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Ein kurioser Versuch: Kann man auf Kindle und Tolino eigentlich Games spielen?

Wer eBooks lesen will, der kauft sich einen Amazon Kindle. Oder seinen Herausforderer Tolino, der von einer Allianz aus Buchanbietern (zum Beispiel Weltbild, Thalia und Hugendubel) und der Deutschen Telekom vermarktet wird. Beide Geräte sind erstklassig, wenn es darum geht, papierlos Bücher zu konsumieren.

Eine Sache, die mich aber als leidenschaftlicher Gamer viel mehr interessiert, ist: Kann man damit eigentlich auch zocken? Ich bin der Frage – manch einer mag sie als Schnapsidee bezeichnen – mit ein paar Versuchen nachgegangen.

kindle_vs_tolino

Spielen ohne App Stores

Gleich vorweg: Wenn hier die Rede vom Kindle oder Tolino ist, dann meine ich damit die reinen eBook-Reader; Also zum Beispiel den Kindle Paperwhite oder den Tolino Shine – nicht die Tablet-Varianten! Denn mit Letzteren ist es dank Android-Stores möglich, wie gewohnt Spiele-Apps herunter zu laden und zu nutzen.

Da es aber für die „normalen“ Kindle und Tolino keine App Stores gibt, fragt man sich: Wie kommt man dann an Spiele? Die Antwort lautet ganz banal: gar nicht. Denn beide Reader bieten nur einen Zugang zu den entsprechenden eBook-Stores. Apps oder dergleichen gibt es hier nicht. Nur digitale Bücher in rauen Mengen.

Obwohl – eine Ausnahme bietet der Kindle. Für ihn sind seit Sommer 2010 kleine Anwendungen, „Active Content“ genannt, verfügbar. Dazu gehören auch ein paar Spiele wie beispielsweise „Solitaire“, „Sudoku“ und sogar eine Fassung von „Die Siedler von Catan“. Der Haken an der Sache: Die Kindle-Games gibt es zwar im US-Store von Amazon, aber nicht bei uns. Bis heute nicht.

Umweg über den Browser

Wenn man keine Spiele herunterladen kann, wie sieht es dann mit Onlinespielen aus? Immerhin bieten Tolino und Kindle Browser, mit denen man durchs Internet streifen kann. Aber nur eingeschränkt. So können die Browser zum Beispiel – wie heute für mobile Geräte leider üblich – keine Flash-Inhalte wiedergeben. Da die meisten Onlinespiele auf dieser immer noch sehr verbreiteten Technologie basieren, fallen sie also durchs Raster.

Zum Glück gibt es ja einen Quasi-Nachfolger zu Flash: HTML5. Derlei Inhalte verarbeiten die beiden eBook-Browser. Doch da kommt der nächste Wermutstropfen: Die meisten Games sind kunterbunt gestaltet, die beiden Reader können aber nur Schwarz-Weiß und ein paar Graustufen darstellen. Das Ergebnis sind matschige Darstellungen, die fast nichts erkennen lassen. Dazu kommt noch, dass die E-Ink-Bildschirme extrem langsam reagieren. Schnelle Abläufe sind so nicht möglich.

HTML5 statt Flash, keine Farben, möglichst wenige Bewegungen – das schließt 99% aller Games aus. Ein Handvoll bleibt da nur noch übrig. Zum Beispiel „Sudoku“. Das müsste sich eigentlich perfekt auf Tolino und Kindle spielen lassen, da es genau die gewünschten Anforderungen erfüllt. Pustekuchen!

Ich habe auf diversen Webseiten einige HTML5-„Sudoku“-Varianten probiert – aber fast alle sind in meinem Test durchgefallen. Der Grund: Sie sind nicht an die Besonderheiten der eBook-Reader angepasst. Entweder boten sie doch zu viele Farben, die Bedienung lies zu wünschen übrig (die Zahlen konnten schwer bis gar nicht eingegeben werden) oder die wenigen Bildschirmänderungen (wir reden hier immer noch von „Sudoku“!) überforderten die Geräte. Am Ende konnte ich nur ein einziges Game einigermaßen spielen – nämlich das „Sudoku“ von „Zeit Online“.

Mein ernüchterndes Fazit

Ja, ich weiß: eBook-Reader heißen eBook-Reader, weil man damit eBooks perfekt lesen kann. Nicht mehr. Doch mich hat es einfach in den Fingern gejuckt, Tolino und Kindle zumindest etwas Spieletauglichkeit zu entlocken. Das Ergebnis fiel leider so aus wie befürchtet: negativ. Eigentlich schade.

