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7 Gesetzmäßigkeiten für die digitale Welt im Apple-Zeitalter


James Hilton und Ajaz Ahmed haben einen digitalen Ratgeber namens “Velocity” geschrieben und darin 7 Gesetze für ein neues, digitales Zeitalter aufgestellt. Vorgestellt haben die beiden das Buch heute auf der NEXT 12 in Berlin. Das seien Gesetzmäßigkeiten, keine Regeln, betont Hilton dabei. Sie passierten, ob man es ändern könne oder nicht. Darüber lässt sich ja zumindest einmal diskutieren.

Regel 1: Eine Smith & Wesson schlägt vier Asse.

Smith & Wesson ist eine Handfeuerwaffe. Wer am Pokertisch gewinnt und alle anderen abzieht, verliert trotzdem gegen den Räuber, der die schlagenderen Argumente hat. Ahmed und Hilton meinen damit aber nicht, dass der verliert, der alles richtig macht, sondern dass Regeln ständig verändert werden. Es gewinnt nicht der, der ein altes Spiel perfekt beherrscht, sondern der, der die Zeichen der Zeit als erster erkannt hat. Auf die Wirtschaft übertragen: Konstante Innovation ist unabdingbar. Wer stark werden und bleiben wolle, müsse sich ständig fortentwickeln.

Hilton datiert den Tag, an dem die Foto-App Instagram für 1 Milliarde von Facebook gekauft wurde, publikumswirksam auf den gleichen Tag, an dem Kodak Insolvenz anmeldete. Das stimmt so nicht, aber beides fällt zumindest auf das gleiche Frühjahr 2012 und markiert einen Paradigmenwechsel.

Regel 2: Es ist leichter getan als gesagt

Vorschläge könnte man umsetzen, aber darüber muss man erst einmal diskutieren. Man verliert sich in endlosen Meetings und lehnt sie am Ende doch ab. Die alte Floskel “Das ist leichter gesagt als getan”, gelte nicht mehr, so Ahmed. Tatsächlich sei es im digitalen Zeitalter anders herum. Übersetzt: Weniger reden, mehr machen.

Regel 3: Die beste Werbung ist keine Werbung

Die beste Werbung sei das Produkt selbst, fährt Hilton fort. Design, Kundennutzen, Verpackung. Ein gutes Produkt erzähle schon eine Geschichte und das sei die beste Werbung. Eine Werbekampagne könne da nur noch als Verpackung dienen und sollte dann Emotionen übermitteln.

Regel 4: Komfort ist der Feind des Richtigen

Ahmed gibt das Beispiel einer Werbekampagne in England, in der eine Kommune Jugendliche als asozial bezeichnet, die Müll auf die Straße werfen. Tatsächlich gebe es gerade in dem Bezirk keine einzige öffentliche Abfalltonne. Die Kommune habe den bequemen Weg gewählt, mit dem Finger auf andere gezeigt und nichts dafür getan, die Dinge zu verändern. “Das ist der Grund, warum ich Werbung hasse”, so Ahmed. Die beste Werbung bringe nichts, wenn man sich damit aus der Verantwortung stehle.

Regel 5: Respektiere die menschliche Natur

Am Ende fragen sich die Menschen ohnehin “Warum? Was bringt mir das?” Wer die Menschen überzeugen will, solle keine Werbung erschaffen, sondern Wunder, etwas, woran die Menschen sich erinnern könnten. Leitsatz: Inspirier mich, aktivier mich, mach mich besser. (Zu Punkt 3 konnte ich hier keinen großen Unterschied entdecken.)

Regel 6: Kein guter Witz überlebt ein Komitee von sechs Personen

Und wieder: Weniger diskutieren, mehr machen.

Regel 7: Habe eine Bestimmung, die größer ist als du selbst

Anders gesagt: Setz dir ein hohes Ziel und wachse dann über dich hinaus. Jesse Owens sagte:

Ich habe entschieden, dass ich nicht landen würde. Ich würde fliegen, ich würde für immer in der Luft bleiben.

Und so gewann er 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin im Weitsprung. Schöne Anekdote.

Alles in allem haben Ahmed und Hilton hier ein paar Gesetzmäßigkeiten des Marktes aufgestellt, denen man in der heutigen Zeit beinahe zustimmen muss. Großes Vorbild der beiden, das wurde bei der Präsentation deutlich, ist der verstorbene Apple-Chef Steve Jobs. IT, Werbung und Unternehmenskultur werden zur Zeit von Apple geprägt. Da gibt es wenig zu leugnen. Die Regeln sind also aktuell.

Von Hiltons und Ahmeds Präsentation gefällt mir am besten Punkt 2, auch wenn ich ihm nicht gänzlich zustimme: „Es ist leichter getan als gesagt“. Gemessen an dem Aufwand, den jedes Meeting, jede Diskussion mit sich bringt, stimmt das bestimmt, wenn man vergleicht, dass man sich heute in einer Minute ein eigenes Blog anlegen kann. Aber nicht alles lässt sich so schnell und einfach umsetzen, auch im digitalen Zeitalter nicht.

