Geisterstadt auf Google Maps: Wo ist Argleton?

André Vatter


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Argleton kann es nicht geben. Zwischen Maghull und Ormskirk, zwei Städten an der britischen Westküste, die durch den Schnellweg A59 miteinander verbunden sind, befindet sich nichts außer Feldern, Schafen und Traktoren. Und doch ragt aus der Mitte dieser Idylle bei Google Maps der Städtename Argleton auf. Selbst die Anwohner sind ratlos.

Der „Telegraph“ hatte auf den Fall aufmerksam gemacht, allerdings reicht die Gründung der Geisterstadt schon länger zurück. Bereits im Februar hatte ein Dörfler aus der nahen Umgebung eine gefahrvolle Expedition in das unwegsame Gelände unternommen – lediglich bewaffnet mit einem „Wonder Woman“-Comic, einem Ramsch-Taschenbuch und einem Plüsch-Tapir. Seinen erschütternden Reisebericht hat er in einem Blog-Eintrag festgehalten. Ein kleiner Auszug gefällig? Gerne:

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Die Zeit war gekommen, Argleton selbst zu betreten. Eine kleine Ansammlung von Bäumen, ein Bach und ein verfallenes Gatter schienen angemessen märchenhaft. Ich machte eine Pause, um den Himmel zu fotografieren. Eine matte Geste in Richtung des Google-Satelliten, der – verzerrend – vom hellen Himmel aus herabblickte.

Doch was steckt wirklich dahinter? Es gibt verschiedene Erklärungsansätze: Natürlich kann es sich um einen „Schluckauf“ innerhalb der Karten-Anwendung handeln. Die Stadt Aughton liegt nur einen Steinwurf von Argleton entfernt. Haben wir es mit einem Verschreiber zu tun? Dann gäbe es allerdings zwei Ortschaften mit dem Namen Aughton. Joe Moran, Dozent an der Liverpool John Moores University und Kartenexperte, vermutet eine andere Ursache: „Es könnte ein absichtlicher Fehler sein, damit Dritte die Karten nicht kopieren können. Manchmal werden erfundene Straßen eingefügt, um zu beweisen, dass die Karte gestohlen wurde“, zitiert ihn der „Telegraph“. „Allerdings habe ich so etwas von Google Maps noch nicht gehört.“ Ungewöhnlich wäre die Vorstellung nicht, immerhin wenden auch Lexikon-Herausgeber mit Vorliebe diese Technik an.

Tatsächlich kann sich Google selbst keinen Reim auf die Sache machen. Es gebe „vereinzelt Fehler“ in Maps, räumte ein Sprecher ein. „Wir arbeiten ständig daran, die Qualität und Genauigkeit der Informationen auf Google Maps zu verbessern und wir schätzen das Feedback der Nutzer, das uns dabei hilft.“ In anderen Worten: Es juckt Google nicht wirklich, dass mitten in der grünen Pampa von Lancashire eine magische Stadt erbaut wurde, die man auch auf dem zweiten Blick nicht sieht. Der Zulieferer Tele Atlas, von dem Google das Kartenmaterial bezieht, übt da schon eher Selbstkritik: „Fehler wie diese sind selten – und ich kann mir wirklich nicht erklären, wie eine solch Anomalie in die Datenbank gekommen ist“, so ein Sprecher. Tele Atlas will nun schnellstmöglich Argleton von der Landkarte tilgen. Schade eigentlich, findet ihr nicht?

(André Vatter)

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André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.