Netflix expandiert weiter in Europa – doch wo bleibt Deutschland?

Robert Vossen

netflix

Netflix treibt seine internationale Expansion voran, obwohl der Video-Anbieter nicht mehr so aggressiv vorgeht wie in 2011. Damals startete der Dienst in einem Rutsch fast in ganz Lateinamerika. Die nächste Station liegt wieder in Europa: Ab Ende des Jahres ist Netflix auch in den Niederlanden verfügbar.

Niederlande werden siebter europäischer Markt

Der deutsche Nachbar wäre nach England, Irland und den skandinavischen Ländern das siebte Land Europas, in dem Kunden Netflix nutzen können. Und wird wohl in diesem Jahr das einzige bleiben. Denn nach der ambitionierten Expansion der letzten zwei Jahre soll aktuell nur ein neuer Markt erschlossen werden – Nutzer aus Deutschland, Frankreich und Spanien werden also mindestens bis 2014 vertröstet.

Allerdings: Ein baldiger Einstieg von Netflix in den deutschen Markt wird allgemein als wenig wahrscheinlich angesehen. Stattdessen munkelt man, dass Belgien und Frankreich an der Reihe sein könnten, da Netflix unlängst nach Übersetzern mit französischen und niederländischen Sprachkenntnissen Ausschau gehalten hat.

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Immerhin hat der Anbieter letztes Jahr aber auch Stellenausschreibungen für deutschsprachige Linguisten veröffentlicht – neben anderen für Türkisch, Hindi, Italienisch, Koreanisch und Japanisch.

Expansion nach Deutschland ist teuer

Der womöglich triftigste Grund für die zögerliche Expansion auf den deutschen Markt: die zu erwartenden hohen Kosten – schließlich wird bei uns nahezu jedes Programm synchronisiert. In Skandinavien hingegen ist man es gewöhnt, Filme im englischen Originalton mit Untertiteln in Landessprache zu sehen – in den Niederlanden ist das ähnlich. Neben den Kosten für eine Synchronisation stehen zudem nicht unerhebliche Lizenzausgaben sowie weitere Aufwendungen für Kundendienst und Infrastruktur.

Das zweite Problem: In manchen Ländern hat Netflix bereits jetzt enorme Schwierigkeiten profitabel zu arbeiten, doch CEO Reed Hastings will dort nicht voreilig den Stecker ziehen. Der als schwierig geltende deutsche Markt könnte sich da gefährlich auf das gesamte Geschäft auswirken.

Lovefilm zieht sich aus Skandinavien zurück

Darüber hinaus hat sich mit Lovefilm bereits ein Wettbewerber auf dem deutschen Markt etabliert, der mit europaweit zwei Millionen Kunden zwar selbst kein Schwergewicht ist, aber mit Amazon ein absolutes Schwergewicht im Rücken hat. Dennoch ist offenbar selbst Lovefilm in einigen Ländern gerade gezwungen, den Rückzug anzutreten. Erst letzte Woche wurde bekannt, dass der Video-Dienst Skandinavien wieder verlässt. Inwieweit sich das auf die Expansionspläne von Netflix auswirkt, ist derzeit allerdings kaum abzusehen.

Möglich wäre, dass Netflix durch den Rückzug des Konkurrenten viele Kunden quasi übernehmen und somit auch an der internationalen Profitabilität schrauben kann. Daraus jedoch einen direkten und schnelleren Einstieg in den deutschen Markt abzuleiten, wäre vermutlich Wunschdenken.

Doch die Hoffnung stirbt zuletzt – vielleicht ist es ja tatsächlich 2014 soweit. Bis dahin freuen wir uns für unsere westlichen Nachbarn, wobei noch unklar ist, wie viel der Service dort kosten wird. Nur eines ist klar: Neben heimischen Filmen und Serien wird es natürlich auch das Hollywood-Paket geben – inklusive House of Cards und Arrested Development.

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Bild: Netflix

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Robert Vossen hat erst Los Angeles den Rücken gekehrt und dann leider auch BASIC thinking. Von 2012 bis 2013 hat er über 300 Artikel hier veröffentlicht.