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"Unprinting": Forscher entwickeln Laser-Radiergummi für bedrucktes Papier

Ich weiß nicht, wie ihr das so handhabt. Ich für meinen Teil bedrucke Papier jedenfalls meist beidseitig, um ein wenig Geld und Ressourcen zu sparen. Klar, ich könnte Texte auch generell direkt am Bildschirm lesen und so das Drucken auf ein paar Briefe im Jahr beschränken, bis sich auch diese irgendwann durch die De-Mail ersetzen lassen. Aber mal ehrlich: Trotz aller Digitalisierung finde ich das Lesen längerer Textpassagen am Monitor grauenvoll. Gut, vielleicht wäre das mit einem Tablet anders – habe ich aber nicht. Und Anmerkungen lassen sich immer noch am besten per Hand irgendwo an den Rand kritzeln.

Andererseits ist der Raum auf einem Blatt physisch begrenzt. Irgendwann ist der Bogen voll und fliegt zerknüllt in den – ja nicht zufällig so genannten – „Papierkorb“. Nach ein paar Monaten wird dann in meinem Fall mal ein neuer Packen Papier für ein paar Euro fällig. In Unternehmen sieht das wiederum ganz anders aus. Hier verursacht der immense Verbrauch an Druckerpapier jährlich beachtliche Kosten.

Sollte sich allerdings eine an der University of Cambridge in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Photonische Technologien der Universität Erlangen entwickelte analoge Löschmethode durchsetzen, ließe sich dieser Posten künftig vielleicht deutlich begrenzen. Und auch in Sachen Umwelt- und Klimaschutz könnte der Ansatz völlig neue Möglichkeiten eröffnen. Und nein, es geht natürlich nicht um eine neue Form von „Tipp-Ex“.

Wie „Extremetech“ auf Basis eines Artikels im Wissenschaftsjournal „Proceedings of the Royal Society“ berichtet, ist es dem britisch-deutschem Forscher-Quartett nach zahlreichen Versuchen vielmehr gelungen, ein laserbasiertes Verfahren zu entwickeln, mit dem sich zumindest dunkle Tonerpartikel wieder restlos von Papier entfernen lassen – ohne dieses physisch zu beschädigen.

Während der Toner bei herkömmlichen Laserdruckern durch ein Wechselspiel positiver und negativer Aufladung sowie große Hitze fixiert wird, arbeitet die Papierreinigung demnach mit sogenannten Ultrakurzpulslasern, die im Picosekunden-Takt auf Toner-Partikel abgefeuert werden und diese so von der Oberfläche abtragen. Um dabei nicht auch das Papier zu zerstören, kommt grünes Laserlicht zum Einsatz, welches zwar sofort durch den Toner absorbiert wird, aber folgenlos durch die Zellulosefasern dringen soll.

Als Hauptvorteil ihrer Methode nennen die Wissenschaftler eine wesentliche Reduktion des Treibhausgases Kohlendioxid, das bei der Papierherstellung in rauen Mengen in die Atmosphäre gelangt. Selbst gegenüber klassischen Recyling-Maßnahmen soll das „Unprinting“ den CO2-Ausstoß im ungünstigsten Fall halbieren. Gehe man vom Idealfall aus, könne die Einsparung sogar das Zwanzigfache der heute anfallenden Menge umfassen, heißt es.

Einziger, aber gewichtiger, Haken: Die für die „Toner-Wäsche“ benötigten Ultrakurzpulslaser sind bisher ausschließlich in ein paar Laboren zu finden. Man stehe daher erst ganz am Anfang eines noch sehr langen Weges, bevor ein serienreifer Prototyp verfügbar sei, betonten die Forscher. Und dennoch: Die Vorstellung, irgendwann bedruckte Blätter in ein Gerät zu schieben, das anschließend blütenweißes Kopierpapier ausspuckt, ist wirklich faszinierend.

(Christian Wolf; Bild: gnubier/pixelio.de)

Über den Autor

Christian Wolf

Christian Wolf wird am Telefon oft mit "Wulff" angesprochen, obwohl er niemals Bundespräsident war und rast gerne mit seinem Fahrrad durch Köln. Er hat von 2011 bis 2014 für BASIC thinking geschrieben.

18 Kommentare

  • Ich sehe schon, da werden wieder kraeftig Arbeitsplaetze geschaffen.

    Schliesslich braucht man neben der Kopien anfertigenden Sekretaering bald eine zweite, die ‚unkopiert‘!

    Und vielleicht noch eine, die das zum x-ten mal verwendete Papier buegelt und ausgefranste Kanten abfeilt.

  • Hallo,

    warum nicht gleich den „Reprinter“? Also ein Printer, der automatisch alte Ausdrucke entfernt und dabei den neuen Druck aufträgt…

    // Brian.

