Sprach-Lernplattform Busuu gewinnt Seven Ventures Pitch Day

Robert Vossen

Das Londoner Start-Up Busuu hat beim Seven Ventures Pitch Day abgeräumt und sowohl den Jury-Preis als auch den Publikumspreis gewonnen. Der Pitch wurde von ProSiebenSat.1 veranstaltet und ist mit einem Mediavolumen von sieben Millionen Euro dotiert, davon vier Millionen Euro für den Gewinner. Der Publikumspreis besteht aus einem Beratungspaket im Wert von 600.000 Euro.

Es ist ein interessantes Konzept, das ProSieben da entwickelt hat, aber die Grundidee ist nicht mehr brandaktuell. 2009 hat der TV-Konzern angekündigt, TV-Werbung künftig nicht nur gegen harte Euros zu verkaufen, sondern auch gegen Umsatz- oder Unternehmensbeteiligungen einzutauschen. Die Modelle „Media for Revenue“ oder „Media for Equity“ haben für ProSiebenSat.1 gleich mehrere Vorteile: Zum einen baut man neue Umsatzquellen auf und wird somit unabhängiger vom volatilen Werbemarkt. Zum anderen kann man unverkaufte Werbeflächen sinnvoll nutzen und damit die Werbeauslastung optimieren. Über seinen Venture-Arm Seven Ventures hat der TV-Konzern somit schon in Unternehmen wie opodo.de, zalando oder preis24.de investiert.

Mehr als 300 Bewerbungen

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Nun wurde also der erste Pitch Day in London veranstaltet und gleich mehr als 300 Bewerbungen aus 14 Ländern sind eingegangen. Aus der Shortlist, auf der neben den gestrigen Gewinnern Start-Ups wie BonaYou, eine Plattform für personalisierte Geschenkgutscheine, Stuffle, eine Online-Tauschbörse für Apps, oder Cooliris, ein Online-Fotoalbum, landeten, wurden gestern schließlich die Gewinner ermittelt. Neben dem Erstplatzierten Busuu holten sich Wynsh, eine App für Shopping-Rabatte, und Capsule.fm, eine Berliner RadioPlattform, den zweiten und dritten Platz, die mit einem Mediavolumen im Wert von zwei, beziehungsweise einer Millionen Euro ausgestattet waren.

Grundsätzlich gefällt mir die Idee eines europäischen Pitch Days und die europaweit agierende ProSiebenSat.1 Media AG ist als Schirmherr zumindest nicht ungeeignet. Auch ist es ein für beide Seiten lohnendes Geschäft: Sowohl das Mediapaket als auch das Beratungspaket, gesponsert von mehreren Consulting-Agenturen, kosten die beteiligten Firmen nicht wirklich viel und die Start-Ups, die ja schon existieren und häufig schon eine erste Finanzierungsrunde erhalten haben, bekommen das, was sie am meisten benötigen: Aufmerksamkeit, die sonst teuer einzukaufen wäre. Und zur Not konnte man auf der Aftershow-Party sicherlich noch die Visitenkarte von Jury-Mitglied Philipp Freise vom ProSieben-Hauptgesellschafter KKR ergattern.

Und busuu.com? Macht zumindest einen interessanten Eindruck und neben den Klassikern Englisch, Deutsch, Spanisch und Französisch kann man auch die Exoten bis Shooting-Stars Arabisch und Chinesisch lernen. Die Basis-Kurse sind dabei kostenlos, als Premium-Mitglied für 15,99 Euro pro Monat kann man zusätzlich Einstufungstests absolvieren, Grammatik pauken und das bei Bedarf auch noch mobil auf dem iPad oder Smartphone.

Was sind das nur für Namen? 

Eine Sache, die mir bei dem Pitch Day aber nicht aus dem Kopf geht: Warum müssen die meisten Bewerber denn so furchtbar schwer zu merkende Namen haben? Ja, wir sind in der Web2.0-Welt und es muss auch nicht gleich „Lisas Lern-Plattform“ heißen, aber dieser Buchstabenwirrwarr überfordert mich dann doch manchmal. Zur Verteidigung des Gewinners muss allerdings gesagt werden, dass Busuu eine in Kamerun gesprochene Sprache ist, die seit den 80er Jahren aber nur noch acht Leute beherrschen. Vielleicht gibt der Gewinn ja etwas Auftrieb. Dafür müsste man die Sprache aber auch auf der Plattform anbieten. Naja, kommt ja vielleicht noch…

Bild: Busuu

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Robert Vossen hat erst Los Angeles den Rücken gekehrt und dann leider auch BASIC thinking. Von 2012 bis 2013 hat er über 300 Artikel hier veröffentlicht.