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IBM-Studie: Cloud- und Mobile-Computing erobern Unternehmen in fünf Jahren

Smartphones und Tablets sowie den kleinen dazugehörigen Hilfsprogrämmchen gehört die Zukunft, darüber dürfte weitestgehend Einigkeit herrschen. Zumindest, wenn es um den Endverbraucher-Markt geht. Nun wollte der US-Riese IBM aber erfahren, ob das wohl auch auf den Business-Bereich im Allgemeinen und die Software-Entwicklung im Speziellen, zutrifft. Der Konzern hat daher hierzu im Rahmen seines „developerWorks„-Programms eine von August bis September dauernde Online Studie mit 2.000 IT-Professionals in 87 Ländern durchgeführt; heraus kam in Anbetracht des momentanen Hypes zwar keine große Überraschung, ich zweifle das Sich-Erfüllen der Prognosen aber stark an.

Demnach schätzen 91 Prozent der IT-Profis, dass in fünf Jahren das Cloud-Computing die heute in Unternehmen vorherrschende, dezentrale Art des Datenzugriffs überholt haben wird. Und mehr als die Hälfte von ihnen glaubt, dass im gleichen Zeitraum die Entwickler in Unternehmen bereits mehr mit Apps und in der Cloud arbeiten werden, als mit den guten alten PCs. „In allen Bereichen der Software-Entwicklung wird Mobile-Computing als die heißeste Nummer 1 unter den IT-Möglichkeiten des nächsten Jahres genannt“, so der IBM-Manager Jim Corgel, der an der Durchführung der Studie beteiligt war. Und weiter: „Mobile-Computing wird sich nicht nur an die Spitze katapultieren, die Studienteilnehmer sagten sogar voraus, dass es spätestens im Jahre 2015 alles dominieren wird. Das Mobiltelefon ist nicht mehr nur ein Gadget – sondern das, wie die IT künftig aussehen wird.“

Nun kann man für diese prognostizierte Entwicklung sicherlich gute Beispiele heranführen, die die Aussagen untermauern. Ich bin aber überzeugt davon, dass sie nur einen Bruchteil der Branche, auch der aus dem IT-Bereich, repräsentieren. Ich teile den oben geäußerten Optimismus nicht und zweifle sehr stark an, dass sich die Wahrsagungen – im genannten Zeitraum wohlgemerkt – erfüllen werden. Vielmehr erscheint es mir so, als hätten die befragten ITler ihr Wunschdenken formuliert, ein Szenario gezeichnet, das ihnen als Technik-Profis idealerweise vorschwebt.

Diese Behauptung ist nicht einfach nur aus der Luft gegriffen, sondern basiert auf meinen Erfahrungen, die ich als Marketing-Verantwortlicher in einem IT-Unternehmen gesammelt habe. Dieses hatte sich auf verschiedene Virtualisierungslösungen für mittelständische und große Unternehmen spezialisiert. Und obwohl das Gros der IT-Leiter Virtualisierung sehr offen gegenüberstand und die Technologie für viele Unternehmen mehr Vorteile als Nachteile gebracht hätte, um es ganz vorsichtig auszudrücken – die Konzernlenker winkten ab. Warum?

Überwiegend aus Angst. Und die vor allem vor Neuem, noch nicht ausreichend Praxiserprobtem. Und damit einhergehend vor Pannen, Systemausfällen, Datenverlust, vermeintlichem Aufwand… – selbst in Tech-(orientierten) Unternehmen, wo man es eigentlich besser wissen sollte. Natürlich ist meine Erfahrung in diesem Bereich nicht verallgemeinerbar. Bedenke ich aber, dass Cloud-Computing in Bezug auf Zukunftsträchtigkeit und Hype dem Mobile-Computing kaum nachsteht, und gleiche es mit meinen Erfahrungen ab, komme ich eben zu dieser Einschätzung. Aber vielleicht hat IBM ja gesehen, was es andere sehen lassen wollte, wenn ihr versteht. Immerhin mischt man ja in den beiden Bereichen auch mit…

(Marek Hoffmann)

Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

17 Kommentare

  • Schöne Zusammenfassung.
    Die dezentrale Alternative zur „Cloud“ wird zumindest für sensitive Bereiche auch in 5 und 10 und 20 Jahren Bestand haben. Gerade die derzeitige Diskussion um Google Analytics zeigt doch, wo es hinführt, wenn ein Unternehmen zu sehr auf externe Lösungen setzt. Da könnten in den nächsten Jahren noch einige interessante Gerichtsentscheidungen rauskommen, das Thema „Datenspeicherung“ ist juristisch noch gar nicht richtig erkannt worden…

  • Man sollte sich in dem Zusammenhang einmal die jüngste Meldung
    „USA planen Backdoor-Pflicht“ auf der Zunge zergehen lassen.
    http://www.n24.de/news/newsitem_6349946.html

    Das würde auch bedeuten das sämtliche „Cloud-Server“ von MS , Amazon, Apple, Google oder IBM jederzeit per „Generalschlüssel“ von US-Sicherheitsbehörden Eingesehen und Durchsucht werden können.
    Wer möchte dann seine persönlichen oder besonders geschäftliche Daten dort Lagern?

  • Erst müssten die Sicherheitsprobleme überwältigt werden. Wenn das nicht gelingt, dann wird Cloud- und Mobile-Computing auch nicht dominieren…

  • Cloud? Aaargh , ich finde den Blödsinn mit der Virtualisierung schon nervend. Das hat noch nirgends richtig geklappt, da habe ich für Cloudcomputing keine bessere Hoffnungen.

