Sonstiges

Parfip (Euroweb): Ein Fall für Interpol?

Man ist fast versucht zu sagen, daß Julio mit seinem Axona Blog auf den Spuren von Robert Woodward und Carl Bernstein wandelt. Er hat in mühsamer Kleinstarbeit den Fall Euroweb, die Firmenverflechtungen dahinter und das Geschäftsmodell recherchiert. Und ist dabei auf ein europaweit agierendes Unternehmen Parfip gestoßen, daß nach ein und demselben Muster seinen „Geschäften“ nachgeht.

Siehe hierzu seinen Artikelreihe:
15. April (Startartikel): Euroweb – eine Spurensuche

15. April (Kundenbericht): „Ich sah keinen Grund für Mißtrauen und unterschrieb.“

16. April (Firmengeflecht): PROXIMEDIA – wiederholt sich Geschichte? Nun, manchmal vielleicht schon

18. April (Aufzeigen der Geschäftsmethodiken): „Insbesondere bevorzugen wir Bewerber von Euroweb“

19. April (Muttergesellschaft Parfip unter der Lupe): Wenn die Butterbrote den Souverän satt gemacht haben (dort geht er explizit auf Parfip ein und zieht sein Resumee)

Hier die mE zentralen Aussagen:

Interessanter ist deshalb die Spur über die PARFIP Deutschland GmbH – jene Firma, die nicht nur mit den beiden deutschen Proximedia-Unternehmen in Verbindung steht, sondern auch in neueren Verträgen der Euroweb Internet GmbH explizit genannt wird. Sie gehört zu der in Frankreich ansässigen PARFIP – Gruppe, ein Unternehmen, das mit 6-9 europäischen Töchtern nach eigener Auskunft 100.000 Langzeit-Verträge (!) mit einem Wert von 120 Millionen EUR betreut. Es bestehen neben der offiziell französischen Zentrale noch Tochtergesellschaften für Deutschland, Belgien, Schweiz, Portugal, die Niederlande. Die Flaggen für Großbritannien, Spanien, Italien sind noch nicht mit einer Anschrift unterlegt.

Das Geschäft der PARFIP–Gruppe? Die Betreuung von Langfristverträgen bei gewerblichen Kunden, die Abwicklung und Betreuung von Miet- und Leasinggeschäften, die Gewerbetreibende tätigen und auch Buchhaltungstätigkeiten. Die Betroffenen in den Internet-Foren drücken es einfacher aus: Eine Firma, die ansehnliche Gewinne damit macht, dass sie Verträge aufkauft, die andere abgeschlossen haben und dann das entsprechende Geld eintreibt. Und diese Verträge können Langzeitverträge mit Kaffeemaschienen, Backuplösungen, Überwachungstechnik, Alarmanlagen, Telefonsystemlösungen, Websites und vieles mehr sein – je nach Land und Situation. Je nachdem, wer da wohl – mit welcher Methode auch immer – seine Vertäge verkauft. PARFIP sitzt wie eine Krake in einem ganzen Netz von Unternehmen, die mit ihm in Verbindung gebracht werden. Das sind dann u.a. die Firmen Fontex (Kaffeemaschienen), C.E.T. Benelux (Alarm-/Überwachungstechnik), Payphone (Telekommunikation), RISC-Group (Datensicherheit), CORTIX (Website-Erstellung), ARTYS (Registrierkassen), Euroweb Internet GmbH (Website-Erstellung) und einige andere mehr.

Ein paar Menschen (800? Oder viel mehr?) in Frankreich, Belgien, Niederlande, Deutschland (Vielleicht auch in Spanien oder Portugal – wer weiß das schon, ohne nachzuprüfen? Auch aus Ungarn wurden Firmenaktivitäten gemeldet), also ein paar Menschen in Europa, die nichts mit den Namen „Euroweb“, aber viel, sehr viel mit dem Namen „PARFIP“ anfangen können, werden dann hoffen, dass ihr Zorn Gehör findet und eine Firma dahin kommt, wo sie hin gehört – auf den Abfallhaufen der Wirtschaftsgeschichte.

Was auch immer an die Story dran ist, soweit würde ich anstelle von Julio einfach die Erkenntnisse zusammenfassen, das Material an Presse, TV und vaD die Staatsanwaltschaft übergeben, da hier andere das Ruder übernehmen müssen. Ich selbst kann nur meinen Teil dazu beitragen, indem ich darauf aufmerksam mache und dadurch ein stückweit versuchen kann, Julio in Schutz zu nehmen. Der Schutz drückt sich schlicht und einfach in Öffentlichkeit aus. Andere Blogger mögen mithelfen, Teile der Arbeit zu übersetzen oder darauf hinzuweisen. Und ja, wenn sich alles als ein Fake herausstellt, wird es ebenso geradegebogen.

