Google experimentiert mit Same-Day-Delivery

Robert Vossen

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Wie die „New York Times“ berichtet, testet Google in San Francisco, Bestellungen noch am selben Tag auszuliefern. Das lässt einen aufhorchen und zugegebenermaßen etwas verwundert zurück. Was genau wollen die denn ausliefern? Im Grunde gar nichts. Google will mit Händlern zusammenarbeiten und gemeinsam jenen Service anbieten, an dem auch eBay und Amazon eifrig arbeiten.

Für Google ist das der letzte logische Schritt beim Werbe-Tracking, denn bislang kann zwar gemessen werden, wer was anklickt, aber noch nicht, ob daraus auch ein Kauf resultiert. Hätte Google diese Daten, könnten Werbeanzeigen noch effizienter geschaltet werden und der Suchmaschinenkonzern könnte die Werbung sogar auf der für Händler attraktiven „Cost per Action“-Basis abrechnen.

Daher ist der Versuch, im eCommerce-Bereich stärker Fuß zu fassen, durchaus verständlich. Zumal die letzten Versuche eher nicht von Erfolg gekrönt waren: Das erfolglose Checkout wurde in Google Wallet umbenannt und wird kontinuierlich als mobiles Bezahlsystem ausgebaut. Die Erfolgschancen sind aber angesichts der (noch) fehlenden Popularität von NFC-Payments eher gering. Auch Google Product Search wurde neu konzipiert und in Google Shopping umbenannt. Zudem müssen Händler seit kurzem bezahlen, um überhaupt in den Produkt-Suchergebnissen aufzutauchen. Google verspricht sich davon bessere und aktuellere Produktdaten. Ein Schelm, wer dabei noch etwas anderes vermutet! Solange ich aber nicht mit einem Google-Account bei allen oder zumindest den meisten Händlern bezahlen kann, sehe ich keinen Vorteil gegenüber anderen Preissuchmaschinen.

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Doch zurück zum Same-Day-Delivery-Experiment: Bislang ist unklar, welche Rolle Google als „Partner“ von Händlern spielen möchte. Klar ist, der Suchmaschinenkonzern möchte keine eigenen Lager unterhalten, womit die Händler und Transportunternehmen dafür verantwortlich sind, die Distributionskette und die Ablaufprozesse zu optimieren. Das macht auch Sinn, schließlich verstehen die ja auch mehr davon. Wofür der Händler dann aber noch Google braucht, erschließt sich mir nicht so ganz. Ich bin auch skeptisch, ob das zu einem vernünftigen Preis angeboten werden kann. Zum Vergleich: Ein Overnight-Versand innerhalb Deutschlands kostet bei Amazon 13,00 Euro. Das lohnt sich eigentlich nur am 23. Dezember oder in wirklich dringenden Fällen. Oder wenn man einfach (zu) viel Geld hat.

Auch weiß ich nicht, ob sich Google einen Gefallen tut, in dieses Geschäftsfeld einzusteigen. Denn ob der Klick auf eine Werbeanzeige auch zum Kauf geführt hat, könnte Google ja auch herausfinden, indem es Google Wallet als Bezahlmethode bei den Händlern etabliert. Das wäre ein deutlich günstigeres und auch ein viel sinnvolleres Investment. Vor dem Hintergrund frage ich mich sowieso, wieso Google Wallet nicht mit dem Google Play Store gekoppelt wird. Der Store ist bereits auf Millionen von Android-Geräten installiert und in ihm die Bezahldaten zahlreicher Kunden hinterlegt. Damit noch außerhalb des Android-Ökosystems einkaufen zu können wäre doch praktisch.

Und mit der Menge an bereits bestehenden Kundenkonten müsste es für Google doch möglich sein, seine Shopping-Partner davon zu überzeugen, Google Wallet als Bezahloption anzubieten. Und wenn nicht, fällt Google sicherlich noch etwas ein, um dem Argument Nachdruck zu verleihen. Denn schließlich hätten doch alle etwas davon: Google die gewünschten Daten und eine schicke Vermittlungsprovision, der User keinen Stress mehr mit dubiosen Händlern und zahlreichen Logins und die Online-Händler würden vom Vertrauen in die Google-Marke profitieren und dürften mit mehr Kunden rechnen.

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Robert Vossen hat erst Los Angeles den Rücken gekehrt und dann leider auch BASIC thinking. Von 2012 bis 2013 hat er über 300 Artikel hier veröffentlicht.