Sonstiges

Neue Auto-Kamera überwacht das Telefonieren am Steuer

1280px-Hand_held_phone_in_car
geschrieben von Felix

Die Nutzung von Mobiltelefonen im Straßenverkehr ist gefährlich und dementsprechend fast überall verboten. Obwohl das längst bekannt ist, ignoriert eine Vielzahl der Autofahrer die Verbote konsequent. Forscher der Santa Catarina Universität in Brasilien wollen diesem Phänomen nun einen Strich durch die Rechnung machen.

1280px-Hand_held_phone_in_car

Dazu haben sie gerade ein System vorgestellt, dass per Kamera den Innenraum eines Fahrzeugs überwacht und den Fahrer ermahnt, wenn er mit dem Handy telefoniert. Die Idee ist gut, ob sie allerdings zum serienmäßigen Feature bei Neufahrzeugen wird, ist eher zweifelhaft.

Sicherheit vs. Handynutzung

Telefonieren während des Autofahrens ist Massensport. Seit das Verbot von Handys am Steuer vor knapp 10 Jahren eingeführt wurde, hat sich die Zahl der Sünder aber nicht etwa verringert. Im Gegenteil, sie wächst kontinuierlich. Am Anfang waren es vorwiegend Männer. Frauen haben aber mittlerweile aufgeholt.

Bei der Kölner Polizei kam man bei kontinuierlichen Erhebungen zum Ergebnis, dass im Schnitt vier Prozent der Fahrer telefonieren. Bei der Polizei hat diese Erkenntnis sogar dazu geführt, dass zur Klärung von schweren Unfällen mit Verletzten regelmäßig Handydaten abgefragt werden.

In anderen Ländern stellt sich das ähnlich dar. In den USA beispielsweise schätzt die Autobahnsicherheitsbehörde, dass 85 Prozent der Fahrer grundsätzlich gegen das Handyverbot verstoßen. Dabei ist den meisten Fahrern das Risiko hinlänglich bekannt. In den fünf Sekunden, die man zum Eingeben einer Nummer in etwa braucht, legt man auf einer Landstraße ungefähr 150 Meter zurück.

Handy-Kontrollsystem

Die Lösung der brasilianischen Forscher ist eigentlich recht simpel: eine Kamera in der Konsole hat den Fahrer im Blick und überwacht per Algorithmus, ob er sich gerade des Telefonierens verdächtig macht.

Das System geht dabei in drei Schritten vor. Zunächst versucht die Kamera die Gesichtsumrisse zu erkennen und dabei festzustellen, ob der Fahrer, wie beim telefonieren üblich, die Hände im Gesicht/ am Ohr hat. Im nächsten Schritt filtert das System Hautpixel und bereinigt dadurch das Bild aufs Wesentliche. Zuletzt errechnet es, wie wahrscheinlich ein Verstoß gerade ist. Um zuverlässige Daten zu liefern, nimmt das System permanent Bilder mit einer Rate von 15 FPS auf.

Sobald ein Verstoß erkannt wird, warnt das System. Hier könnte auch die Krux liegen, denn Systeme dieser Art können, müssen aber nicht beachtet werden. Nach meiner Einschätzung ist hier nämlich vor allem die Frage entscheidend, wie nervtötend ein solches System ist. Während mein Anschnallgurt beispielsweise nur mit sehr lauter Musik zum Schweigen gebracht werden kann, lässt sich der kurze und einmalige Warnton meines Navis beim Geschwindigkeitsübertritt elegant ignorieren. Den Erfolg von kurzen Warnhinweisen halte ich dementsprechend für eher gering.

Zudem stellt sich die Frage, ob die Käufer wirklich Autos möchten, in denen man sich potenziell immer beobachtet fühlt. Die Chancen sind hier eher gering. Wirksamer und schneller umsetzbar wäre vermutlich, an der Strafschraube zu drehen. In Deutschland kommt man mit einer Strafe von 60 Euro und einem Flensburg-Punkt im EU Vergleich nämlich ziemlich günstig weg. In Dänemark und den Niederlanden ist man hier schnell über 200 Euro los.

Bild: Wikipedia


Vernetze dich mit uns!

Like uns auf Facebook oder folge uns bei Twitter


Über den Autor

Felix

Internetabhängiger der ersten Generation, begeistert sich für Netzpolitik, Medien, Wirtschaft und für alles, was er sonst so findet. Außerdem ist er ein notorisches Spielkind und hält seine Freunde in der „echten Welt“ für unverzichtbar.

3 Kommentare

  • Könnte mir vorstellen, dass Versicherer das (etwas erweitert) optional anbieten könnten, um bspw Fahranfängern bei den ohnehin ziemlich überzogenen Prämien etwas entgegen zu kommen.

  • Gute Sache. Im Prinzip.

    Dienst- oder Mietwagen etwa könnten mit soetwas ausgestattet werden, wodurch die Versicherungsprämie sinken könnte.

    Aber wer wird sich das privat kaufen? Niemand. Wer sich an die Regeln hält, braucht es nicht – und wer sie überschreitet, wird sich nicht ärgern lassen wollen.

    Nichts bringen derlei Techniken – seit einiger Zeit auch zB erste Alkoholtester als Bedingung für das Starten! – aber, wenn sie per Knopfdruck deaktivierbar sind. Ziel verfehlt. Traurig finde ich das auch bei den in neuen (Miet-/)Autos vermehrt anzutreffenden Spurassistenten (in der Form als passive Warnung per Licht, Ton oder Vibration): Rowdiefahrer, die meinen nicht blinken zu müssen, schalten den einfach ab. Toll. Was wäre es für eine schöne „Lernhilfe“, wenn sie bei jedem fehlerhaften Überholen ermahnt würden!

    Und wozu war der Abstandswarner in meinem Miet-Volvo vor einiger Zeit deaktivierbar? Als ich mit >120km/h auf ein Stauende hinter einer Kurve traf, musste ich bremsen. Fakt. Wozu die Warnung deaktivieren??

Kommentieren