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Neue Warnschuss-Taktik von Warner Bros. und Co. bei Urheberrechtsverstößen: 20-Dollar-Strafzettel statt dicke Abmahnungen

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Seit wenigen Monaten ist das sogenannte „Six Strikes“-System in den USA in Kraft, demzufolge ein Internetnutzer nach sechs Urheberrechtsverletzungen mit einer Drosselung seiner Verbindung rechnen muss. Doch nicht alle Provider nehmen daran teil – Warner Bros. will daher auch die nicht erfassten Internetnutzer „erziehen“.

Six Strike statt SOPA und PIPA

Das Six-Strikes-Modell wird gegenwärtig von AT&T, Cablevision, Time Warner, Verizon und Comcast unterstützt – die größten Internet-Provider der USA – und hat das Ziel, illegales Filesharing weiter einzudämmen. Das Programm wurde letztes Jahr verabschiedet und trat im Februar in Kraft, nachdem die Gesetzesvorhaben SOPA und PIPA aufgrund des Protests der User und namhafter Internetunternehmen nicht vom US-Kongress verabschiedet wurden.

Nun bekommen User bis zu sechs Benachrichtigungen, wenn über den eigenen Anschluss BitTorrent-Dateien heruntergeladen werden. Ab dem fünften Hinweis können die Provider den Zugang drosseln.

Keine Verwarnung, auch wenn man es versucht

Die Wirksamkeit des Modells ist unklar, zumal „The Daily Dot“ absichtlich Dateien heruntergeladen hatte, um erwischt zu werden. Die Web-Zeitung wollte so herauszufinden, wie das System am besten zu umgehen ist. Doch soweit kam es erst gar nicht – denn zumindest bei Verizon liefen alle Versuche ins Leere, obwohl wochenlang Dateien hoch- und heruntergeladen wurden. Und natürlich gibt es wie fast überall im Internet noch andere Wege, das System auszutricksen.

Doch unabhängig davon verhängt Warner Bros. nun Bußgeldbescheide an User, die nicht über einen der großen Provider ins Netz gehen, aber trotzdem des illegalen Filesharings verdächtigt werden. Soweit, so üblich. Allerdings nimmt das Studio offenbar zunehmend Abstand von den horrenden Forderungen und Klagen gegenüber Filesharern, die das Image der Musik- und Filmindustrie nachhaltig ruiniert haben und schlägt einen anderen Ton an.

20 Dollar als freundliche Erinnerung

So verlangt man nun 20 Dollar pro Urheberrechtsverletzung und bezeichnet das nicht als Strafzahlung, sondern als „freundliche Erinnerung“ dahingehend, dass die just heruntergeladenen Inhalte eben auch einen Wert haben. Sanfte Erziehung statt der Brechstange. Auch BMG setzte schon vor Inkrafttreten des Six Strike-Warnsystems auf den 20-Dollar-Bußgeldbescheid, wenn jemand das Album von Bruno Mars oder Eminem illegal heruntergeladen hatte.

Warner Bros. hat das geänderte Vorgehen gegenüber „TorrentFreak“ bestätigt und dabei betont, dass man entsprechende Mails an Nutzer nur für Inhalte verschicke, die bereits auf legalem Wege erhältlich seien und den User zusätzlich auf die legalen Möglichkeiten hinweise.

Provider bekommen Anreize auch auf Six Strikes zu setzen

Die Taktikänderung von Warner und BMG hat aber noch einen zweiten Effekt: Beim Six Strikes-Modell müssen Filesharer nämlich nichts zahlen. Zwar könnten (!) die Userdaten für eine Urheberrechtsklage herausgegeben werden, doch noch ist das nicht passiert. Im Gegenteil: Verizon wehrt sich bislang dagegen, die Daten eines Users an ein Filmstudio weiterzugeben.

Für Kunden bei Providern, die bislang nicht am Six Strikes-Modell teilnehmen, ergibt sich also ein Nachteil und somit für diese Provider ein Anreiz dem Warnsystem beizutreten. Gleichzeitig betont „TorrentFreak“, dass die Filmstudios nicht notwendigerweise die Identität desjenigen kennen, dem sie eine Zahlungsaufforderung geschickt haben – Konsequenzen bei Nicht-Bezahlen seien also kaum zu befürchten.

Im Gegenteil: Wer den 20-Dollar-Strafzettel bezahlt, legt durch den Zahlungsvorgang auch seine Identität offen. Dies könnte sich bei künftigen Urheberrechtsverletzungen eindeutig als Nachteil erweisen und kommt den Studios sicher nicht ungelegen. Dennoch: Die neue Vorgehensweise erscheint mir als gerechtfertigter Kompromiss. Warner sieht von überzogenen Schadensersatzforderungen ab, weist den Nutzer auf legale Vertriebswege hin und lässt für 20 Dollar die Sache auf sich beruhen. Der dabei anvisierte Image-Wechsel wird zwar nicht über Nacht kommen, aber wenigstens bemüht sich die Branche.

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Über den Autor

Robert Vossen

Robert Vossen hat erst Los Angeles den Rücken gekehrt und dann leider auch BASIC thinking. Von 2012 bis 2013 hat er über 300 Artikel hier veröffentlicht.

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