Warum stoppt niemand diese Mörderpuppe?

André Vatter

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Sagt mal, macht der chauvinistische Entwicklerstab von 505 Games eigentlich noch irgendetwas anderes, als ebenso beharrlich wie genüsslich gegen 40 Jahre Frauenbewegung zu wettern? Emanzipation, Gleichberechtigung – das sind Werte, die im Glücksschrei verpixelter Comic-Mütter untergehen, wenn sie es mal wieder geschafft haben, bei „Cooking Mama“ ein Omelette zu kochen. Oder sie haben bei „Gardening Mama“ erfolgreich das Umtopfen hinbekommen. „Kaufen Sie dieses Spiel und Ihre kleine Tochter wird von Kindesbeinen an lernen, dass es sich für eine Frau schickt, mit einem Trümmerweib-Kopftuch in und vor dem Haus zu schuften, während der Mann auf der Bowling-Bahn ist.“ Für Jungs hat 505 Games nämlich derlei Kegel-Spiele im Angebot – oder Ritterkämpfe. Alternativ gibt es auch Hochsee-Angeln.

Schickt einen Gender-Wissenschaftler eine Runde durch den DSi- oder Wii-Katalog der Spieleschmiede und er wird Tage später völlig verwirrt unter einer Brücke wiedergefunden werden. Doch die Jungs von 505 Games haben in Sachen Zementieren von Klischees natürlich noch mehr auf dem Kasten. Wie jetzt bekannt wurde, bringt der Laden in Kürze „Baby and Me“ in Australien auf den Markt. Ein furchterregendes Spiele-Bundel für die Wii, das Alice Schwarzer wahrscheinlich das Blut in den Adern gefrieren lassen würde. Es wird mit einer Puppe geliefert, in die man die Wii-Fernbedienung hineinschieben muss. Hier der werbende O-Ton:

Dein Baby reagiert dank der Wii-Remote durch Kichern, Gurgeln oder Weinen. Zehn Baby-Modi beinhalten Spiele wie „Füttere das Baby“ und „Bring das Baby ins Bett“. Acht Modi behandeln Klappern, Fangen, Klatschen und Ballons. In Kombination mit dem Balance Board: Schaukel das Baby in den Schlaf, lass das Baby rülpsen und bring dem Baby das Laufen bei. Pass das Baby mit neuen Kleidern, Accessoires und Spielzimmern deinen Bedürfnissen an.

Bitte was? Das Quäken plärrt aus den mickrigen Lautsprechern der Wii-Remote, während das reale Töchterchen völlig vereinsamt versucht, gemeinsam mit einem ausgestopften Spielzeug auf einem Plastikbrett vor dem Fernseher die Balance zu halten? Ach, ja: Sollte die Puppe den Geist aufgeben, gibt es auch noch ein Extra-Holster, damit die Remote auch an andere Plastikbabys (oder Holzscheiten, wo wir schon dabei sind…) zum Kuscheln befestigt werden kann. Creepy Doll, sag ich da. Mann, Mann…

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Via: aussie-nintendo.com

(André Vatter)

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André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.