Was leider nicht in den sieben Gesetzmäßigkeiten Platz fand, sind zwei weitere Sätze, die Ahmed und Hilton während ihrer Präsentation fallen ließen: Unternehmen sollten die gleiche Leidenschaft für Innovationen haben, wie für Profite. Und, an jeden einzelnen gerichtet: “Nicht täglich zwischen den beiden Extremen zu tanzen, berühmt oder gefeuert zu werden, bedeutet, dass du keinen Spaß hast”. Klingt extrem – aber durchaus erstrebenswert.

(Jürgen Vielmeier)

Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

9 Kommentare

  • Interessante Thesen. Besonders, dass man einfach mal machen sollte, anstatt immer darüber zu sprechen. Aber Punkt 3 „Die beste Werbung ist keine Werbung“ kann ich so nicht zustimmen. Ein gutes Produkt muss immer die Basis sein, aber ohne Werbung funktioniert es nicht, dazu gibt es einfach zu viele ähnliche Produkte. Diese These wird sich unter anderem auf Apple beziehen: Aber Apple und insbesondere Steve Jobs ist/war ein Meister der Vermarktung, indem er sich selbst inszeniert hat. Der Erfolg von Apple basiert(e) auf dem Erfolg der Vermarktungsstrategie Steve Jobs. Und das ist auch Werbung. Werbung funktioniert heute sicher nicht mehr so wie früher, aber deswegen werden Unternehmen nicht darauf verzichten können, sie müssen aber andere Wege gehen.

  • Sehr interessant, teilweise muss man aber etwas um die Ecke denken, um den wahren Sinn dahinter zu verstehen. Auf jeden Fall aber eine gute Grundlage, um kontrovers zu diskutieren.

  • […] herausgebracht und darin 7 Gesetze für ein neues, digitales Zeitalter aufgestellt: 7 Gesetzmäßigkeiten für die digitale Welt im Apple-Zeitalter. Das Problem an diesen Erkenntnissen ist, dass sie eben für die vergangenen fünf Jahre gelten. […]

  • Recht interessanter Beitrag bis auf den Punkt mit der Werbung. Wie kann keine Werbung die beste Werbung sein? Auch gute Produkte müssen erst über eine gewisse Bekanntheit verfügen um eben gar keine Werbung zu benötigen. Wer über eine gewissen Bekanntheit verfügt, für den mag dies bedingt zutreffen.

  • Die beste Werbung kommt leider vor einer Verwandten, der Notlüge wenn einmal mehr ein Traum geplatzt. Lieschen Müller ist heute LEHRERIN. Hermes ist nicht nur eine Versicherung sondern auch der Schutzgott der Kaufleute und der Diebe, mein Kollege Stan Nadolny gar machte ihn zum Gott der Frechheit (ein Buch das mir mein Dad. ebenfalls Lehrer, stibitzte)vor dem Hintergrund erlaube ich mir gerne einen Hinweis auf meine Einstellung zu einem Affen namens Nina Ruge, in 3. Ehe (fernsehen machts möglich) mit dem Obermuftie der Luftvereflüssigungslinde verbandelt sowas wie ein Werner Unsinn für Arme, der kann v ermutlich noch nicht mal Anergie in Exergie umwandeln, war wären wir ohne Dogmen.- siehe dazu den bestern mir bekannten Blog (Basic Thinking) und mein heutiger Kommentar unter „Das sind die meistgesuchten Dokumente für Deutschland“ Kommentar 101, da dacht ich bereits dieser Tag sei nicht mehr zu Toppen.

    Wenn ich Herrn Tret ihn mit anderen unreifen oder grünen Gören um die Wette pupen höre würden mir schlagartig die Schnürsenkel aus meinen Gummistiefeln fliegen – Beamte machen doch so gerne blau und zahlen, soweit mir bekannt nichts in die Rentenversicherung ein, bescheren sich sich Pensionen, etwa weil sie so schön Schaum oder Rat schlagen können (und notfalls auch in den Wind).

    Würde Till Eulenspiegel unsere Politiker life erleben fürchte ich er könne angesichts seiner Nachfolger in tiefste Deressionen verfallen.

    Schaun wir mal und bis neulich Bernd J.H.Altenburg, VISP für das Zentrum alternativer (zu ZDF und ARD), Quantenmechanik er und Authist.

    Übrigens Basic Thinking was hält Euch davon ab mit der gesamten Internet Gemeinde die ganzen verlogen Nichtstuer in die Schüssel zu spülen und durch Ehrenbeamte zu ersetzen, irgendwie könnte sich ein Musterprozeß gegen die Betreiber von Kernkraftwerken lohnen und da, meinen Fachleute, stehen uns möglicherweise Beträge um eine Billiarde zu. Kratzt daher Frau F wie Merkel so eifrig die Kohlen zu den Gästen des Bauern (verzeihung, heute nennen die Schweizer so etwas ja Ackermann)