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44.000 Dollar und ein MacBook: So viel ist das Leben eines Apple-Fabrikarbeiters wert

foxconnIn der vergangenen Woche sorgte der tragische Tod eines chinesischen Fabrikarbeiters weltweit für Schlagzeilen. Normalerweise wäre dies lediglich eine Meldung für die lokale Tageszeitung gewesen, wenn der 25-jährige Angestellte nicht für Foxconn gearbeitet hätte. Eben jenem Unternehmen, das im Auftrag von Apple jede Menge aktuelle iPod- und iPhone-Modelle produziert. Gerüchten zufolge hatte der Fabrikarbeiter den Auftrag, insgesamt 16 Prototypen eines neuen iPhone an Apple zu übergeben. Der Auftrag nahm eine fatale Wendung, als bei der Auslieferung ein Gerät spurlos verschwand.

Um es kurz zu machen: Apple war verständlicherweise wenig begeistert über den Verlust, ebenso wenig wie der Foxconn-Chef. Interne Ermittlungen wurden aufgenommen und schnell geriet der eigene Mitarbeiter unter Tatverdacht. Seine Wohnung wurde durchsucht. Stundenlange Verhöre folgten. Nach Aussagen von Freunden wurde der Mitarbeiter auch misshandelt. Zu viel für den jungen Mann: Am nächsten Morgen sprang der 25-Jährige aus dem 12. Stockwerk seines Wohnhauses in den Tod.

Nachdem der Fall durch die Medien geisterte und Kritik an der IT-Fabrik laut wurde, meldete sich schließlich auch Apple zu Wort. Man bedauere den Selbstmord des Fabrikarbeiters. Zudem lege man sehr viel Wert darauf, dass Mitarbeiter mit Würde und Respekt behandelt werden. Diese Maßstäbe würden auch für Apple-Zulieferunternehmen gelten.

Auch ein Sprecher des chinesischen Unternehmens hat sich geäußert. Er betonte, dass der interne Sicherheitsdienst den Mitarbeiter nicht misshandelt habe. Natürlich bedauere Foxconn den Tod des jungen Mannes und wolle den Hinterbliebenen unbürokratisch und schnell unter die Arme greifen. Eigentlich eine noble Geste eines zufriedenen Arbeitgebers – in diesem Fall dürfte allerding die Verbesserung des eigenen Rufs im Vordergrund stehen. Mehreren Berichten zufolge sieht es mit den Arbeitsbedingungen in der Fabrik nicht besonders gut aus. Sogar von Menschenrechtsverletzungen ist die Rede.

Wie die New York Times jetzt erfahren hat, hat Foxconn sein Versprechen wahr gemacht und der trauernden Familie geholfen. Demnach hat der Bruder des toten Mitarbeiters umgerechnet 44.000 US-Dollar Schweigegeld erhalten. Für die Freundin gab es lediglich ein neues Apple MacBook. Rückfragen diesbezüglich wurden übrigens verhindert – vom Foxconn-Sicherheitsdienst.

Via: Valleywag

(Michael Friedrichs / Foto: China Labor Watch)


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Über den Autor

Michael Friedrichs

Michael Friedrichs hat als Redakteur für BASIC thinking im Jahr 2009 fast 400 Artikel veröffentlicht.

27 Kommentare

  • Ich beobachte den Fall schon seit letzter Woche.
    Er scheint sich langsam in einem Selbstläufer zu entwickeln.
    Vor allem aber deshalb, weil die Medien gerne eine negative Story draus machen wollen.
    Vor allem aber zudem: weil die betroffenen Unternehmen unprofessionell reagieren. In erster Linie sehe ich bei Apple Kratzer am Image zukommen. Die sollten etwas offensiver reagieren.

    Eine Meldung wie: Eine Stellungnahme von xy war nicht zu erhalten ist auch eine Meldung die sich in den Köpfen der Leute festsetzt.

    Ich bin also gespannt wies weitergeht.

    Der Hersteller Foxconn spielt in einer Liga mit dem Schneidereien von Nike & Co. und den Lieferanten von Matell und Tchibo. Der Negativ-Imagetransfer passiert beim Markeninhaber und Auftraggeber.

  • Das Problem ist nicht Apple sondern die chinesische Mentalität.

    ‚Ehre‘ geht dort über alles. Die Asiaten haben nicht umsonst eine der höchsten Selbstmordraten.

  • Eben. Steve Jobs kann kaum was dafür dass der chinesische Foxconn-Security-Chef sein Geschäft mit Mafia-Methoden erledigt.
    Lächerlich, da Apple mit rein zu ziehen — wobei sie sich anstandshalber einen neuen Lieferanten suchen sollten, wenn das bei denen auch mit neuem Sicherheitspersonal passiert.

  • @7&@8: Das Problem ist wohl nicht die chinesische Mentalität, sondern vielmehr die „Billig-Billig!“-Denke des Westens. Warum lässt Apple nicht in den USA produzieren, wo es Arbeitsschutzbedingungen gibt? Weil dann die Marge schrumpft.

  • @9:

    Der Typ hat sich umgebracht weil er einen Fehler begangen hat. Einen Fehler der, seiner Meinung nach, nicht zu entschuldigen war.

    Und er wollte lieber tot sein als zur Rechenschaft gezogen zu werden. Das ist traurig, hat aber nichts mit Apple (oder unserer ‚Billig-Billig‘ Mentalität) zu tun.

    Dies ist ein tragischer, und extremer, Einzelfall.

  • @ André Vatter und weil bei apple Preis/Leistung so gut ist sind sie gezwungen in China zu produzieren ? Wach auf!

