'Islam is…': Google zensiert sich selbst (Update)

Marek Hoffmann

Google_Islam_Is„Christianity is bullshit“, „Christianity is not a religion“ und „Christianity is a lie“ sind die ersten drei Vorschläge, die Google.com dem User im Drop-Down-Menü präsentiert, wenn er als Suchbegriff „Christianity is“ eingibt. Das bedeutet, wenn ich mich nicht sehr irre, dass sie in letzter Zeit besonders häufig eingegeben beziehungsweise oft nach ihnen gesucht worden ist. Wiederholt man seine Suche aber mit „Islam is“, gibt es keinen Treffer. Ist hier der Umkehrschluss zulässig, dass bisher noch kein Mensch danach gesucht hat? Noch nie jemand zum Beispiel „Islam is a religion“ eingegeben hat? Eher unwahrscheinlich.

Wahrscheinlicher ist, dass Google die Suche etwas, sagen wir mal „zensiert“ hat. In einem Artikel zu Google Suggest schreibt der Suchriese zwar: „Wir versuchen, Ihnen keine Suchanfragen vorzuschlagen, die eine große Anzahl an Nutzern verletzen oder beleidigen könnten. Dies beinhaltet pornografische Begriffe, Schimpfwörter sowie Hassreden und gewalttätige Ausdrücke.“ Dass aber bei „Islam is“ gar keine Suchvorschläge unterbreitet werden, schießt über dieses selbstgesteckte Ziel hinaus.

Die Frage, die sich nun natürlich aufdrängt, ist: Warum diese freigewählte Beschränkung?  Zumal „negative“ Suchvorschläge nicht nur für das Christentum, sondern auch für andere Religionen (zum Beispiel Judentum oder Buddhismus) angezeigt werden. Hat Google Angst vor islamischen Fanatikern, vor einem Konflikt? Und falls ja, wäre es da nicht sinnvoll und konsequent gewesen, alle Suchvorschläge zu Begriffen rauszulöschen, die den Wortstamm „Islam“ enthalten? Also unter anderem so etwas wie „Islamist terrorism“. Abgesehen davon: Warum lässt man trotz des beleidigendes Inhalts Suchvorschläge wie die eingangs Genannten zu? Fürchtet man Proteste von Nicht-Islam-Gläubigen weniger oder hat diese Suchvorschläge bisher nur noch niemand beanstanded? Fragen über Fragen. Und zuletzt noch diese: Kann ich mich als User nun eigentlich von Google diskriminiert fühlen? Entweder, weil es zu meiner Religion beleidigende Suchvorschläge gibt oder – aus der Sicht eines Moslem – es zu meiner Religion eben keine Vorschläge gibt.

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Update, Mittwoch, 6. Januar, 16.45 Uhr

Dem Googles Blog kann man zwar noch keine Informationen zum Thema entnehmen, aber Searchengineland hat offenbar ein offizielles Statement erhaschen können. Mit den Vorwürfen konfrontiert, der Suchriese würde den Islam gegenüber anderen Religionen bevorzugt behandeln und bei der Suchanfrage „Islam is“ alle Suchvorschläge löschen, antwortete ein Unternehmenssprecher knapp: „Hierbei handelt es sich um einen Bug und wir arbeiten daran, das Problem so schnell wie möglich in den Griff zu bekommen.“ 

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(Marek Hoffmann)

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Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.