Medien

ARD und ZDF starten Funk: Das Jugendprogramm, auf das wir alle gewartet haben?

FUNK ARD ZDF
geschrieben von Fabian Mirau

In diesen Tagen startete das neue junge Angebot vom ARD und ZDF. Es trägt den Namen Funk und ist kein klassischer TV-Sender, sondern ein Netzwerk aus Inhalten verschiedener Produzenten im Internet. Was genau verbirgt sich dahinter? Für wen soll das eigentlich gut sein und ist Funk eine Möglichkeit, junge Zuschauer zu gewinnen?

Es begann mit einem großen Paukenschlag. Nachdem unter dem klobigen Titel „jungesangebotvonardundzdf.de“ seit einiger Zeit ein Countdown auf der eigens dafür eingerichteten Website herunterlief, wurde das gut gehütete Geheimnis um Namen und Inhalt vergangenen Donnerstag schließlich gelüftet. Die Ankündigung von Funk sorgte in sozialen Medien schon kurz vorher für viel Aufmerksamkeit und vereinzelt auch für Verwirrung (heißt es nun „Funk“ oder „Ja“?).

Was ist Funk überhaupt?

Seit dem ersten Oktober gibt es nun über 40 informative, orientierende und unterhaltende Formate für junge Zielgruppen zwischen 14 und 29. Man möchte sich bei Funk, wie ein Blick auf das inhaltliche Repertoire vermuten lässt, vom klassischen Fernsehen abgrenzen. Das vielseitige, werbefreie Angebot ist überwiegend an bisherige Webvideo-Inhalte auf Youtube angelehnt. Es reicht vom Heimwerkerkönig Fynn Kliemann, der im neuen Format „Kliemansland“ auf einem Bauernhof im Norden Deutschlands mit Freunden quasi ein Land ohne Regeln erschafft und sich dabei, so sagt er, selbst verwirklicht.

Über Florentin Will, bekannt am ehesten aus der ZDF-Neo-Show „Neo Magazin Royale“, der zusammen mit Katjana Gerz unter dem Titel „Gute Arbeit Originals“ klassische Sketche zeigt. Bis zur Chemikerin Mai-Thi Nguyen-Kim, die allerlei kuriose Fragen aus der Wissenschaft behandelt. Außerdem dabei: Der Youtuber LeFloid, die Autorin Ronja von Rönne und die aus der Gaming-Szene bekannten „Rocket Beans“.

Viele namenhafte Gesichter also, die von nun an Funk stetig mit Inhalten versorgen werden. Verbreitung findet das Angebot vorrangig über Drittplattformen wie Youtube, Snapchat und Facebook. Mit der gleichnamigen Mobile-App sind darüber hinaus einige lizensierte Serien wie „the Aliens“, „Hoff the Record“ und demnächst sogar die große US-Serie „Fargo“ zu sehen.

Können ARD und ZDF endlich junge Zuschauer für sich begeistern?

Die Reaktionen fielen erwartungsgemäß gemischt aus. Beispielsweise echauffierten sich auf Twitter gerade ältere Generationen darüber, dass Funk nur im Internet stattfinden soll. Und die jährlichen Kosten von 45 Millionen Euro, die das neue Format verursacht (1 Prozent des öffentlich-rechtlichen Gesamtbudgets), seien natürlich auch viel zu hoch.

Darüber hinaus kritisiert beispielsweise der Bundesverband junger Medienmacher in einem offenen Brief, dass wegen eines fehlenden jugendlichen Programmbeirats kein zielgruppengerechtes Format entstehen könne.

Doch Funk ist vor allem eins: Vielversprechend. Man hat sich offensichtlich ernsthaft mit der gängigen Kritik, ARD und ZDF seien zu alt, zu angestaubt, um für Jugendliche attraktiv zu sein, auseinandergesetzt. Hier wird auf die Vorlieben und Präferenzen junger Medienkonsumenten eingegangen. Und der vermeintliche Rückschlag vor einem Jahr, als die Ministerpräsidenten der Länder dem jungen Angebot einen eigenen Fernsehsender nicht gewährten und ihn „nur“ im Internet sehen wollten, könnte sich als eigentlicher Coup, als Chance herausgestellt haben. Nun kann man frei von alten Fernsehstandards und -Regeln Medien produzieren. Und wo sonst schauen junge Menschen „Fernsehen“, wenn nicht im Internet via Laptop oder Smartphone?

Richtige Signale bei Funk

Und auch inhaltlich liefert Funk richtige Signale. So hat man beispielsweise mit der Bild- und Tonfabrik (btf) oder der Turbokultur namenhafte (und wirklich lustige) Produzenten an Bord holen können. Und neben den zahlreichen Comedy- und Unterhaltungsformaten gibt es auch bildungsrelevante Sendungen wie „Germania„, wo über Deutschland als Einwanderungsland aus Sicht von Migranten diskutiert wird oder „Aufklo“, eine Sendung, die entgegen gängiger Youtube-Formate ein weitaus differenzierteres, stärkeres Frauenbild präsentieren möchte. Das „Y-Kollektiv“ berichtet über politische Themen wie Massentierhaltung, den Putschversuch in der Türkei oder Frauenrechte in Pakistan in Form kleiner Dokumentationen. Und „Headlinez“ ist ein junges, meinungsstarkes Politmagazin und Diskussionsportal.

