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iFixit zerlegt das iPad: So sieht Apples Tablet von innen aus

Eines ist sicher: Der Osterhase wohnt in Cupertino. Seit das iPad in den USA erhältlich ist, überschlägt sich die amerikanische Presse mit Meldungen. Bilder der Menschenaufläufe, die Unboxing-Videos und Gerätetests reichen nicht aus – nun werden auch noch einzelnen Apps eigene Artikel gewidmet. Deutschland steht das große Resonanzkino noch bevor und da wir bei Basic Thinking gerne mit Infos aus erster Hand operieren, werden wir uns hier noch ein wenig gedulden. Etwa Mitte der Woche soll ein iPad in der Redaktion eintreffen, dann schauen wir uns das Ding genauer an.

Bis dahin interessieren wir uns weniger für die flashy Produktbilder, sondern eher für das, was hinter – beziehungsweise in dem Phänomen iPad steckt. Die Reparaturmeister von iFixit haben kürzlich noch den neuen Nintendo Riesen-DSi (XL) aufgeschraubt und wie nicht anders zu erwarten war, ist nun das Apple Tablet dran: „Ja, wir haben es eingeschaltet, wie hätten wir es nicht tun können? Aber dann haben wir es sofort wieder ausgemacht und uns Gedanken darüber gemacht, wie wir diese wunderschöne Maschine aufbrechen können.“ Dann folgt der chirurgische Eingriff in 25 Schritten bis zur Komplettzerlegung.

Der erste Schritt ist relativ einfach und setzt das Vorhandensein eines Metall-Spatels voraus. Keine Schraube muss gelöst werden, um das Display vom Körper zu trennen. Das Glas ist 1,18 Millimeter dick. Beim iPhone misst es etwa 1,02 Millimeter. Erste erstaunliche Erkenntnis: Das Innere des iPad wird fast völlig von zwei Lithium-Polymer-Akkus ausgefüllt. Apple gibt die durchschnittliche Laufzeit des Geräts mit zehn Stunden an, was nach ersten Tests auch nicht übertrieben ist.

Das komplette Gehäuse (Display-Halter und Aluminium-Rückseite) bringt 350 Gramm auf die Waage – etwa die Hälfte des Gesamtgewichts. Der UMTS-Sender – sofern vorhanden (in diesem Modell jedenfalls nicht) – befindet sich beim iPad übrigens in der rechten oberen Ecke. Also schön die Hand da oben beim Halten weglassen.

Bei der Demontage des Boards kommt dann doch noch ein Schraubenzieher zum Einsatz: was laut iFixit bei Elektroteilen dieser Minigröße eine Neuheit bei Apple ist. Das Board nimmt etwa 60 Prozent der Breite des iPad in Anspruch.

Unter der Schutzplatte des Boards steckt der A4-Chip, Apples Prozessorlösung für den Betrieb des Rechners. Flankiert wird er von zwei DRAM-Modulen aus dem Hause Samsung. Insgesamt stehen 256 Megabyte zur Verfügung. iFixit schließt daraus, dass aller Wahrscheinlichkeit nach auch der A4 von Samsung geliefert wird. Dasselbe gilt für den NAND-Flash-Speicher, der in diesem Fall 64 Gigabyte groß ist.

Die zwei Lautsprecher des iPad liefern Mono-Sound für „Casual Listening“, wie Jobs es beim iPod Touch einmal ausdrückte. Sie sind so ausgerichtet, dass die Schallwellen durch die drei Löcher an der Unterseite des Geräts heraustreten. Der Audio-Out-Klinkeneingang befindet sich wie beim iPhone links oben und liefert natürlich in Stereo – die Lage halte ich aber für eher schlecht gewählt. Irgendwo wird beim Benutzen immer ein Kabel im Bild hängen.

