App-Entwickler: "Piraten klauen – weil sie es können!"

André Vatter

tap_fuDie kleine App-Fabrik Smells Like Donkey hat vor einiger Zeit das iPhone-Game Tap-Fu veröffentlicht, ein Ninja-Jump’n’Run, das schon beim Anschauen Lust auf mehr macht. „Es ist eine spannende Zeit, wenn man ein neues Spiel herausgibt, an dem die Leute Spaß haben werden“, schreiben die Entwickler im Blog. „Besonders gilt das für Games, in die man ein halbes Jahr lang sein Herzblut und viel Geld gesteckt hast.“ Tap-Fu ist seit dem 16. Oktober in Apples App Store zu haben, der Einführungspreis liegt bei gerade einmal 1,59 Euro. Doch die Jungs bei Smells Like Donkey sind knatschig. Schuld sind Programmpiraten, die der Software-Schmiede einen dicken, roten Strich durch die Rechnung gemacht haben. Die ersten illegalen Kopien tauchten 40 Minuten nach dem Launch im Internet auf.

Das Spiel bietet eine Online-Bestenliste, dazu werden Daten wie Score-Points, Kills, Style-Punkte, ausgeführte Map, Schwierigkeitsgrad und so weiter anonymisiert und an den Server geschickt. Darunter befinden sich auch Informationen, die die App-Version, die Geräte-ID und Firmware betreffen. Auf diese Weise konnte festgestellt werden, wie oft eine gekaufte und wie oft eine geklaute Version benutzt wurde. Das Ergebnis ist – ehrlich gesagt – ein wenig beunruhigend. Die Entwickler haben einen Ausschnitt aus der Highscore-Liste veröffentlicht: Blau hinterlegte Einträge stammen von legal gekauften Tap-Fu-Apps. Alles was rot ist, wurde unbezahlt und über nicht näher zu erläuternde Wege auf das iPhone gezogen.

Smells Like Donkey beschloss, die Daten nicht voreilig zu bewerten, immerhin lautet die Verteidigung vieler Raubkopierer regelmäßig, dass sie die Spiele zunächst kostenlos testen, um dann bei Gefallen die Urheber für ihre Mühen aufrichtig zu entlohnen. Doch offensichtlich ist dies nur ein schöner Schwindel. Im Folgenden seht ihr zwei Diagramme, auf der linken Seite sind die Fluktuationen bei Tap-Fu-Diebstählen nachgezeichnet. Rechts seht ihr die Häufigkeit der anschließend getätigten Käufe:

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„Daraus können wir den Schluss ziehen, dass 0 Prozent der Piraten denken, dass es wert sei, dieses Spiel zu kaufen“, ziehen die Entwickler Bilanz. Damit wurden wohl auch die Argumente der dubiosen Online-Tauschbörsen für Apps entkräftet. Ihre Betreiber erklären gerne, dass iPhone-Nutzer und Besitzer eines iPod Touch dank ihrer Hilfe die Möglichkeit bekommen, „vollständige und unbegrenzte Versionen von Geräte-Software“ ausprobieren zu können, „bevor sie den Entschluss treffen, diese auch zu kaufen“. Angesichts der gesammelten Daten kommt Smells Like Donkey eher zu dem Fazit: Piraten klauen aus dem einfachen Grund, weil sie es können.

„Da Apple nur schleppend auf das Problem reagiert und Piraterie ja fast schon zur Normalität geworden ist, gehen wir davon aus, dass die Entwickler die Sache bald in ihre eigenen Hände nehmen werden. Da es ziemlich einfach ist, geklaute Apps ausfindig zu machen, kann man es ihnen nicht mal übel nehmen“, heißt es im Blog. „Wir überlegen uns selbst, ob wir bald etwas dagegen unternehmen.“ In Anbetracht der Tatsache, dass von 100 Downloads rund 90 Prozent geklaute Apps sind und keiner der Piraten auch nur im Entferntesten daran denkt, dafür zu zahlen – haben sie bei diesem Plan jedenfalls meine volle Zustimmung.

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(André Vatter)

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André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.