Kann Funk das Versprechen halten, diese Formate dauerhaft zu etablieren, wird es als „Content-Netzwerk“ für Jugendliche seinem öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag gerecht und hebt sich dabei auch noch deutlich ab von anderen klick- und likebasierten Formaten auf Youtube oder Facebook, dessen Inhalte und Meinungen meist vom Sponsor mit dem dicksten Geldbeutel abhängen. Denn Klicks und Likes dürften bei öffentlich-rechtlichen Produktionen weniger ausschlaggebend sein. Und dabei bleiben, so die Verantwortlichen hinter Funk, die Produzierenden weitestgehend unabhängig. Denn dass hinter den zahlreichen Produktionen die öffentlich-rechtlichen Sender stehen, bleibt dem Zuschauer auf Youtube bis auf eine kurze Einblendung des Funk-Logos am Ende verborgen. Und sowieso will man sich so weit wie möglich aus der Produktion der einzelnen Formate heraushalten, den Produzierenden dabei höchstens unterstützend zur Seite stehen.

Wenn Funk nun noch von den anvisierten Zielgruppen tatsächlich wahrgenommen wird und sich das Programm, wie angekündigt, weiter ausbaut, darf das Unterfangen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, ein ernstzunehmendes Jugendformat zu etablieren, endlich als erfolgreich abgestempelt werden.


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Über den Autor

Fabian Mirau

Fabian ist Politik-Student und arbeitet in Berlin für ein Redaktions- und Medienproduktionsbüro. Für BASIC thinking schreibt er beinah wöchentlich über Netzpolitik, Social Media und den digitalen Wandel. Also eigentlich über fast alles, was mit diesem Internet zu tun hat.

13 Kommentare

  • Und für dieses aus Zwangsgebühren (aka Steuern) finanzierte öffentlich-rechtliche alternative zu Youtube hat man u.a. EinsPlus abgeschaltet?
    Finde ich schade, war so ziemlich der einzige Sender den ich gerne gesehen habe.

    Wie immer am (Ziel-)Publikum vorbei!(?)
    Aber das Seniorenprogramm von ARD und ZDF zieht man weiter knallhart durch.

  • Ich gehöre nicht zur Zielgruppe von FUNK. Wahrscheinlich finde ich deshalb das Nachfolge-Produkt nicht auf dem Web /iPad.
    Ich fand das Programm Angebot auf ZDFInfo +Kultur echt gut! Schade, dass sie weg sind!

    • Zur Information:
      ZDF Info gibt es noch. Viele der Inhalte von ZDF Kultur rutschen auf Arte oder 3Sat.
      Die App zu Funk findest du sowohl im Apple Store als auch Google Play. Die Webseite findest du unter funk.net

  • Also ich finds daneben. Das ist definitiv keine Grundversorgung, ist das Internet bereits doch voll mit diesem Zeug. Hier wird nur Content gefördert, 45 Millionen pro Jahr – auf 2 Jahre angelegt – vorerst. Genannt sei hierbei das „Kliemannsland“. Gute Chance sein Geld zu verdienen.

  • Pro Minute werden ca. 200 Stunden Material auf Youtube hochgeladen – wer braucht da noch zusätzlich diese öffentlich-rechtlichen Videos? Ich bin Student und gehöre eigentlich der Zielgruppe dieses Unterfangens an, aber mir wäre deutlich mehr geholfen, wenn man mir diesen Zwangsbeitrag erlassen würde und ich stattdessen selbst entscheiden könnte, welche Medien ich abonnieren möchte. Heutzutage ist es auch technisch kein Problem mehr, nur noch denen, die einen Beitrag zahlen, das Programm zugänglich zu machen.

  • Ich finde es nicht gut, dass es inhaltlich so agitatorisch ist und nicht politisch neutral. Genau das kommt doch nicht an. Diese platte und aufdringliche Indoktrination und Agitation, als habe die Grüne Jugend einen Fernsehsender gekapert. Schon in der Schule fand ich es immer zum Kotzen, wenn mich Religionspädagogen marxistisch indoktriniert haben und meine christliche Religion zersetzt, Feuerbachthesen und anderen Quatsch. Darum geht es ja auch, Zersetzung von jungen Deutschen, um dem Neoliberalismus ganz freie Bahn zu geben und kein eigenständiges Urteilen zuzulassen.

  • Funk.net was soll das sein?? ein ersatz für einsplus und zdf kultur. Ich lach mich schlapp. Das soll ansprechen?? auf der web site ist doch nichts sehenswert. Die zwei tv kanäle hatten doch, wenn überhaupt, nicht nur junges publikum. Die macher haben null ahnung von der realität.

    Die ÖR und die, die das beschlossen haben, stellen wiederholt öffentlich zur schau, dass das alles NEULAND ist, aber nur für sie.

    Leute, macht eure hausaufgaben und dirigiert nicht immer an der basis vorbei.

    PS: die drittkanäle haben mehr zu bieten und machens besser als ard und zdf.

    • Die Öffentlich-Rechtlichen verstehen also das „Neuland“ nicht, wenn sie zwei erfolglose Fernsehsender streichen und stattdessen – um endlich 14-29-Jährige zu erreichen – komplett auf Internet („Neuland“) setzen?

      Was muss man denn als Sender anders machen, um Junge Leute für Öffentlich-Rechtliches Fernsehen zu gewinnen? Was machen dahingehend die Drittkanäle denn besser als ARD und ZDF?

    • Wenn du mir noch kurz sagst, wo genau wir das behauptet haben, könnte ich es korrigieren. Aber außer Rob Vegas‘ Tweet finde ich nichts.

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