Hardware

Zwei Windows-Tablets im Test: Asus VivoTab Smart und Dell XPS 10

Asus VivoTab Smart und Dell XPS 10

Ja, Windows 8 hat eine gespaltene Persönlichkeit – und auch das in mehrerlei Hinsicht. Die Windows-8- und die Desktop-Oberfläche, Windows 8 komplett und Windows RT. Kein Wunder, dass auch die OEMs verschiedenste Kombinationen ausgetüftelt haben, vom nackten Tablet bis hin zum Convertible-Ultrabook. Aus der Tablet-Sparte habe ich gerade die Gelegenheit, das Asus VivoTab Smart und das Dell XPS 10 miteinander zu vergleichen. Das Gerät von Asus läuft mit Windows 8, Dells Version mit Windows RT. Bei welchem Modell würdet ihr jetzt daran denken, es wie ein Notebook nutzen zu können? Mir kam da auch zuerst das VivoTab in den Sinn, das durchdachte Tastatur-Dock kommt dann aber von Dell.

Aber fangen wir zunächst bei den technischen Daten an. Das Asus VivoTab Smart kostet 499 Euro und liefert ein 10,1 Zoll großes Display. Das Innenleben dominiert ein Intel Atom Z2760 Dual-Core-Prozessor alias Clover Trail mit 1,8 Gigahertz (GHz). Ergänzt wird er durch 2 Gigabyte (GB) RAM und eine Speicherkapazität von 64 GB. Die Maße: 263 x 171 x 9,7 Millimeter;  580 Gramm Gewicht. Damit ist das VivoTab dünn und leicht, aber nicht leichter als andere Tablets von Asus. Da das Smart aus Kunststoff besteht und nicht aus Aluminium wie zum Beispiel das Transformer Pad Prime, hätte man eine kleine Gewichtsersparnis erwarten können.

Asus VivoTab Smart Rückseite

XPS 10 mit Snapdragon, VivoTab Smart mit Atom

Im XPS 10 – nach einer Preissenkung ab 429 Euro zu haben – treffen ein Qualcomm Snapdragon S4 Dual-Core-Prozessor mit 1,5 GHz, 2 GB Arbeitsspeicher und 32 oder 64 GB Speicherplatz aufeinander. Bei einer Größe von 275 x 177 x 9,2 Millimetern bringt das 10,1-Zoll-Tablet 635 Gramm auf die Waage, ist also immer noch leichter als das Retina-iPad von Apple mit 652 Gramm, aber schwerer als das RT-Modell von Asus. Dafür hinterlässt auch die Verarbeitung einen besseren Eindruck. Mit dem silberfarbenen Rahmen und der stabilen Rückseite mit Soft-Touch-Überzug sieht es hochwertig aus. Unser Testgerät von Asus leistet sich zwar keine groben Schnitzer, hat aufgrund des knarzenden Gehäuses aber das Nachsehen.

Dell XPS 10 mit Tastatur

Auch beim Bildschirm überholt das XPS 10 das VivoTab Smart. Allerdings muss ich gleich dazu sagen, dass wir hier generell von einem hohen Niveau sprechen, denn beide Displays sind sehr blickwinkelstabil. Dells Auswahl ist nur noch heller geraten und bringt die Knallfarben von Windows 8 besser zur Geltung. Beide liefern eine Auflösung von 1.366 x 768 Bildpunkten. Die Retina-iPads und Androiden mit Full-HD-Displays ziehen also im Bereich Schärfe locker vorbei. Doch mehr Pixel hätten auf 10 Zoll zusammen mit Windows nicht nur Vorteile: Ohne Stift oder Maus lädt der Desktop-Modus dann nämlich nicht gerade zum entspannten Bedienen ein.

Asus VivoTab Smart und Dell XPS 10 Displays

Windows 8, aber kein „normaler“ USB-Port?