  • @Chris:
    Wie kommst du darauf dass Virtualisierung ein Flop ist? Ich arbeite in einem globalen Unternehmen in dem große Teile der (Server)-Infrastruktur virtualisiert sind. Mit großen Vorteilen was Flexibilität, Betrieb und Kosten gegenüber einer rein physischen Architektur angeht!

  • @chris, ich betreue mit meiner Firma zwei virtuelle (produktive) Rechenzentren. Unsere Infrastruktur ist zu 87% virtualisiert. ein weiterer Kunde (40.000 Mitarbeiter) liefert neue Server nur noch virtuell aus. Dies zum Thema „Blödsinn“

    Zum Thema Cloud: Unternehmen sind träge, aber immer dort wo man langfristig optimieren und sparen kann, werden sie aktiv. Heute geben Großunternehmen einzelne Dienste oder die ganze IT an Outsourcing Partner ab und vertrauen denen sämtliche Unternehmensdaten an. Der Sprung in die Cloud ist eigentlich gar nicht so groß. Dort habe ich nicht einen Outsourcing-Partner sondern viele. Der Boom selbst kommt aber durch die KMUs, die den größten Nutzen an der Cloud haben werden: Mail, Kalender, Auftragsverwaltung, Buchhaltung, Backup sind heute schon absolute Cloud-Dienste. IMHO ist die Bewegung nicht mehr aufzuhalten. Probleme in der Security und im ernsthaften Angebot sind momentan die Bremsklötze, aber das ist nur eine Frage der Zeit und der technischen Entwicklung. Schaut euch Google Apps an. Die gewinnen Monat für Monat neue Kunden http://www.google.com/apps/intl/de/business/customers.html und nicht nur kleine Butzen. Im Backup Bereich schießen die Unternehmen wie Pilze aus dem Boden, denn ein gutes Backup ist außerhalb des Unternehmens sicherer als im Rechenzentrum im Schrank.

    BTW: Deutschland ist das Cloud-Computing-Land per se – Denn die Datev gibt es hierzulande schon Jahrzehnte und das ist ja wohl Cloud Computing, oder?

  • Ich glaube auch, dass die Cloud Lösungen viel schneller umgesetzt und genutzt werden als sich irgendwer Gedanken über Sicherheit der Daten machen wird.
    Die Vorteile wie z.B. der Kostenfaktor überwiegen einfach, so dass große Unternehmen nicht drum rum kommen werden sich dem Thema zu widmen.
    Allein wenn man sieht, welche Firmen neben IBM auf das Cloud Thema setzen, wie z.B. Amazon und Google, dann kann sich dies nur durchsetzen.
    Wir können gespannt sein, ob sich überhaupt eine Gegenbewegung bilden wird.

  • Die Cloud wird nicht nur kommen sie ist ja schon da. Jeder der einen Hotmail/MS Live , Yahoo, GoogleApps/GMail, MobileMe oder einen Ovi Account besitzt, lagert ja schon einen nicht unerheblichen Teil seiner persönlichen Daten aus, oder wo bitte lagern den sonst die (sensiblen) Daten als im Internet (vulgo Cloud) ? Hier spreche ich ja nur mal vom privaten Markt. Da ja vor allem die Smartphone Geräte und Tablets/Pads diesen Markt antreiben und bei der genannten Geräteklasse sich noch lange kein Ende des Booms abzeichnet wird die Cloud wohl mitziehen. Vor allem für die KMU´s sehe ich das Problem der mangelden Sychronisierung aufkommen bei all den verschiedenen Geräten – in unseren Unternehmen werden teilweise Dinge noch intern gefaxt (!) weil auf Mails niemand antwortet, geschweige denn existiert ein Sicherheitskonzept für Desktop oder den Exchange Server (Admin ist von 8 -16 Uhr da, Betrieb läuft aber 24h) da ist die Cloud aus meiner Sicht jedenfalls eine Sicherheitverbesserung und Serviceverbesserung für den (Firmen-)Endanwender. Die aufkommenden Sicherheitsprobleme vor allem durch unseriöse Anbieter, sehe ich auch welche die sich damit lösen – keine liegengelassenen USB-Sticks mehr im Londonder Taxi usw; Daten der US-Behörden dürfen nicht in ausländischen Datencenter gelagert werden warum soll eine solche Richtlinie/Gesetzgebung in der EU unmöglich sein ?

  • „Sobald alle Sicherheitsprobleme diesbezüglich gelöst sind,…….“

    Das ist so gut wie Unmöglich , da die Cloud auch das nächste (bzw. bereits schon ist) File Sharing Netz der Zukunft ist.

    Das wird sicher ein Kampf zwischen den Verfechtern des Datenschutz in der Cloud mit den Sicherheitsbehörden und der Content Industrie …. und ich Vermute wer „Gewinnen“ wird…. egal wo die Server stehen.
    Daher muss sich wer Cloud verwendet zukünftig auch von Daten Schutz verabschieden , egal ob Privat oder Geschäftlich.

  • Ist es mehr als die nächste Sau, die durchs Dorf getrieben wird ? Vermutlich ja. Denn zuviele versprechen sich vom Cloud gute Geschäfte. Die Verlagerung der Datenverarbeitung benötigt neue Software, neue Hardware, neue Serviceleistungen, evtl. neue Übertragungskapazitäten etc. Da ist eine Menge zu tun für IBM, SAP, Oracle, Cisco, EMC, die Telekoms dieser Welt … Wer hier mitverdienen möchte sollte den Trend pushen, siehe IBM.

  • Heiter bis wolkig: Die deutsche Blogosphäre über Cloud Computing…

    Cloud Computing oder auch Virtualisierung ist eines der wichtigsten IT-Themen der letzten Jahre. Der Begriff wird jedoch nach wie vor sehr unterschiedlich verstanden und die Implikationen verschieden gedeutet. Einige Themenstränge lassen sich in der de…