Google gewinnt den Bieterwettstreit um die Social-Navi-App Waze (Update)

Robert Vossen

ChangingRoute

Schon mal von Waze gehört? Ich offen gestanden nicht – mal von den Gerüchten in den letzten Tagen und Wochen darüber abgesehen, wer das Startup kaufen möchte. Doch nun gibt es wohl Gewissheit: Laut dem „Wall Street Journal“ heißt der zukünftige Besitzer Google.

Viertgrößte Übernahme in der Google-Geschichte

Für die App legt Google 1,3 Milliarden Dollar auf den Tisch – damit ist der Einkauf die viertgrößte Akquisition in der Geschichte des Suchmaschinenkonzerns. Doch was macht Waze so wertvoll?

Auch Apple und Facebook waren an der App für iOS- und Android-Geräte des israelischen Startups interessiert, die 45 Millionen User hat, von denen allerdings nur ein Drittel aktiv sein soll. Trotzdem wurde die App beim Mobile World Congress 2013 in Barcelona als „Best Overall Mobile App“ ausgezeichnet – vor Dropbox und Flipboard.

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Waze lässt User Karten und Verkehrsinformationen erstellen

Der Grund: Waze speist Live-Informationen aus der Nutzung der User. Verkehrsunfälle, Staus und Blitzer werden von den Waze-Editoren über die App gemeldet und in Echtzeit an andere User weitergegeben. Doch nicht nur das: Selbst die Karten an sich werden aus den GPS-Daten der Nutzer kreiert. Damit ist die App gerade in Gegenden, wo der Dienst die kritische Masse erreicht hat, äußerst zuverlässig und stets aktuell.

Hinzu kommt, dass Waze globale Kartendaten hat, wenn auch noch nicht in allen Ländern vollständig. Doch nur Google, Navteq, Tomtom und OpenStreetMap können mit diesem Kartenfundus mithalten.

Waze ist keine Konkurrenz für Google Maps

Doch warum kauft Google den Dienst? Denn mit Google Maps, das inzwischen auch auf dem iPhone als Navigationsgerät eingesetzt werden kann, hat man ja eine Karten-App, die vermutlich bei vielen Usern mobil wie stationär der Standard sein dürfte. Auch hier setzt man auf Echtzeitinfos, die allerdings automatisiert von Usern gewonnen werden, die ihre GPS-Daten zurück an Google senden.

Trotz der 45 Millionen registrierten User von Waze ist kaum davon auszugehen, dass Google die Konkurrenz der Israelis fürchtet. Dafür spricht auch, dass nach derzeitigem Stand der Dinge, Waze als Standalone-App weiterbetrieben werden soll – zumindest vorerst. Gleichwohl darf als nicht unwahrscheinlich gelten, dass Google die Technologie irgendwann in seine eigenen Dienste integriert und die Waze-Reste nach dem bekannten Muster abwickelt.

Was mir gehört, kannst du nicht haben

Vor diesem Hintergrund dient die Übernahme nicht zuletzt dazu, der Konkurrenz in die Parade zu fahren und deren Zugriff auf das kleine Juwel zu verhindern. Zwar bindet Apple Maps schon jetzt Echtzeitdaten von Waze ein, aber zumindest offiziell wird dementiert, dass der Apfelkonzern Interesse an Waze gehabt habe.

Auch Facebook wurde nachgesagt, sich für die innovative Karten-App zu interessieren, wobei man im fortgeschrittenen Stadium der Verhandlungen diese wohl abgebrochen habe. Damit gibt es noch Microsoft, die bereits in Waze investiert haben, und natürlich ein Interesse an dem Karten-Dienst haben könnten, um mit Google Maps gleichzuziehen. Doch daraus wird nun vermutlich nichts.

Noch ist die Akquisition durch Google übrigens nicht offiziell spruchreif, doch Insider gehen davon aus, dass die Übernahme schon morgen bekannt gegeben werden könnte.

Update (12. Juni):

Die Gerüchte haben sich bewahrheitet, Google hat Waze für stolze 1,1 Milliarden Dollar übernommen.

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Bild: Waze

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Robert Vossen hat erst Los Angeles den Rücken gekehrt und dann leider auch BASIC thinking. Von 2012 bis 2013 hat er über 300 Artikel hier veröffentlicht.