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Geleakte Präsentation: Wie MySpace Spotify und Pandora auf die Pelle rücken will

Sowas sieht man auch nicht alle Tage: Dem „Business Insider“ wurde eine vertrauliche und wenige Tage alte Präsentation zugespielt, in der MySpace-Eigentümer Interactive Media Holdings potentiellen Investoren erklärt, wie es wieder zur Nummer 1 im Musikmarkt werden will, beziehungsweise ja eigentlich noch immer ist. Ein Beispiel von grenzenlosem Optimismus, gespickt mit etwas Größenwahn, öffentlich gemacht dank eines Maulwurfs.

MySpace empfiehlt MySpace

Zunächst vergleicht sich MySpace mit seinen Wettbewerbern, was in Investor-Präsentationen üblich ist. Dass man eher von seiner Schokoladenseite berichtet ist auch klar und so gibt MySpace stolz an, über die weltweiten Rechte eines Musikkatalogs von 42 Millionen Songs zu verfügen. Spotify kommt nur auf eingeschränkte Rechte für 15 Millionen Songs, Pandora nur auf US-Rechte von 800.000 Musikstücken. Ist zwar zahlentechnisch richtig, aber man lässt natürlich gerne unter den Tisch fallen, dass bei MySpace mehr als die Hälfte der Songs von Künstlern ohne Plattenvertrag sind – also im weitesten Sinne von Hinz und Kunz.

Auf der anderen Seite ist man stolz darauf und den Fakt, dass diese Songs die Hälfte aller Abrufe ausmachen, denn die würden MySpace nichts kosten. Die Streamingkosten werden bei der Aussage zwar außen vor gelassen, aber dennoch rühmt man sich, auf nur ein Viertel der Durchschnittskosten pro gehörter Stunde Musik von Spotify zu kommen. Nun gut, kaufen wir MySpace mal ab, dass sie besser aufgestellt sind als die Konkurrenz. Als nächstes kommt die Umsatzprognose.

Zahlenwürfeln statt Forecasting

Und die ist der Hammer: Von 9 (!) Millionen Dollar in 2011 soll der Umsatz um mehr als das Zehnfache auf 140 Millionen Dollar steigen – bis 2015. Auch der Verlust von 20 Millionen Dollar vergangenes Jahr soll bis 2015 in einen Gewinn von 33 Millionen Dollar verwandelt werden. Die Rechnungen dahinter möchte ich mal gerne sehen. Für mich klingt das eher, als ob jemand die Zahlen ausgewürfelt hat und hofft, dass einer der Investoren darauf reinfällt.

Denn dafür wird der ganze Hokuspokus gemacht: Neue Investoren werden um 50 bis 60 Millionen Dollar gebeten, die ins Marketing der Plattform, für „allgemeine Zwecke“ und neue Musikrechte gesteckt werden sollen. Immerhin sieht man ein, dass man ohne entsprechende Label-Rechte dann doch nicht auf einen grünen Zweig kommt.

Glücklicherweise hat man bei der Präsentation auch dran gedacht, wie man Geld verdienen möchte: Neben den bislang existierenden Marken-Partnerschaften sollen ab dem zweiten Quartal 2013 mobile Abonnements verkauft werden (für was auch immer) und mit eCommerce Geld verdient werden. Neben Musikdownloads will man Konzerttickets und Merchandise verkaufen.

Na gut, gehen wir das mal durch: iTunes, Google Play, Xbox Music auf der Downloadseite, Spotify & Co. auf der Streaming-Seite. Da wird nicht viel zu holen sein. Bei Konzerttickets wird Marktführer Live Nation Entertainment für genug Steine im Weg sorgen und bei Merchandise legt man sich mit Amazon und der Universal-Tochter Bravado an. Wie da 140 Millionen Dollar zusammenkommen sollen ist mir schleierhaft. Ich bin echt gespannt, welcher Investor da einsteigen will. Es soll keiner sagen, ich hätte ihn nicht gewarnt!

Bild: MySpace

Über den Autor

Robert Vossen

Robert Vossen hat erst Los Angeles den Rücken gekehrt und dann leider auch BASIC thinking. Von 2012 bis 2013 hat er über 300 Artikel hier veröffentlicht.

11 Kommentare

  • Die ganzen Links verlinken auf „mailto:“ und im ersten Absatz verlinkt „alte Präsentation“ auf „mailto:-„, denke ist so nicht gewollt, oder?