  • „Billig-Billig“-Mentalität? Ökonomische Bedenken sind nunmal auf dem offenen Markt von hoher Priorität. Dass bei einer Minimierung von Kosten auch mal humanitäre Gesichtspunkte hinten anstehen, ist zwar beklagenswert, aber wohl nicht zu vermeiden.

    Konkurrenzfähigkeit und Gewinnmaximierung stehen bei großen Unternehmen an oberster Stelle! Das bringt „das System“ mit sich! Wer nen Alternativvorschlag zum offenen Markt hat, der kann mir diese ja mal in einem ruhigen Jahrzehnt genauer erläutern… Um diesen Praktiken Einhalt zu gebieten, erfordert es eine globale Kooperation aller Teilnehmer. Das allein auf die Unternehmen zu schieben empfinde ich persönlich immer als sehr eindimensional gedacht. Das ist jetzt alles n bisschen allgemein gehalten, aber um das in der gesamten Bandbreite zu erörtern, benötigt man wohl ein bisschen mehr Platz und Zeit 😉

    Bzgl. der Hintergründe des Selbstmordes werde ich mich nicht äußern, da ich keine Kenntnis darüber besitze. Wer mit Sicherheit sagen kann, welche dies sind, der möge bitte sprechen!

  • „Konkurrenzfähigkeit und Gewinnmaximierung stehen bei großen Unternehmen an oberster Stelle! Das bringt “das System” mit sich! Wer nen Alternativvorschlag zum offenen Markt hat, der kann mir diese ja mal in einem ruhigen Jahrzehnt genauer erläutern“

    Tja, der Verbraucher hat es in der Hand – muss ja keiner einen Computer kaufen, bei dem so „produziert“ wird.

    „Steve Jobs kann kaum was dafür dass der chinesische Foxconn-Security-Chef sein Geschäft mit Mafia-Methoden erledigt.
    Lächerlich, da Apple mit rein zu ziehen“

    Hallo? Wer hat denn den Auftrag für die Computer gegeben? Hmmm… könnte Apple gewesen sein, oder? Also – Herstellung unter menschenwürdigen Bedingungen oder eben NICHTkaufen.

  • Dieser Blog wäre sicher auch ohne diesen Hetzartikel, der auf Vermutungen und Annahmen basiert, gut ausgekommen.

    Fliegt jetzt endgültig aus dem Feed-Reader.

  • hey leute macht mal die augen auf.

    sogut wie ALLES was wir kaufen, ist unter bedingungen entstanden, von denen wir eigentlich lieber nichts wissen wollen. das betrifft beinahe hightech produkte, tierprodukte sowie kleidung.

    unser wohlstand ruht nunmal auf den schultern anderer.

    und ja, vom kapitalistischen system geht es uns besser – weil die arbeit andere machen müssen. (und das möglichst billig und schnell)

  • „tragische Tod“ – typisch Boulevard-Journalismus. Welcher Tod ist denn nicht „tragisch“? Selbst der von Hitler war tragisch, oder?

  • Ja der Artikel ist wirklich reisserisch und gerade am Schluss ist dem Autor wohl die Leideschaft durchgebrannt.

    Viel brutaler finde ich allerdings die hier anbrandende Diskussion. Es wird der Tod dieses Menschen dazu missbraucht, sich in seinen in Allgemeinplaetzen gehaltenen wirtschaftlichen Halb- oder Nichtwissen zu suhlen und als Beleg fuer was auch immer herzunehmen.

    Man kann auch sagen: die Ueberschrift hat ihr Publikum gefunden.

  • @Markus

    Sorry, aber das entspricht ganz und gar nicht der chinesischen Mentalitaet. Ich arbeite seit einigen Jahren in China, und die Leute bringen sich ganz bestimmt nicht um, weil sie einen Fehler im Job gemacht haben. Klar, das mag passieren, aber nicht mehr und nicht weniger als dies auch in Deutschland oder sonstwo passiert.

    Du hast aber meine Zustimmung, was den tragischen Einzelfall betrifft.

    Ansonsten hat André Vatter natuerlich vollkommen recht. Unsere Geiz-ist-geil-Mentalitaet im Westen draengt Apple, Nike und Co doch gerade dazu, immer billiger zu produzieren.

    Wobei man China auch nicht mit dem Westen vergleichen darf. Das Land hat sich vor gerade einmal 30 Jahren geoeffnet. Wie soll China also innerhalb kuerzester Zeit die Entwicklung gemacht haben, fuer die wir Europaer 100 Jahre gebraucht haben.

    Bei der Beuerteilung Chinas paart sich nicht selten Arroganz mit Unwissen.

  • […] Bissige Satire: Michael Pineschi hat nach eigenen Angaben ein iPhone-Spiel herausgegeben, das sich kritisch mit der Produktion von iPhones und anderen Smartphones auseinander setzt. “Phone Story” soll sieben Stunden lang im App Store verfügbar gewesen sein, ehe Apple den Stecker zog und das Spiel wieder verbannte. Die Screenshots sind eindeutig: Aufgabe des Spiels ist es etwa, als Aufseher einer Koltanmine im Kongo die Arbeiter zu bewachen, als unkritischer Kunde iPhones vor dem Apple Store zu fangen oder giftigen Elektroschrott ohne Atemschutz zu entsorgen. Spätestens in dem Level, in dem es darum geht, Arbeiter mit einer Bahre aufzufangen, die sich vom Fabrikdach in den Tod stürzen wollen, geht es ins Makabre und ziemlich direkt gegen Apple. […]

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