Das führt uns zu den Anschlüssen und dem Praxiseinsatz. Und hier muss das Asus-Tablet zurückstecken, denn es kommt mit Mikro-USB 2.0, Mikro-HDMI und einer Mikrofon/Kopfhörer-Buchse aus. Adapter kosten extra. Das heißt, out of the box könnt ihr keinen USB- oder DVB-T-Stick anschließen. Freuen kann sich, wer Bluetooth-Zubehör hat. Andernfalls besteht noch die Möglichkeit, auf die kabellose Tastatur von Asus für 109 Euro auszuweichen. Ständer und Abdeckung wären damit auch gleich besorgt. Trotzdem bleibt das VivoTab Smart von der Handhabung her ein Tablet, obwohl Windows 8 in der vollwertigen Version einen kleinen Arbeits-Laptop daraus machen könnte. Schließlich lassen sich x86-Programme wie Photoshop, Gimp, alternative Mediaplayer usw. installieren. Mit Windows RT stehen ja nur die Apps aus dem Windows Store bereit.

Asus VivoTab Smart mit Tastatur

Der umgekehrte Fall findet sich bei Dell. Zwar kann das Tablet auch nur mit Mikro-USB und einer Kopfhörerbuchse aufwarten, lässt sich aber für 140 Euro um ein gehaltvolleres Tastatur-Dock ergänzen. Schnackt das Tablet in das stabile Scharnier ein, lässt sich das ganze wie ein Notebook nutzen. Auch zugeklappt fühlt es sich wie ein Laptop an, zumal im Dock zwei normalgroße USB-Anschlüsse angebracht sind. HDMI gibt es nur im Mikro-Format, Adapter für die Miniversionen legt Dell aber dazu. Zusätzlich verbirgt sich im Dock noch ein Akku, so wie es Asus auch bei den Transformer-Tablets und beim teureren VivoTab RT handhabt. Laut Dell soll damit eine Akkulaufzeit von insgesamt 18 Stunden möglich sein. Das ist beachtlich, der Haken steckt dann im Gewicht. Zusammen wiegen Tablet und Dock etwa 1,3 Kilogramm. Dafür könnt ihr euch auch ein 13-Zoll-Subnotebook wie ein leichtes Ultrabook oder das MacBook Air in die Tasche packen.

Dell XPS 10 mit Tastatur-Dock

Akkulaufzeit und Leistung

Das Prüfen der Akkulaufzeit der beiden Tablets ergab ein gemischtes Bild. Asus verspricht bis 8,5 Stunden, was sich in der Praxis auch bewahrheitet. YouTube-Videos konnte ich etwa 9 Stunden lang abspielen. Dafür war im Standby nach nur vier Tagen Schluss, das ist zu wenig. Das XPS erreichte schlafend rund drei Wochen. An die von Dell ausgewiesene Laufzeit von 10,5 Stunden maximal konnte ich mich am Beispiel YouTube nur mit der Windows-8-App annähern. 8,5 Stunden waren möglich, womit die 10 Stunden wohl mit Offline-Arbeiten zwischendurch zu erreichen wären. Wer YouTube über die Desktop-Version des Internet Explorer nutzt, kommt übrigens nur 6,5 Stunden aus. Denn größere Aufgaben fordern den Snapdragon-Prozessor heraus, auch wenn er sich allgemein sehr flott anfühlt.

Wenn man sich die Tablets vornimmt und durch die Windows-Kacheln streift, sich durch den Explorer klickt oder Einstellungen verändert, erlebt man auf beiden eine flüssige Performance. Auch HD- und Full-HD-Videos können jeweils ohne Ruckler abgespielt werden. Dass aber die Qualcomm-CPU stärker arbeiten muss als der Intel Atom, offenbart sich bei einem Blick in den Task Manager. Hochauflösende Browser-Videos beanspruchen den Snapdragon zwei- bis dreimal stärker als den Atom. Letzteren habe ich auch einige Benchmarks absolvieren lassen, was bislang den Laptops vorbehalten war. Zur groben Einordnung: Der Z2760, der im Übrigen vier Threads verarbeiten kann, scheint etwa ein Drittel der Leistung eines Core i3 Ultrabook-Prozessors zu erreichen. Für die Grafikleistung sieht es weniger rosig aus.

Das Starten von Windows dauert auf dem XPS 10 eine gefühlte Ewigkeit. Während sich Windows 8 auf dem Asus VivoTab nach nur 13 Sekunden meldete, genehmigte sich das RT-Tablet Minimum 53 Sekunden. Gut, dass man es so selten abschalten muss. Am Speicher kann es nicht liegen, beide verwenden eine eMMC. Auf dem Windows-8-Tablet von Asus blieben von 64 GB allerdings nur rund 24 GB übrig. Auf dem XPS 10 mit 64 GB waren etwa 44 GB ungenutzt, die 32-GB-Variante dürfte daher etwa 12 GB netto liefern. Einen microSD-Kartenleser haben übrigens beide Tablets, mobiles Internet gibt es aber derzeit nur bei Asus. So könnt ihr das VivoTab Smart mit WLAN oder als LTE-Version mit HSPA+-Unterstützung kaufen. Dann steigt der Preis von 499 auf 599 Euro. Dell bietet seine 3G-Ausführung noch nicht an.