  • Da müsste die Papierführung des Druckers aber auch sehr „fehlertolerant“ sein, wenn er ohne Papierstau gewelltes und geknicktes Gebrauchtpapier bedrucken soll.

  • Wird das Papier dann auch gleich entfettet und entgilbt? Und wieviel Energie benötigt so ein Unprinting? Klingt im Moment sehr idealistisch.

  • Ich denke, bis man irgendwann ein bedrucktes Papier in ein weisses umwandeln kann und das dann auch noch wirtschaftlich sein soll, da vergehen wohl noch viele Lenze.

  • Interessant ist das schon und wenn es wirklich weniger Treibhausgase produziert, warum nicht. Irgendwann wird aber auch ein Stück Papier, welches so aufgearbeitet wird, den Weg in den Papiermüll finden.

  • Tolle Idee. Einen energiereichen Laser zu verwenden, um Energie zu sparen.

    Was passiert eigentlich mit dem „abgetragenen“ Toner? Schwebt der als Feinstaub davon oder löst er sich einfach so in Wohlgefallen und Licht auf? 🙂

    Sorry, aber ich halte die Idee für Blödsinnig. Als Forschungsprojekt sicher Interessant, um die Neugier zu befriedigen, aber in der Praxis absolut unrentabel.

  • High,

    die Idee mit dem Laser ist ganz cool, wird sich für mich privat aber wohl eher nicht lohnen.

    Vielleicht wird ja mal eine Sportart daraus.

    Laserschwert-Radierwettkämpfe bei denen man die Notizen des Gegners im Kampf ausradieren muss.

    Viel lieb &
    Gruß aus

    delmenhorst

  • Die Frage dabei ist doch ob das energieeffizient umsetzbar ist. Wenn ich um ein Papier zu „löschen“ 100x soviel Energie brauche wie für die Herstellung eines neuen oder recycleten macht das ganze ja überhaupt keinen Sinn.

  • #12 Panama Jürgen schrieb
    „Kann man damit auch Unterschriften weglasern? Na das kann ja heiter werden, beim Erbrecht wird dann das Testament nachträglich gekürzt …“

    Genau diese befürchtungen habe ich auch , das es zum Fälschen verwendet werden kann, sollte die Technik erst einmal verfügbar sein.
    Tuner bedruktes Papier wäre dadurch auch mit Tintenunterschrift kein Dokument mehr, vermutlich müssten sich die Hersteller wieder etwas einfallen lassen und den „Laserfesten“ Tuner herstellen?

  • Ich kann mir leider beim besten Willen nicht vorstellen, wie so etwas wirtschaftlich machbar sein soll. Der Reprint müsste nicht nur die Tinte entfernen, auch andere Unreinigkeiten. Zudem müsste das Papier auch geglättet werden. Da bin ich definitiv der Meinung, dass sich Recycling hier immer mehr auszahlen wird. Zudem ist so ein Laser sicher Schweine teuer.
    Bin also ebenfalls der Meinung das der Kindle bzw. E-Ink das Papier in Zukunft ablösen werden. Zumindest großräumig.

  • @14 Hannes
    „Ich kann mir leider beim besten Willen nicht vorstellen, wie so etwas wirtschaftlich machbar sein soll. Der Reprint müsste nicht nur die Tinte entfernen, auch andere Unreinigkeiten. Zudem müsste das Papier auch geglättet werden…….“

    Ich stelle mir das noch weniger als ein Heimgerät vor, sondern zum Anfang als ein Laden wie einen „Copyshop“ oder einer „Reinigung“, wo man das bedrukte „Altpapier“ abgiebt und dafür neues entsprechend Recyceltes für geringes Entgelt wieder mitnehmen kann.
    Vermutlich gelasert, geglättet und chemisch Gereinigt.
    Aber irgentwann wird sicher die Technik auch gleich in Laser-Drucker eingebaut sein?

  • @Fiona und all die anderen:
    Es steht doch im Artikel o_O

    „Selbst gegenüber klassischen Recyling-Maßnahmen soll das “Unprinting” den CO2-Ausstoß im ungünstigsten Fall halbieren. Gehe man vom Idealfall aus, könne die Einsparung sogar das Zwanzigfache der heute anfallenden Menge umfassen, heißt es.“

    => Es wird ein 1/2 bis 1/20 der Energie verbraucht die durch das klassische Recyceln verbraucht wird.

  • Eine schier unglaublich gute Erfindung. Ich hoffe, dass diese Lösung zeitnah die Marktreife erlangt. Jedoch sollte sich schon jeder heute überlegen, ob wirklich jeder Ausdruck notwendig ist. So lassen sich schon heute wertvolle Ressourcen schonen und der CO2 Ausstoß verrigern.