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Neue Abmahnwelle: AFP geht gegen Textdiebe vor, will Privat-Blogger in Ruhe lassen

afpJetzt gut aufgepasst und die Ohren gespitzt: Nicht nur die Musik- und Filmindustrie würde dem ein oder anderen Internetnutzer liebend gerne das Urheberrechtsgesetz um die Ohren hauen – sondern auch Textfabriken wie Agence France Presse (AFP). Die Nachrichtenagentur hat diese Woche damit begonnen, im großen Stile Abmahnungen zu verteilen, laut der „Frankfurter Rundschau“ wurden bereits „Tausende“ von Briefen verschickt. Hier ein O-Ton vom deutschen Vertriebschef Timo Peters: Er beobachte zum Beispiel seit Jahren, „dass unser Material nicht nur von unseren Kunden im Netz veröffentlicht wird sondern auch von anderen – zum Teil sogar kommerziell“. Von außen betrachtet wirkt es, als habe AFP schon lange mit den Hufen gescharrt, nun aber dank einer neuen Kooperation mit den C&P-Jägern Textguard endlich losglegen kann. Erstmals sei „eine systematische Suche“ möglich.

Bislang war mir Textguard nur als jüngstes Horrorschlagwort unter deutschen Studenten bekannt, aber so macht es natürlich auch einen Sinn. Peters spricht von einer „immensen“ Zahl von Verstößen, die bereits registriert wurden und schiebt unheilsvoll hinterher, dass bei der Überprüfung bislang lediglich „ein Teil“ des AFP-Textfundus zum Einsatz kam. In erster Linie habe die Agentur kommerzielle Meldungsdiebe im Blick, die erst unbezahlte AFP-News posten und sie dann mit Werbung garnieren. Wer dies einige Jahre lang getan hat, könnte sich nach Äußerungen im Interview schon jetzt auf eine Rechnung in Höhe von „mehreren Zehntausend Euro“ freuen.

Die gute Nachricht: Zwar werden bei erkannten Verstößen Unterlassungserklärungen rausgeschickt, „wir legen aber nicht bei allen Verletzungen gleich eine Rechnung bei“. Peters will kleinere Fehltritte bei Bloggern, Lehrern und im Uni-Betrieb durchgehen lassen. In allen anderen Fällen wird allerdings die Anwaltskeule geschwungen: Der AFP-Content habe „einen Wert, der bezahlt werden muss“.

Na, dann: viel Spaß. Ich kann sie ja verstehen, die Agenturen. Und ich hoffe, dass AFP tatsächlich nur die großen Fische im Blick hat, die mit gestohlenen Texten den AdSense-Reibach machen. Aber ich kann mich auch an Zeiten erinnern, in denen Nachrichtenagenturen ihr Geld durch Relevanz, Qualität und Schnelligkeit verdient haben. Übrigens haben wir in der Redaktion AFP bereits vor langer Zeit den Stecker gezogen: Das war etwa zu dem Zeitpunkt, als wir zum dritten Mal die spektakuläre Nachricht über den Ticker bekamen, dass ein französischer Provinzler seinen verlorenen Hund über das Internetz sucht.

(André Vatter)

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Über den Autor

André Vatter

André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.

12 Kommentare

  • Ja, allein Google Stoßßt jeden Tag viele Portale weg, wieso ganz Einfach Doppelt Content. Wird abgemahnt und vom Google index verstoßen. Dafür braucht man ein Gesetz.

  • Welche Seiten werden denn von denen abgemahnt? Meinen die solche „Schmarotzer“, die die kompletten Artikel automatisch kopieren und ohne Mehrwert anzeigen. Dazu kommt dann noch massenhaft Adsense? Oder meinen die solche Seiten wie Wikio und Rivva? Die nehmen ja nur so kurze Auszüge.

