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Egoshooter 'Hey Baby': Mit der Pumpgun gegen sexuelle Belästigung

Du gehst langsam die dunklen Straßen einer kleinen Stadt entlang. Plötzlich kommt ein Mann auf dich zu und ruft: „Hey Baby, ich habe ziemlichen Appetit – auf dich!“ Du reagierst sofort und streckst den Angreifer mit deiner Pumpgun nieder. Schon kommt der nächste auf dich zu…

Ein bekanntes Szenario. Aber hier geht es nicht darum, Mutanten, Aliens oder Zombies zu erledigen. Bei „Hey Baby“ geht es um den Umgang mit sexueller Belästigung. Der Spieler hat in der Rolle seiner weiblichen Spielfigur zwei Möglichkeiten auf die unerwünschten Annährungsversuche zu reagieren. Er kann freundlich sein und einen Schwall rosa Herzchen losschicken; dann dreht der Mann um und geht. Oder er nutzt sein Maschinengewehr und beendet die Belästigung dauerhaft. In beiden Fällen lässt der nächste Angreifer nicht lange auf sich warten.

So abstrus sich die Spielbeschreibung auch anhört – sie hat einen ernsten Hintergrund. Produziert wurde das Spiel „Hey Baby“ von der Künstlerin Suyin Looui. Im Interview mit dem amerikanischen Radiosender NPR schildert sie, dass ihr die Idee zu dem Spiel kam, als sie in der Londoner U-Bahn selbst belästigt wurde. Die beiden extremen Reaktionsmöglichkeiten im Spiel überspitzen die realen Handlungsoptionen von belästigten Frauen. Sowohl eine freundliche Reaktion aus Angst als auch eine aggressive Entgegnung könnten als zusätzliche Provokation aufgefasst werden. Doch auch wenn der Täter die Frau daraufhin in Ruhe lässt, kann sie nicht sicher sein, dauerhaft von Belästigungen verschont zu bleiben.

Ich habe es nicht geschafft, den Shooter wirklich zu testen. Zwar erscheint nach der Installation des benötigten Plugins das Gameinterface, aber das Spiel zeigt keine Reaktion auf meine Tastatureingaben. Die Maus reagiert mit unglaublicher Verzögerung und ruckelt derart, dass ich mich keinen Millimeter in der virtuellen Stadt bewegen konnte. Eine Erfahrung, die ich mit Laurie Penny vom „New Statesman“ teile. Aber die Schilderungen der Kollegen zeigen schon, dass „Hey Baby“ nicht als Spiel im klassischen Sinne gedacht ist. Der Shooter hat nur ein Level und kein erreichbares Ende: die Gruppe der Männer, die den Spieler belästigen, reißt einfach nicht ab. Das Game ist also eher als provokative Kunstaktion zu verstehen. Einen Zweck hat das Spiel bereits erreicht: es hat Aufmerksamkeit erregt. Meine auf jeden Fall und eure offensichtlich auch, wenn ihr den Artikel bis hierher gelesen habt.

Ob der Shooter allerdings mehr als kurzfristiges Interesse wecken kann, darüber gehen die Meinungen auseinander. Zielgruppe des Spieles seien ja offensichtlich Männer, denn sie sind schließlich auch der Ursprung des Problems, meint Christoph Gurk in der taz. Allerdings fürchtet er, dass die Männer, die Frauen auf der Straße Anzüglichkeiten hinterherrufen, den Sinn hinter dem Game auch nicht verstehen werden. Demnach laufe das Spiel eigentlich ins Leere. Seth Schiesel sieht das in der „New York Times“ etwas anders. Er habe noch nie eine Frau auf der Straße angemacht, trotzdem sieht er bei sich selbst einen Lerneffekt durch das Spiel: „Nachdem ich ‚Hey Baby‘ gespielt habe, werde ich damit ganz sicher auch niemals anfangen.“

(Nils Baer)

Über den Autor

Nils Baer

Nils Baer hat im Jahr 2010 über 100 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

14 Kommentare

  • Selten so eínen Schwachsinn gesehen / gelesen. Und BasicThinking unterstützt dies auch noch – herzlichen Dank auch.

  • was hier jetzt so für Kommentare aufschlagen ist so vorhersagbar wie das Amen in der Kirche (bzw. irgendwelches Windows/Linux/Apple-Gebashe im heise-forum) *kopfschüttel* *facepalm*

  • „Das Game ist also eher als provokative Kunstaktion zu verstehen.“

    Scheint euer Artikel ja auch zu sein, den Kommentaren nach zu schließen. Man könnte hoffen dass das kein sich aufbrauender Shitstorm ist.

    Anyway, in englischen Blogs gab es schon ausgedehntere (und durchaus angenehm zu lesende) Diskussionen zu dem Spiel, dem alltäglichen „cat-calling“ (vor allem in Großstädten) und dem Sexismus im Großen und im Mikrokosmos der Blog-Kommentarwelten.

    Also, wer sich wegen dem Spiel nicht allzu sehr in seiner männlichen Ehre (höhö) gekränkt fühlt sei ans Herz gelegt:
    http://www.rockpapershotgun.com/2010/06/03/the-proposition-so-hey-baby-then/
    http://sexyvideogameland.blogspot.com/2010/06/you-look-nice-miss.html

  • OMG. Es ist erschreckend, was hier in den Kommentaren abgeht. Julius und Lukas blicken ja noch durch, aber der Rest scheint Feminismus immer noch für eine Krankheit zu halten und sexuelle Belästigung für ein Kompliment. Ich wünsche euch allen eine anale Vergewaltigung.

  • @8
    Keinen Durchblick, davon aber viel, hmm? 🙂

    Ja, ich kann den !heutigen! Feminismus nicht leiden, denn mit Gleichberechtigung der Geschlechter hat der nun mal leider weniger zu tun.

    Aber erklär mir doch mal bitte, wozu wir heute noch Feminismus brauchen.
    Und wenn du jetzt mit DER Standardphrase (Frauen verdienen aber doch immer noch weniger als Männer!1111) kommst, dann weiß ich, dass bei dir Hopfen und Malz verloren sind.

    Übrigens: Gewaltandrohungen aka Beleidigungen kommen nur von Leuten ohne Argumente, von daher 😉

    @7
    Nur leider vergisst das Spiel immer noch, dass Sexismus auch von Frauen ausgeht.
    Ach, ich vergas, Sexismus der von Frauen ausgeht ist „sexy“.

  • Aber wie soll das Spiel funktionieren, dafür müssten es die Frauen doch installieren, oder nicht?

  • Farun:

    1.
    Sexismus kann auch von Frauen ausgehen? No Shit Sherlock? Was erzählst du als nächstes: Nicht-Weiße können Rassisten sein?

    Ernsthaft:
    Das Spiel hat doch gar nicht nicht den Anspruch Sexismus allgemein abzubilden.
    Das Spiel ist aus einer bestimmten Perspektive über ein bestimmtes gesellschaftliches Phänomen: Cat-Calling. Man kann nicht vergessen was nie vorgesehen war.

    Und ja, wenn man will ist es damit „sexistisch“. Fühl dich ALS MANN bitte hart getroffen.

    2. Wegen Feminismus: Lies den Rock Paper Shotgun Link, da ist alles gesagt. Oder eh nochmal das Wesentliche:

    „Okay: the game isn’t about mowing down men. It’s about male privilege and what male privilege feels like. […] But you should be disturbed by the game. You should be disturbed that we live in a world where a woman feels the need to make the game – and for other women to smile at it, recognising it.“