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Und täglich grüßt das Murmeltier: Social Media Analytics-Startup erhält Millionen-Investment

Eigentlich eine fast alltägliche Meldung: Ein Startup, in unserem Fall Socialbakers, das sich um Social Media-Analyse kümmert, erhält ein Investment in Millionenhöhe, in unserem Fall sechs Millionen Dollar. So sehr ich mich für die Jungs freue, ein bisschen skeptisch bin ich schon.

Denn Social Media-Analytiker gibt es inzwischen wie Sand am Meer und ich kann mir nicht vorstellen, dass die alle grundsätzlich verschieden sind. Da wird es die nächsten Jahre noch eine starke Konsolidierung am Markt geben. Doch dessen ungeachtet liegen einem Werbetreibenden die Rohdaten in der Regel eh schon vor: Google, YouTube, Facebook und Twitter Analytics – in Deutschland die wohl wichtigsten Plattformen – sind alle kostenlos und daraus lässt sich schon eine Menge ablesen. Und auf den ersten Blick macht Socialbakers nicht viel mehr, als die Daten zu konsolidieren und grafisch aufzubereiten.

Key Influencers oder Menschen mit Langeweile?

Zugegeben, einen Vergleich meiner Page mit Wettbewerbern und die Auflistung meiner „Key Influencers“, also die Leute, die sich am meisten mit meiner Page beschäftigen, müsste man sich bei Facebook & Co. etwas mühsam zusammensuchen. Doch gerade bei dem letzten Punkt werde ich stutzig: Die Leute, die meine Posts am meisten liken und kommentieren sind nicht automatisch meine einflussreichsten Fans, sondern eher arbeitslos. Sie sind vielleicht wichtigere Kunden, aber das sagt mir noch lange nichts über ihren „Wert“ als Markenbotschafter.

Um die ausfindig zu machen, gibt es zum Beispiel Klout, das die Online-Reputation einer Person anhand seiner Aktivitäten im sozialen Internet errechnet. Hm… Abgesehen davon, dass die Validität der Methode in Frage gestellt wird, bin ich von ihrem Nutzen nicht überzeugt. Denn wenn jemand 3.000 Freunde bei Facebook hat, wird er die Hälfte davon noch nie in seinem Leben gesehen haben. Und wenn einer meiner Facebook-„Freunde“ pausenlos Produkt X und Y bewirbt, bin ich Richter Gnadenlos und blocke ihn. Ich will wissen, wer wo im Urlaub war und was im Leben meiner Freunde allgemein passiert, nicht, welche Küchenmaschine er benutzt.

Ein Like bedeutet erst mal kein Geld

Aber gut, lassen wir den Jungs ihr Hobby, zurück zur Social Media-Analyse. Denn obwohl ich ein großer Fan von den Möglichkeiten des Web 2.0 bin – dynamischer Dialog statt statischer Monolog  – dreht sich die Welt immer noch in die gleiche Richtung. Und das heißt für Werbetreibende: Geld verdienen, beziehungsweise Werbeausgaben an anderer Stelle wieder reinholen. Und ein Fan, ein Like, und auch ein Tweet bringen erst einmal kein Geld rein, allenfalls indirekt. Und das variiert stark: Konzertkarten hab ich schon mal aufgrund eines Posts gekauft, Toilettenpapier aber noch nicht. Auf das Konzert wäre ich aber auch trotzdem gegangen.

Ist die ganze Analyse von Fans, Engagement & Co. also für die Katz? Nicht unbedingt. Es ist durchaus praktisch zu wissen, wann Fanzahlen gestiegen sind, welcher Post am besten funktioniert hat, etc. Und während man mit ein bisschen Nachdenken vielleicht rausfinden kann, warum das so ist, bleibt die Frage, wie viel ich dadurch verdient habe, unbeantwortet. Daher meine Skepsis bei Millionen-Investments in Firmen, die nur einen geringen Mehrwert gegenüber dem Status Quo bieten.


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Über den Autor

Robert Vossen

Robert Vossen hat erst Los Angeles den Rücken gekehrt und dann leider auch BASIC thinking. Von 2012 bis 2013 hat er über 300 Artikel hier veröffentlicht.

7 Kommentare

  • „Ein Like bedeutet erst mal kein Geld“ das ist fast schon philosophisch. Es bedeutet eigentlich gar nichts außer diverse Einträge in der SQL-Datenbank. Manchmal frage ich mich wie so ein Investorengespräch läuft, wahrscheinlich wird Hypnose eingesetzt oder ein Serum gespritzt um solche Summen als Start-Up zu bekommen.

  • Social Media Analytics sind im Moment noch sehr erfolgreich, weil viele große Unternehmen noch nicht „social“ ausgerichtet sind. Es lassen sich halt die Statistiken schöner in Präsentationen mit bunt-gestalteten Grafiken von z.B. Socialbakers rechtfertigen/einbauen, als die KPI’s direkt über die API in das ERP-System zu implementieren und die Firma nachhaltig umgestalten.

  • Hmmm – messbar ist eigentlich immer nur das, was man vorher als Messziel definiert hat. Und ein Ziel muss immer mit der Unternehmensstrategie zusammenhängen. Wenn ich also nur das Ziel definiere, in x Monaten y mehr Fans zu haben, aber nicht definiert habe, WARUM eigentlich, hilft es keinem Unternehmen!

    Also, Social Media Strategie entwickeln und Ziele definieren -warum will mein Unternehmen in die sozialen Medien, in welche Kanäle und warum usw usw. Und dann: Messen, messen, messen!

    Social Media ist übrigens eine Querschnittsfunktion, nutzbar von HR über Marketing und Vertrieb bis hin zum Business Development – und hat NICHTS oder nur wenig mit Direktvertrieb zu tun!

  • @Claudia: Völlig richtig. Aber wenn ich als CEO Umsatzwachstum als Ziel ausgegeben habe, werde ich so meine Schwierigkeiten haben, einen kausalen Zusammenhang zu messen.

    Und ich kritisiere ja nicht Social Media Monitoring im Allgemeinen, sondern die Startups, die anscheinend nicht viel mehr machen, als die Dashboards von Facebook, YouTube & Co. zusammenzuschustern.

  • Hey Jungs,

    wo ich grade diesen Interessanten Artikel hier gelesen habe.
    Wir von CircleCount.com betreiben eine eigene Plattform zur Analyse von Google+ Profilen/Seiten.
    Mit ca. 20.000.000 Indexierten Profilen und 50.000 +1’s sind wir mittlerweile schon recht groß geworden und finden auch einiges an positivem Anklang.

    Vielleicht habt ihr ja mal Lust euch das anzugucken und uns zu sagen, was ihr davon halten.

    Gruß
    Nils

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