  • Eines meiner Internet-Lieblingsgerüchte: der große Reibach mit AdSense. Ich glaube, die Anzahl der Blogseiten, die darüber wirklich ernstzunehmendes Geld verdienen ist sehr gering. Das dürfte nur den Topblogs in Sachen Nutzerzahlen gelingen. Wenn man sich die Blogstatistiken anschaut mit all den Blogs, die es kaum auf ein Dutzend Besuchern am Tag bringen, dann kann man in solchen Fällen wohl nicht gerade von „gewerblicher Nutzung“ sprechen. Die (ohne illegale Tricks erwirtschafteten) AdSense-Einnahmen dürften hier monatlich im Cent-Bereich liegen.

  • grundsätzlich hab ich ein Problem damit, wenn irgendwelche Spider bei mir rumwühlen, egal ob ich nun Fotos klauen soll (tue ich nicht) –> Getty oder Text kopieren (ich zitiere nur) –> AFP.

    Hat jemand die IPs, damit ich die aussperren kann?

  • Große Agenturen müssen die Texte von Journalisten schreiben lassen. Die gesamten Personalkosten sind hier nicht zu verachten. Die AFP muss die eigene Ware „Text“ vor Diebstahl schützen. Das geht nur durch Abmahnungen. Eine Firma die Geld mit den Inhalten verdient muss einfach den Diebstahl bestrafen.

  • Es ist schon richtig das die Ware der eigenen Texte geschützt werden muss. Allerdings haben wir dass Gefühl, dass es hier um andere Interessen geht. Wir wurden auch abgemahnt, obwohl wir ein PressePortal betreiben, wo ja eine Störer-Haftung durch unzählige Urteile verneint wurde. ***Posting aus rechtlichen Gründen vom Betreiber editiert. ***
    Ergo großer Bogen um AFP.

    P.S. Ein weiteres Unternehmen unserer Unternehmensgruppe ist Partner von AFP, jetzt heist das wohl „war“ Partner

  • Seit Februar 2008 betreibe ich ein Webportal(Blog) mit verschiedenen kostenlosen Content für meine User, unter anderem auch ein Nachrichtenblog. Die eingestellten News waren von unterschiedlichen Onlineanbietern. Die News wurden jeweils mit einem Quellhinweis und einem Link versehen. Die Originalnews hatten niemals (bis heute) keinerlei Hinweis auf irgend einen Copyright einer Presseagentur. Meine Webseite diente mir lediglich als Hobby bzw. Beschäftigungstherapie (bin leider seit Anfang 2008 Krebskrank.
    Im April 2009 erhielt ich Post von AFP über einen Anwalt aus Hamburg. Hierin wird mir Urheberrechtsverletzungen in 19 Fällen (alle aus Mai 2008 !) vorgeworfen. Man verlangt Schadensersatz von insgesamt Euro 7200,00. Gleichzeitig macht man mir den Vorschlag im selben Schreiben einen Lizenzvertrag mit AFP zu schliessen um obige Kosten deutlich reduzieren zu können.
    Mein Anwalt reagierte sofort mit dem Hinweis das auf meiner Webseite nicht ersichtlich ist, das irgend welche Rechte der AFP tangiert wurden und erbat weitere Informationen welche Rechte beansprucht werden und hier über Nachweise zu erbringen. Dieses Schreiben wurde nie beantwortet. Vor zwei Wochen erhielt ich (nicht mein Anwalt) ein Schreiben des Anwalts aus Hamburg mit folgendem Hinweis “Wir nehmen Bezug auf unsere Abmahnung an Sie, auf die Sie leider nicht reagiert haben. Wir geben Ihnen hiermit Gelegenheit innerhalb einer Woche die verlangte Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung abzugeben und Schadensersatzansprüche und Kosten zu begleichen. Sollte die Gesamtsumme sowie die Unterlassungserklärung hier nicht eingehen wird meine Mandantin Klage erheben”.
    Das Schreiben kam wärend meines Urlaubs hier an und ich konnte nicht sofort reagieren. Ich hatte dieses dann sofort an meinen Anwalt weiter geleitet, reagieren konnte dieser aber auch nicht mehr, weil er einen Tag später auch Post aus Hamburg erhielt mit folgendem Text “anliegendes Schreiben ist versehentlich direkt an Ihren Mandanten verschickt worden. Dies war sicherlich keine Absicht. Da keine Reaktion erfolgte ist heute Klage erhoben worden”.

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