Raubkopierer sind unentdeckte Kunden

Michael Friedrichs

Welcher Gamer kennt diese Problematik nicht. Im Ausland ist das heiß erwartete Videospiel bereits seit ein paar Wochen nicht nur in aller Munde, sondern auch schon im Laden erhältlich. Hierzulande lässt die Veröffentlichung allerdings noch ein paar Monate auf sich warten. Also was tun, wenn der Hardcore-Zocker nicht länger warten und das Spiel unbedingt jetzt schon zocken will?

Alle Wege führen nach Rom, heißt es in einer bekannten Redewendung. Also wird er entweder bei der Suche auf den einschlägigen Internetseiten fündig und lädt es sich dort illegaler Weise auf seinen Rechner herunter, oder er findet einen Online-Shop, bei dem das Objekt der Begierde schon vor dem deutschen Verkaufsstart erworben werden kann. Alternativ kann der Hardcore-Zocker auch ins nächste Flugzeug steigen und vor Ort einen kostspieligen Einkaufsbummel machen.

Ganz klar, dass die beiden ersten Varianten in der Vergangenheit vor allem bei den Publishern auf wenig Gegenliebe gestoßen sind. Besonders die Verbreitung von Schwarzkopien vor der Veröffentlichung war und ist der Spielindustrie ein Dorn im Auge. Es geht aber auch anders. Auf dem Branchentreff „Game Business Law Summit“ bezeichnete Jason Holtmann von Valve („Half Life“, „Counter-Strike“) Raubkopierer als Kunden, die nicht rechtzeitig bedient wurden. So habe der Publisher beispielsweise den Zombi-Ego-Shooter „Left 4 Dead“ zeitgleich zum US- und Europa-Start auch in Russland veröffentlicht. Mit Erfolg: „Wir haben herausgefunden, dass mit dieser Taktik die Raubkopie-Rate signifikant gesunken ist„, verriet der Valve-Manager den Konferenzteilnehmern. Demnach gäbe es dort draußen „Massen an unentdeckter Kunden, mit denen man Geld verdienen könne“.

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Dieser Schritt ist meiner Meinung nach längst überfällig. Es bleibt zu hoffen, dass auch andere Spiele-Publisher dem Beispiel Valve folgen werden. Einige Unternehmen tun dies mit ausgewählten Titeln ja schon. Auch in der Filmbranche setzen einige Studios – zumindest bei großen Kino-Produktionen – seit ein paar Jahren bereits auf einen weltweiten Starttermin.

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(Michael Friedrichs)

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Michael Friedrichs hat als Redakteur für BASIC thinking im Jahr 2009 fast 400 Artikel veröffentlicht.