Die WLAN/Bluetooth-Karte wurde direkt im Dock-Connector-Kabel integriert. Die Antenne des Moduls liegt – genauso wie bei den neuen iMacs – direkt hinter dem Apple-Logo, das sich beim iPad auf der Rückseite befindet. Da die Verbindung eher suboptimal wäre, wenn das Tablet auf einem Tisch liegt, hat Apple eine zweite Antenne verbaut.

Bleibt der letzte Schritt: die Entfernung des Lichtsensors auf der oberen Seite des Displays. Die Detailansicht zeigt, dass die Auslassung im Kunststoff genau darauf zugeschnitten ist: „Die Gerüchte, dass eine Kamera hier Platz finden könnte, waren übereifrig“, so iFixit. Jedoch gebe es Übereinstimmungen mit dem Cam-Platz, wie er beim MacBook Pro 13-Zoll Unibody gefunden wurde.

Die gesamte Zerlegungszeremonie von iFixit könnt ihr euch direkt in schönen großen Bildern auf deren Seite ansehen.

(André Vatter)


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Über den Autor

André Vatter

André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.

29 Kommentare

  • @Jürgen:

    Schon ulkig: Die Leute, die immer sofort „überteuerter Schrott“ Schreien, ohne das jeweilige Gerät in Händen gehalten zu haben, sind mindestens genauso zuverlässig, wie die Fanboys, die alles blind kaufen. Beides ist gleichermaßen albern.

    Ganz besonders witzig: Das anhaltende Apple-Bashing ist wahrscheinlich die beste Werbung, die Apple sich wünschen kann.

    Ich glaube, wenn das iPad in Deutschland startet, sollte ich mich mit Popcorn eindecken und einfach das Schauspiel genießen.

    Werdet erwachsen Leute und hört auf, zu streiten, wer das coolere Spielzeug hat…

  • @Techprister: Genauso siehts nämlich aus :). Es ist so lächerlich wie viele Leute sich darüber aufregen was sich andere Leute kaufen und cool finden.

    Soll doch jeder machen wie es ihm gefällt.

  • Scheint nicht gerade dem geforderten Preis gerecht zu werden.

    Oh wait… es ist Apple, aaah ganz andere Geschichte.

  • Wie man etwas erfolgreich macht, hat Apple schon immer gut gekonnt: Nimm‘ ein Allerweltsprodukt, klebe einen Apfel drauf und die Welt reißt es Dir aus den Händen – zu jedem Preis, den Du willst…

  • Hm ich denke auch, dass sich das Ding wieder sehr gut absetzen wird. Ob jetzt zu recht oder nicht sei ja mal dahin gestellt.
    Das Konzept ist sicher drastisch, aber für den normalen Benutzer (der nicht Blogs im Internet liest) mehr als ausreichend.

    Ich denke zum ausprobieren werd ich mir son Teil auch auf jeden Fall mal bestellen – und dann halt notfalls wieder zurückschicken.

  • Ich hatte auch nichts anders erwartet von dem Teil. Also ich kann diesen Hype beim besten Willen nicht verstehen. Liegt es vielleicht daran dass ich schon über 40 bin? 🙂

  • @Techpriester

    sag bescheid, ich schick dir einen klappstuhl…

    werde mir das ganze auch ganz genüßlich mit einer tüte popkorn anschauen…wenn’s denn soweit ist in berlin

  • Die Neider die immer so laut schreien bei Apple-Produktveröffentlichungen finde ich am besten. 🙂 Geht arbeiten, dann könnt ihr euch auch so einen „überteuerten Schrott“ kaufen.

    Zum Thema: Ich hätte keine Idee für was ich das Gerät unbedingt bräuchte, zum anschauen / testen werde ich es mir aber kaufen, vielleicht bleibts ja dann bei seinen Geschwister aus der Kategorie „überteuerter Schrott“ auf meinem Schreibtisch.