Bild: Montage


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Über den Autor

Jürgen Kroder

Jürgen bezeichnet sich als Blogger, Gamer, Tech-Nerd, Autor, Hobby-Fotograf, Medien-Junkie, Kreativer und Mensch. Er hat seine unzähligen Hobbies zum Beruf gemacht. Und seinen Beruf zum Hobby. Obwohl er in Mainz wohnt, isst er weiterhin gerne die Maultaschen aus seiner Heimat.

15 Kommentare

  • Auf meinem Kobo Touch sind Sudoku und Schach installiert – nervenzerreißende spannungsgeladene Spieleklassiker. Wer braucht da Farbe?

  • Das von dir erwähnte Sudoku von Zeit Online bekommt man auf den Kindle? Kannst du bitte verraten, wie das geht? Vielen Dank!

  • Spiele in Form von Apps sind nach wie vor in Deutschland für die bekannten eReader über die zugehörigen Plattformen nicht verfügbar und die Entwicklung für “active content” wurde offensichtlich eingestellt.

    Bei ebook-games.de gibt es jetzt eBook-Spiele, die als Gesellschaftsspiele und Partyspiele funktionieren. Einzelne Spielkarten werden auf dem eReader (z.B. kindle, tolino oder kobo) dargestellt. Nach dem Download des eBook-Spiels kann sofort mit den Freunden losgespielt werden. Außer dem eReader werden lediglich ein paar Alltagsgegenstände benötigt (z.B. Papier und Stift).
    Das erste Partyspiel ist bereits erschienen: „Ups!? – das eBook-Spiel“ und ist in allen bekannten eBook-Stores zu finden.

    Erstaunlich ist, dass Newbies, die einen eReader in den Händen halten, automatisch technische Raffinessen erwarten. eReader als einfache Lesegeräte zu akzeptieren, fällt manchen Menschen offensichtlich sehr schwer. Man ist es eben durch Smartphone und Tablet so gewohnt, dass es blinkt und Musik ertönt.

  • Gut, wer spielen möchte, der kauft sich sicherlich einen Tablet. eBook-Reader dienen für mich nur als Lesegerät für Zeitungen oder ausschließlich Bücher. Besitze selber ein Kindle-Paperwhite, habe mich für Lesegerät entschieden, da ich genau das vermeiden wollte. 🙂

    Grüße A.K

  • Da gebe ich dir recht, A. Kasakow. Ein eReader soll ein optimales Leseerlebnis bieten. Ich finde das Prinzip von ebook-games.de aber nachvollziehbar. Kindle, Tolino usw. nutzen ja viele vornehmlich im Urlaub. Ich kenne einige, die zu Hause lieber ein konventionelles Buch lesen. Im Urlaub hat man aber sicher auch mehr Zeit, mal mit Freunden einen lustigen Abend zu verbringen. Da finde ich es schon sehr praktisch, ein Spiel als eBook dabei zu haben. Wer will schon große Kartons in seinen Koffer zwängen?

  • Ich hab seit kurzem einen Kindle Paperwhite und natürlich hab ich ihn mir zum lesen gekauft. ABER ich würds auch nutzen, wenn es kleine Spiele wie Sudoku, Solitär, Catan (ähm ok klein ist das nicht wirklich) verfügbar wären. Danke für diesen Interessanten Test!

  • Ich habe mahl drei online spiele auf mein Tolino vision 2 gespielt einwahr ein leitstellen spiel und dan noch ein feuerwehr spiel umd ein polizei spiel hat sie gut spielen lasen

  • Vielen Dank für diese super Infoquelle. Hat mir total geholfen, denn ich habe bis vorgestern mein Tablett Bioniq HD zum lesen von ebooks genutzt und mit dem kann ich natürlich auch in Facebook, normal ins Internet und auch Spiele spielen. Leider hat mein Tablet den Geist aufgegeben und bleibt im Startmidus steht. (Soll hier nicht Thema werden)!!
    Nun habe ich überlegt ob ich mir einen Tolino shine 2 HD hole oder lieber wieder ein Tablet. Nun habe ich mich für das Tablet entschieden, denn damit geht lesen und normale Internetnutzung.
    Vielen vielen Dank dafür!!!!

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