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Facebooks vermeintliche Mobil-Offensive geht am Kunden vorbei

HTC Chacha
HTC Chacha mit Facebook-Taste

Zwei interessante Gerüchte über Facebooks mobile Pläne gab es am langen Wochenende. Pocket-int meldete, Facebook könnte die Firma hinter dem Opera-Browser kaufen. Das Bits-Blog der „New York Times“ schreibt, Facebook würde mal wieder an einem eigenen Smartphone arbeiten. Einige ehemalige Mitarbeiter von Apple seien angeheuert und mit dem Projekt betraut worden.

Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass eins von beidem oder gar beides tatsächlich passiert, frage mich aber, wer außer Facebook etwas davon hätte. Ein Smartphone mit Facebook als bevorzugter Anwendung, vielleicht sogar als eigene Oberfläche – wer will das haben? Klar, es gibt Kalender, Apps, ein Kommunikationssystem, aber es gibt auch bisher eher mäßige mobile Facebook-Apps, die nicht gerade Lust auf noch mehr Facebook machen. Für ein eigenes Social Phone müsste man schon ziemlicher Facebook-Junkie sein und man würde einen großen Teil seiner mobilen Freiheit aufgeben.

Als Facebook-Browser wäre Opera weniger interessant

Ähnliche Schwierigkeiten sehe ich bei Facebooks möglichen Browser-Plänen. Opera ist auf dem Desktop nie über den Status einen Nischenbrowsers hinaus gekommen. Auf mobilen Plattformen ist der Opera Mini allerdings recht weit verbreitet. Ferner hat die norwegische Software-Schmiede einen eigenen Browser für das iPhone, auf dem Facebook mit Apple konkurrieren könnte. Doch der „Vorteil“ aus Kundensicht? Künftig einen Browser zu verwenden, der den Verlauf an Facebook sendet und vielleicht sogar eine Nutzung von Google Plus und Twitter erschwert?

Für Facebook bieten beide Modelle – Smartphone und Browser – die Möglichkeit, sich besser mobil zu vermarkten. Dass das Social Network hier noch zu wenig Geld verdient, war von Analysten im Vorfeld des bisher enttäuschenden Börsengangs kritisiert worden. Man könnte also die Kunden mit mehr mobiler Werbung beschallen oder die eigene Hauswährung Facebook Credits verbindlich einführen.

Es ist verständlich, dass Facebook-Chef Mark Zuckerberg ein großes Interesse an beiden Modellen hätte. Gerade in den letzten Monaten und noch einmal verstärkt seit dem Börsengang kauft Facebook Unternehmen auf, um mobil zu wachsen. Als Beispiele seien die Foto-App Instagram und der mobile Freundefinder Glancee genannt. Weitere Zukäufe und solche über die spekuliert wird, betreffen Techniken, die sowohl auf dem Desktop als auch mobil genutzt werden können: Direkt nach dem Börsengang übernahm Facebook den Geschenkeanbieter Karma; am Wochenende kamen Gerüchte auf, man wolle auch die Gesichtserkennungssoftware Face.com übernehmen.

Knackpunkt bleibt aber die Kundensicht. Man müsste schon etwas Besonderes bieten, um den Nutzern ein eigenes Facebook-Smartphone oder einen eigenen Browser schmackhaft zu machen. Bislang sehe ich noch keine Notwendigkeit für eines von beidem.

(Jürgen Vielmeier)

Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

7 Kommentare

  • Im Prinzip eifern derzeit alle nur Apple hinterher, seit Apple mit der Kombination aus eigener möglichst „abgeschotteten“ Hard- und Software großen Erfolg hat sind sie der Brangenprimus .
    Alle großen von Google bis Amazon verfolgen nun dieses Konzept, selbst Microsoft jahrelang ein Verfechter der Hardwareneutralen Software schwenkt mit Win8 auf den Apple Kurs um, warum also nicht auch Facebook?
    Die große Frage wird wohl zukünftig sein , wie Weit kann Facebook diesbezüglich gehen, sind sie schon für ihre fast Mrd Nutzer „Unentbehrlich“geworden und können sich von Fremden Hardware und System Anbieter Emanzipieren ?
    Auf was werden die Nutzer also eher Verzichten zb ein iPhone oder Win8 Tablet oder den Gebrauch zusätzlichen Facebook- Feather mit eigener Facebook Hardware, kann künftig Facebook vielleicht sogar von anderen Systemanbietern für die Nutzung Gebühren verlangen?
    Sollten sich dort zunehmend die Internetnutzer für Facebook sowohl als Internetdienst wie auch der Facebook Hard- und Software entscheiden , müssen sich die anderen von Microsoft bis Amazon wohl warm anziehen.

  • Da muss ich dem Autor zustimmen, sehe auch nicht den Sinn an einem extra FB-Browser für das Handy oder gar ein eigenes FB-Smartphone…der Börsengang hat ja auch gezeigt, dass FB stark überbewertet ist. Ich glaube fast der Zenit ist schon überschritten worden…

  • Aus Sicht von Facebook mag dieses Smartphone natürlich Sinn machen, denn auf dem Markt für mobile Endgeräte hat Facebook wohl großen Nachholbedarf, wenn es darum geht, mit seinen vielen Kunden Geld zu verdienen.

    Aus Sicht des Konsumenten lehne ich jedoch dieses ganze ,,Ich will immer überall mit meinen Freunden vernetzt sein“-Denken ab. Irgendwo sollte es auch noch Facebook-freie Räume geben. Ich denke nicht, dass dieses ständige kommunizieren und Nachschauen bei Facebook den meisten Menschen guttut.

  • Vermutlich hat man sich bei Facebook, wie oben erwähnt, dem Druck der Analysten gebeugt und verfällt nun in Aktionismus, nachdem der Börsengang der schlechteste in den USA seit 10 Jahren ist. Man versucht nun auf Teufel komm raus, die Luftblase (die Facebook meiner Meinung nach ist) mit neuen Zukäufen zu füllen, damit nicht noch mehr Anleger von der Aktie abspringen.

    @ Erbil: Ich denke auch dass der Zenit überschritten ist. Das ist ja häufig so, dass die Altaktionäre ihr Unternehmen genau zu diesem Zeitpunkt an die Börse bringen, weil sie es ja schließlich am besten wissen. Beispiel: Infineon; die hat Siemens damals während des Tech-Hypes zu Höchstpreisen an die Börse gebracht. Zuckerberg & Co. haben sich auch schön die Taschen voll gemacht mit dem Börsengang, und kriegen dafür jetzt die Rechnung.