Das Kamerakapitel ist schnell durchgeackert: Die 8-Megapixel-Kamera mit LED-Blitz im Asus VivoTab ist nicht nur auf dem Papier deutlich besser als die 5-Megapixel-Kamera ohne Blitz im XPS 10. Vielleicht lassen sich bei guten Lichtverhältnissen schönere Ergebnisse herauskitzeln, doch im trüben Wintergrau sind die Fotos zu verrauscht.

Fazit

Das VivoTab Smart von Asus ist für 499 Euro aufwärts definitiv interessant. Nicht auf den Windows Store angewiesen zu sein, hat klar seine Vorteile. Um diese aber richtig ausspielen zu können, fehlt es am regulären USB-Port. Wenn er aus Platzgründen (wir wollen ja schließlich alle dünne Tablets) weder am Gerät noch in der Tastatur unterzubringen war, hätte man einen Adapter mitliefern können. Aber das eine Rundum-glücklich-Tablet für jeden gibt es nunmal nicht, immer mehr Vielfalt lautet die Devise. Asus selbst bietet noch zwei weitere VivoTabs mit Dock an: das RT mit Windows RT und 10,1-Zoll-Bildschirm sowie das VivoTab TF810 im 11,6-Zoll-Format mit Windows 8. Wer Laptop-Haptik möchte, wird also dort fündig. Zwischen VivoTab Smart und TF810 liegen jedoch immerhin 300 Euro. Für die Kombination von Windows-8-Tablet und Dock müsst ihr sogar mehr als 900 Euro hinblättern.

Und wie sieht es bei Dell aus? Hier gibt es zum Einen das XPS 12, ein 12,5-Zoll-Ultrabook mit Intel Core-i-Prozessor und drehbarem Display. Unter den Tablets dann zum Anderen das Latitude 10 mit Windows 8 ab 599 Euro, das ebenfalls einen Intel Atom Z2760 nutzt, und eben das XPS 10. Zum 1. März senkt Dell die Preise, dann ist das 10er XPS etwa 60 Euro günstiger als das VivoTab RT von Asus und 50 bis 100 Euro günstiger als das Microsoft Surface – eine interessante Option, wenn denn Windows RT ausreicht.

Was denkt ihr? Top oder Flop?

Bilder: Dell / Asus; BASIC thinking / Saskia Brintrup


Vernetze dich mit uns!

Like uns auf Facebook oder folge uns bei Twitter


Über den Autor

Saskia Brintrup

Saskia Brintrup hat von 2010 bis 2013 insgesamt 66 Artikel zu BASIC thinking beigesteuert.

4 Kommentare

  • „Die Retina-iPads und Androiden mit Full-HD-Displays ziehen also im Bereich Schärfe locker vorbei.“

    Eher im Bereich „Anzahl der Pixel“.

    Solche Aussagen erinnern mich an den „Krieg“ der Megapixel vor ein paar Jahren… heute ist man schlauer.

    • Kann man so nicht sagen, man sieht ganz klar einen Unterschied zwischen HD und Full HD bzw. Retina, wenn man Schrift vergleicht. Ob gestochen scharfe Texte nun nötig sind oder nicht, muss natürlich jeder für sich entscheiden.

  • Also ich weiß nicht so ganz, ich bin mit beide nicht so ganz zufrieden und nicht vom Preis her weil es ist sicher, wenn man was gutes mochte muss man auch dem entsprechend hin blättern.
    Aber da fängt es schon bei dem Vivo Tab an, bei dem es den regulären USB Port fehlt, was ich ja total blöd finde. Und bei dem Dell musste man sich mit Windows RT zufrieden geben, ich auf jeden Fall nicht.
    Also Top oder Flop könnte ich jetzt nicht sagen es ist immer nach Bedürfnisse aber für mich sind alle beide uninteressant.

Kommentieren