniert super. Aber beim Kunden erstmal die Visitenkarte einsammeln-geht schneller und ist höflicher.

  • Ich selbst nutze das Product „Cardscan Executive“ – http://www.cardscan.com/products/core_contact_mgmt/executive/index.asp

    Die Erfahrungen damit sind sehr positiv:

    – Fast immer 100% Erkennungsrate der OCR Software
    – Synchronisation zu gängigen Kontaktdatenbanken funktionieren gut (habe selbst Erfahrungen mit dem Sync zum MAC Adressbuch, Kollegen nutzen es mit Lotus Notes
    – Möglichkeiten die Kontaktdaten via Cardscan.net zu verwalten/syncen und die Besitzer der Visitenkarten via E-Mail Benachrichtigung halbjährlich dazu auffordern, die Kontaktdaten Online auf der Cardscan Webseite zu reviewen.

    Für mich für den professionellen Einsatz das MIttel der Wahl wenn es darum geht, die Kontaktdaten aus den Visitenkarten auf elektronischen Wege zu erfassen.

    Ciao
    PH

  • Ich für meinen halte das Ding für ein Produkt ohne Markt. Denn wie schon in den Kommentaren hier zu lesen ist, ist es vielen bewusst das es einfache Apps für die Smartphones gibt. Und was da die bessere Lösung ist ist ja wohl klar.

    Fazit: a little bit to late, for de Hersteller 😀

  • Das ist wohl ein Produkt ohne Markt. Wie viele Visitenkarten kann man wohl mitnehmen um an das Gewicht und die Größe (bzw. Dicke) des Gerätes zu kommen? Das werden wohl sehr viele sein…
    Und Digitalisieren kann man die immer noch bestens auf dem heimischen Scanner.

  • Frage: Fotografiert das Gerät lediglich die Karten oder kann es die Kontaktdaten auch auslesen und in einer Kontaktliste speichern (mit Exportfunktion im gängigem Format)?

    @ph (#25) Danke für den Tipp zu CardScan Executive. DAS kann das nämlich.

    Ich war kürzlich auf einer Maschinenbaumesse. Eigentlich wurde an jedem Stand die Karte einfach behalten und dann auf einen Besucherbericht angepinnt. Klingt oldschool, ist aber die Regel. Mag auf IT-Messen vielleicht anders aussehen.

  • Da ist QR_Code immer noch die bessere Idee. Schon weil man damit echte Datenformate (vcard o.ä.) füttern kann.

  • Visitenkarten sind schon noch nützlich, aber das vorgestellte Gerät nicht. Schon „My Name Is E“ und „Poken“ haben sich nicht durchgesetzt, Geräte mit einem fortschrittlicherem Ansatz.