    Ansonsten interessanter Artikel, bin ja ma gespannt wie lang sich my_ halten wird. 🙂

  • Aus Sicht von MySpace fände ich es clever, weniger mit Spotify & Co. zu konkurrieren, als viel mehr mit fb & G+. Klingt zwar im ersten Moment etwas größenwahnsinnig, aber im Grunde war es doch vor Facebook auch schon so: Alle netzaffinen Freunde von mir waren damals in ICQ (Messenger) und MySpace (Social Network), wo sie sich gegenseitig Nachrichten hinterlassen haben – ähnlich wie das heute bei Facebook immer noch der Fall ist. Problem nur: Es sah superhässlich aus. Aber das Promo-Video hat ja eindrucksvoll gezeigt, wie schick das neue MySpace werden könnte. MySpace könnte dann ein erfolgreiches Ping werden: Ein Social Network, wo Musik der Aufhänger ist – im Alltag dann aber noch viel mehr darauf geteilt und veröffentlicht wird.

    Wenn dann die Datenschutzbestimmungen noch etwas besser wären, könnte es tatsächlich eine Alternative zu fb & G+ werden. Einige zumindest wären sicher hocherfreut über eine Alternative – nicht nur ich. Auf meinem Blog hatte ich schon im Dezember über diese Fragestellung gebloggt: http://juiced.de/12304/sweet-das-neue-myspace-eine-facebook-alternative.htm

    Wie dem auch sei: MySpace sieht sich wohl anscheinend mit anderen Anbietern im Konkurrenzkampf und zielt dann wohl ausschließlich auf den Musik-Netzwerk-Markt ab. Schade – Potenzial für mehr hätte es aus meiner Sicht durchaus.

  • Ja wiue du schon sagtest, es gibt für jedes seine eigene Plattform. Ich hab aber kein bock mich auf 7 Seiten anzumelden um alles zu bekommen. Sondern auf einer und da alles haben.

  • Ich fände es super wenn myspace wieder zurück kommt. Das Backend für die User-Einstellungen war zwar wirklich miserabel (und ist es noch?), aber das Netzwerk stand für Individualität. Anders als bei FB wurde eben nicht alles glatt gebügelt, was durchaus seinen Charme hatte. Sie sollten ihre alten Developer und UI-Designer rauswerfen und dann könnte aus myspace wieder was werden 🙂

  • @ mini: Und was, wenn man (aus Gründen) kein Bock auf Facebook hat? Solche Leute soll’s ja geben… Ich persönlich finde Monopole immer schlecht – und ein Monopol auf Daten/Wissen umso mehr. Angebotsvielfalt ist etwas tolles – allein schon, weil es die Innovation weiter fördert.

  • Ich dachte bisher Myspace konkurriert mit YouTube und hat da vor gefühlten 10 Jahren den kürzeren gezogen. Die Chancen für Myspace wieder „cool“ zu werden stehen nicht schlecht wenn es sich einen eigenen Markt für beispielsweise unbekannte Künstler, DJs und Produzenten schafft. Versucht es jedoch zu kopieren oder weiterhin den kommerziellen Müll zu vermarkten den es überall gibt, werden 2015 wohl die 33 Mio. $ doch eher Verlust sein.

  • Ich denke Myspace ist mehr oder weniger eine Sparte für sich, wie oben bereits geschrieben ist es DIE Plattform für Independent Künstler schlecht hin, spätestens nach dem bevorstehenden Update wird ich mich nach ca. 3 Jahren wieder mal anmelden und mir selber davon ein Bild machen, Innovativ und schick schaut das ganze schon mal aus: https://new.myspace.com/

  • @Veronika: Da hast du irgendwas falsch verstanden. YouTube ist eine Videoplattform und Myspace hatte mit Videos noch nie etwas am Hut.

    Ich bin da auch mal sehr gespannt, wie sich das mit Myspace entwickelt. Bei Bands war Myspace immer sehr beliebt, weil man einfach und schnell ein paar seiner Lieder zum streamen online stellen konnte. Es kam auch vor, dass Künstler statt einer eigenen Website nur noch eine bei Myspace betrieben, weil die auch einfacher zu aktualisieren war.
    Falls Myspace in diesem Bereich wieder Fuß fassen kann und dieses mal auch noch gut aussieht, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass das etwas werden könnte. So als Musik-Social-Netzwerk.

  • @Ounk: Der Vergleich von Veronika ist gar nicht verkehrt, da viele unbekannte Künstler eine Plattform haben wollen um ihre Musik einem breitem Publikum zu präsentieren. In dem Fall hat sich Youtube klar durchgesetzt. Es handelt sich zwar um Videos, die aber meistens mit einem Musikstück und einem Standbild versehen sind. Es geht dabei um den Audio-Content.

    @ESDE: sehe ich auch so. Myspace sollte ein Alleinstellungsmerkmal haben, wie z.B. eine Plattform für auftrebende Künstler bieten.