  • Apple sollte mit seinen Produktzyklen Vorbild für die ganze Branche sein. Während anderswo Monat für Monat neue Modelle auf den Markt geschmissen werden, bin ich mit meinem iPod touch längst nicht von vorgestern. Markentreue ist für Apple keine Einbahnstraße.
    Und wer bitte bietet einem Freak wie mir mehrere Schachprogramme, Hesses „Siddhartha“, Nietzsches „Antichristen“ und ein Adventure mit den Suicide Girls?
    Schrott ist für mich Technik, die niemand gebraucht. Von meinem iPod touch kann ich das nicht behaupten.

  • Es wird als erstes reines Medienkonsumgerät für das Netz Angesehen und als eine Wende hin zum bezahlten digitalen Content.
    Daher wird es von den Medien Gehypt , weil diese sich mit diesen Geräten eine Verkaufsplattform für ihren Internet Auftritt ansehen.
    Die etwas „wirre“ Vorstellung dieser Leute ist das Internet zukünftig auf eine Art Interaktives Fernsehen zu Reduzieren.
    Ohne Speicher und Kopier Möglichkeiten wie bei einem bisherigen Rechner.

    Ob diese Strategie Aufgeht ist aber fraglich, bisherige Computer Hardware und Browser stehen dem noch im Wege , daher muss sehr schnell eine Verbreitung dieser Geräte erreicht werden.

  • „chirurgischer Eingriff“, nicht schlech. Soviel Geduld muss man erstmal mitbringen, um das Teil derart aus einender zu nehmen.

    Im nächsten Schritt könnte man noch anhand von Einkauslisten zusammenzählen wieviel das Ganze im Einkauf ungefähr kostet. Apple als Großabnehmer wird sich aber mit Sicherheit großzügige Rabatte rausgehandelt haben. Eventuell könnte man das auch berücksichtigen, interressant wäre das schon.

  • Jetzt kenne ich das IPad – zu und offen, von innen, außen, zerkleinert, Hitze ausgesetzt, Kälte ausgesetzt, Nässe ausgesetzt, pro und contra – auf dem Knie, pro und contra – auf dem Tisch, direkte Sonneneinstrahlung und indirekte, sämtliche Daten in allen Ausführungen. Jetzt auch noch zerlegt, ich glaub jetzt hab ich alles durch.
    Ohne DivX ist es eh schwul 🙂

  • Schön, das Ganze mal von Innen zu sehen.
    Ich hätte jetzt allerdings irgendetwas aufwändigeres erwartet, aber wie bei Computern üblich, sind die komplexesten Bausteine (CPU, …) so klein gehalten, dass man sie nicht auseinandernehmen kann. 😉

    Das iPad ist ja schon interessant, aber es ist eben zumindest in meinen Augen nur ein Gerät für Freizeitbeschäftigungen (ein bisschen im Internet surfen, Mails schreiben, ein paar kleine Spiele spielen, E-Books lesen).

    Für den professionellen Bereich fehlt es eben an allem möglichen, da würde ich glaube ich schon eher ein Netbook bevorzugen.

  • Naja, ob man es nun braucht oder nicht, sei mal dahin gestellt. Wer „braucht“ schliesslich mehr als Brot und Wasser?? Niemand! Und trotzdwem will keiner damit auskommen. So ist nun mal die Industrie. Ein Produktzyklus ist beendet und abgegriffen, da muss ein neues Produkt her. Nicht lannge und es kommen Nachahmer, die es billiger machen. Also. Abwarten und Tee trinken!

  • „Das Ganze“ iPad ist viel mehr als die Summe der Einzelteile. Es ist nicht revolutionär des technischen Inhalts wegen, sondern wegen der Art wie leicht Inhalte zukünftig (von jedem) konsumiert werden können. Und das eben ohne Schnickschnack oder Computer-Kurse.

  • Hi,

    was genau hat man denn erwartet, wenn man das Teil aufschraubt bzw. aufhebelt? Dass da Hardware aus einem anderen Jahrtausend drinsteckt? Wie können hier einige aufgrund der Bauteile Rückschlüsse über das Teil ziehen?

    Auch Michael Jackson bestand aus mehr oder weniger bekannten Einzelteilen, aber dennoch hat der eine Generation bewegt.

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