Amazons gefährliche Wachstumsstrategie scheint die Börse nicht zu stören

Robert Vossen

Nachdem wir in den letzten Tagen die Quartalszahlen von Apple, Samsung und Google seziert haben, ist heute Amazon dran. Der Konzern hat im letzten Quartal 21,3 Milliarden Dollar umgesetzt. Das ist zwar leicht unter den Erwartungen der Analysten, doch trotzdem eine starke Zahl. Der Gewinn lag bei 97 Millionen Dollar. Im Vorjahresvergleich heißt das: Umsatz um 20 Prozent gesteigert (17,4 Milliarden Dollar), Gewinn nahezu halbiert (177 Millionen Dollar).

Aktienkurs steigt trotz Jahresverlust

Doch Gewinn ist Gewinn – würde das Jahr nicht dummerweise aus vier Quartalen bestehen. Im letzten Kalenderjahr hat Amazon nämlich einen Verlust von 39 Millionen Dollar eingefahren. Und das bei einem Umsatz von 61 Milliarden Dollar, was ungefähr dem Bruttoinlandsprodukt von Kroatien entspricht.

Um sicherzugehen, dass sich keiner verlesen hat: Millionenverlust bei Milliardenumsatz! Und als wäre das nicht kurios genug, honoriert die Börse das mit einem Kursanstieg von 10 Prozent nach Ladenschluss auf 288 Dollar. Rekordwert. Seltsam.

Jetzt sichern: 100+ KI-Codes

Lass dich mit unserem Tech-Briefing UPDATE bei KI und den Tech-News von morgen nicht abhängen – kostenlos täglich in der Inbox von über 13.000 Lesern.

100+ virale KI-Codes PDF

Gratis zur Anmeldung:
PDF · 100+ virale KI-Codes

Mit deiner Anmeldung akzeptierst du unsere Datenschutzerklärung.

Während ich für die Reaktion der Börse keine Erklärung habe, gibt es für Amazons Quartals- und Jahresergebnis gleich mehrere: Investitionen, Amazons Wachstumsstrategie, die Kindle-Reader und -Tablets, Amazon Prime und Amazon Web Services.

Wachstum – und dann?

Amazon ist für seine geringen Margen bekannt. Man könnte Bernd Stromberg zitieren: „Das ist so minimal kalkuliert, da würde selbst der geizigste Schotte feucht werden unterm Rock.“ Anders als die Capitol Versicherung investiert Amazon aber Milliarden in seine Infrastruktur und andere Geschäftsbereiche. Damit sichert sich Amazon zwar Wachstum in neuen Märkten, doch was danach kommt, ist nicht immer klar.

Beispiel Kindle: Es ist kein Geheimnis, dass Amazon bei seinem eBook-Reader drauf zahlt. Doch nicht ganz zu Unrecht sieht Amazon-CEO Jeff Bezos den langfristigen Kundenwert, denn wer einen Kindle hat, kauft auch mehr eBooks bei Amazon.

Digitales Buchgeschäft wächst um 70 Prozent

Die Strategie scheint durchaus aufzugehen, schließlich wurde das eBook-Geschäft um 70 Prozent gesteigert. Das physische Buchgeschäft hingegen ist nur um 5 Prozent gewachsen. Doch genaue Umsatzzahlen bleibt Amazon schuldig – auch beim Kindle verrät Bezos nicht, wie viele Geräte bislang über die digitale Ladentheke gewandert sind.

Die Verluststrategie wendet der Online-Händler auch bei Amazon Prime an. Wie sich Prime allerdings auf den Gesamtumsatz auswirkt ist unklar. Amazon-CFO Tom Szkutak zufolge sei der Anteil der Prime-Kunden, die kostenlose Inhalte konsumieren würden, allerdings drastisch angestiegen. Doch gleichzeitig würden die selben Kunden auch weiterhin für Inhalte zahlen. Man muss Szkutak glauben – überprüfen lässt sich das nicht.

Auch bei Amazon Web Services lässt sich die Profitabilität mangels Zahlen nicht feststellen. Zwar wurde der Umsatz in diesem Bereich um 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesteigert, doch das muss bei Amazon ja offensichtlich nichts heißen.

Verzettelt sich Amazon?

Es ist die Frage, wie lange das Spiel mit dem Wachstum gut geht. Denn nicht nur wächst der Umsatz von Amazon inzwischen langsamer, auch droht die Gefahr, dass sich der Online-Händler in zu vielen Geschäftsbereichen engagiert und sich dabei verzettelt. Die Gerüchte über ein kommendes Amazon-Phone sind da nur ein Puzzleteil. Die gehäuften Ausfälle von Amazon Web Services ein anderes.

Unser Zins-Tipp

Eröffne jetzt dein kostenloses Myntro Festgeld und erhalte 3,38 Prozent Zinsen auf dein Geld – und das garantiert für 12 Monate!


Jetzt Zinsen sichern

Anzeige

Bild: Flickr / William Christiansen (CC BY 2.0)

Google lässt dich jetzt selbst bestimmen, welche Quellen du in der Suche häufiger siehst. Mit zwei schnellen Klicks kannst du BASIC thinking kostenlos als bevorzugte Quelle hinzufügen und damit unabhängigen Tech-Journalismus unterstützen. Vielen Dank!

STELLENANZEIGEN
Digital Marketing Manager (m/w/d) – Website, ...
Mpire GmbH in Backnang bei Stuttgart
(Senior) Social Media Manager:in (m/w/d)
Potluck GmbH in Hamburg
Performance Marketing & Social Media Mana...
Landhaus Walter in Hamburg
Senior CRM (HubSpot) & Marketing Automati...
Quantum-Systems GmbH in Gilching, Bayern, Germany
Senior Berater Datenschutz / Jurist (m/w/d)
DSN GROUP in Stuttgart, Würzburg
Senior Consultant Digital Marketing & Med...
Instaffo GmbH in München
Global Content Director – Consumer Brands (f/...
Freudenberg Home and Cleaning Solutions ... in Weinheim
Global Content Director – Consumer Bran...
Freudenberg Home and Cleaning Solutions ... in Weinheim
THEMEN:
Teile diesen Artikel
Folgen
Robert Vossen hat erst Los Angeles den Rücken gekehrt und dann leider auch BASIC thinking. Von 2012 bis 2013 hat er über 300 Artikel hier veröffentlicht.