Soweit aber ziehe ich vor Julio meinen Hut und seiner Recherche. Teilweise kam ich mir so vor, als sei ich mitten in einem Wirtschaftskrimi. Aber die Zeit war es mir wert, mich durch die Unmengen an Details zu wühlen. Sollte es in der Tat kein Fake sein, gehört Julio der Blogoscar des Jahres 2006. Und wie gesagt, fackel jetzt nicht lange herum, geh zu den o.g. Stellen. Die werden sich, wenn was dran ist, des Falles annehmen.


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

10 Kommentare

  • Morgen Robert,

    das ist spannender als ein Wirtschaftskrimi. Wenn es sich hierbei nachweislich um eine „Sau“ handelt, dann ist diese zu groß, um ausschließlich durch Klein-Bloggersdorf getrieben zu werden.

  • Vielen, vielen Dank auch für die Unterstützung. Eine Öffentlichkeit, gerne auch kritisch, hilft tatsächlich, dass die Infos online bleiben. Denn meiner Erfahrung nach konzentrieren sich die Jungs auf zentralisierte Wissensansammlungen und Diskussionsplattformen, in denen viele Leute an einer Stelle ihre Berichte wiedergeben.

    Danke auch für die distanzierenden Formulierungen wie „wenn es kein Fake ist“ und „was auch immer an der Story dran ist“. Denn ich bin kein Wirtschaftsjournalist, auch kein Profi in investigativem Journalismus. Von der Professionalität solcher Leute wie Woodward und Bernstein bin ich so weit entfernt wie die Tekkan-Jungs von den Jackson Brothers 😉

    Deshalb habe ich ja immer wieder die Bitte geäussert, dass man das ganze kritisch überprüfen soll und sich Berufenere hinter das Sache klemmen. Ich habe die Recherchen veröffentlicht, weil ich einem der Betroffenen eine Stimme geben wollte. Die Texte stehen zur Disposition – wer kritisch hinterfragt und die Dinge korrigiert, ist herzlich willkommen. Denn dann haben wir eine öffentliche Diskussion über diese Wirtschaftspraktiken und die entsprechenden Firmen.

    Ob PARFIP tatsächlich ein Fall für die Staatsanwälte ist, oder nicht doch eher für die kritische Öffentlichkeit, weiß ich nicht. Denn aus der französischen Diskussion wird ja deutlich, welche Position das Unternehmen einnehmen kann: „Wie die Verträge mit den Kunden zustande gekommen sind, dafür können wir als Buchhalter nichts, davon wussten wir nichts.“

    PARFIP arbeitet meines Wissens auch mit seriösen Firmen zusammen und das muss auch immer das Ziel ein solchen Unternehmens sein, wenn es sich etablieren will. Ansonsten entstehen Vertriebsfirmen und gehen wieder in Konkurs, who cares? Auf der einen Seite die Geldeintreiber, die die Kundenverträge kaufen, auf der anderen Seite die Vertriebsfirmen, die ihre Verträge auf PARFIP-Anforderungen hin optimieren.
    Interessant wird es freilich da, wo direkte Verbindungen (z.B. durch Beteiligungen) zu den Vertriebsunternehmen auftauchen, wo das Geschäft also anscheinend angekurbelt wurde. Denn gerade die Häufung der Berichte über unseriöse Vertriebspraktiken ist ja das markante.

    Man muss einfach mal dem Tonfall nachspüren, mit der z.B. im Internet eine französische Besitzerin eines kleinen Latinorestaurants den Herren von PARFIP, die ihr Geschäft kaputt machten, guten Appetit wünschte (Der Beitrag ist – wie viele – nicht mehr auffindbar.) Oder in Deutschland die
    verzweifelte Kampfansage des ehemaligen Autohaus Storkow durchlesen. Man hört diese Geschichten dutzendweise. Was auch immer vielleicht Selbstverschulden der Leute war, man spürt, da stimmt was nicht. Auch unabhängig davon, ob Gesetze gebrochen wurden.

    Ein letztes:
    Ob diese Geschichte für Journalisten interessant genug ist, weiß ich ebenfalls nicht. Vieles, von dem man denkt, es sei berichtenswert, ist für grössere Medien uninteressant. Journalisten werden vermutlich auf Hunderte von solchen Geschichten hingewiesen, von denen Menschen sagen: „Darüber müsste du doch unbedingt schreiben.“ Hinzu kommt vermutlich, wie schnell durchschaubar der Stoff ist. Es war für mich ja auch nicht leicht rauszufiltern, was stimmt und was übertriebene Mutmaßung ist. Aber weiteres Hintergrundmaterial, Kontakte etc. können immer noch von mir bezogen werden – mit den Einschränkungen, die ich gemacht habe.

  • Abmahnung & Meinungsfreiheit – Part 2

    Scheint, als wären nicht nur sämtliche kritikpunkte an der Firma Euroweb berechtigt (wir erinnern uns), sondern das ganze auch noch um eine paar Nummern größer als angenommen.