Druck gegen Internetpiraterie: BBC stellt VPN-Nutzer mit hohem Datenverbrauch unter Generalverdacht

Felix
von Felix

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Die australische Regierung arbeitet gerade an einer Novellierung des Urheberrechts. Sie verfolgt damit auch das Ziel, einen angemessenen und zeitgemäßen Umgang mit Piraterie zu finden. Dazu hat sie Firmen eingeladen, Vorschläge einzureichen. Auch BBC Worldwide hat nun einen solchen abgegeben. Wie Torrentfreak berichtet, sollen nach Vorstellung der BBC die Internet Service Provider (ISP) stärker mit ins Kontrollboot geholt werden, indem sie selbst nach auffälligem Verhalten ihrer Nutzer suchen. Neben hohem Traffic machen sich in den Augen der BBC vor allem VPN-Nutzer verdächtig. Der Aufschrei in der Netzgemeinde ist groß. Zu Recht meinen wir, denn ISP sind denkbar schlechte Hilfssherrifs.

Offener Dialog begrüßenswert

Generell ist es eine gute Sache, wenn eine Regierung zum offenen Dialog über die politische Gangart bzw. gesetzlichen Bestimmungen aufruft. Dies ist nicht selbstverständlich, kann aber sehr fruchtbar sein. So auch im Fall der Urheberrechtsnovelle in Australien.

Alleine die Tatsache, dass die Regierung explizit nach Meinungen fragt, hat nämlich zu einer regen Debatte geführt, die nach meinem Eindruck bisher auch, aber nicht nur bei den üblichen argumentativen Fronten „Böse Nutzer“ vs. „Böse Industrie“ stehen bleibt.

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Eine Forderung, die dabei oft genannt und auch von vielen Industrievertretern unterstützt wird: Anstatt die Strafen in den Vordergrund zu rücken sollte man sich die Inhalte anschauen. Gute Inhalte sind die Voraussetzung, dass die Nutzer sie potenziell kaufen. Daneben entscheidet vor allem der Preis. Inhalte im Low-Cost-Segment sollten dabei im Vordergrund stehen, neben internationaler Verfügbarkeit in hoher Qualität. Wie deutsche Nutzer auch, müssen sich australische Nutzer nämlich bisher oft gedulden, bis sie einen Film oder eine Serie über legale Kanäle herunterladen dürfen.

Schlechte Stimmung nach BBC-Vorschlag

Das Schreiben der BBC schließt sich mit ihrem aktuellen Vorschlag in Teilen sogar diesen Forderungen an. Die BBC möchte beispielsweise bessere Aufklärung der Nutzer über die Auswirkungen ihres (illegalen) Handelns. Grundsätzlich strebt sie aber eine partnerschaftliche Beziehung zwischen Rechteinhabern und ISP an.

Wie viele andere auch, plädiert auch die BBC in ihrem Papier für ein Modell ähnlich wie in den USA. Die Nutzer sollen demnach bei Urheberrechtsverstößen zunächst gewarnt werden, bevor ihnen weitere Maßnahmen drohen, beispielsweise eine Abschaltung des Anschlusses.

Die Krux liegt aber nun vor allem in der Frage, wer die Nutzer ihres illegalen Verhaltens überführen soll. Nach Meinung der BBC kommt den ISP hier eine entscheidende Rolle zu. Vor allem aber ist die BBC der Meinung, dass hohes Downloadvolumen und VPN-Nutzung ein ziemlich eindeutiger Hinweis auf Urheberrechtsverletzungen sind.

Netz-Sherrifs

In der Konsequenz würde eine Umsetzung des BBC-Vorschlags bedeuten, dass die ISP zu einer Art Strafverfolgungsbehörde werden müssten, die Daten ihrer Nutzer analysieren, ihr Verhalten als verdächtig oder unverdächtig einstufen und im Verdachtsfall etwas näher hinschauen.

Für mich persönlich ist diese Vorstellung ziemlich unschön. Ich möchte nicht nach unbekannten Kriterien von Algorithmen meines ISP als kriminell getaggt werden. Zudem werden die ISP damit in eine Rolle gedrängt, die sie selbst nicht wollen. Alleine schon wegen der hohen Kosten, die dabei auf sie zukommen. Naturgemäß ist die Frage der Kosten ein entscheidendes Element in der Debatte. Während die ISP alle Kosten von sich weisen, meint die BBC, dass man sie teilen sollte.

Bis es also in Australien tatsächlich ein neues Urheberrecht gibt wird wohl noch einige Zeit vergehen. Wie sehr die ISP dabei ins Boot geholt werden, wird sich dann zeigen. Bis dahin tut eine offene Debatte sowie der Aufschrei von Torrentfreak gut. Dabei gehört aber zu einer ehrlichen Debatte auch die Einsicht, dass VPN-Nutzer mit hohem Datenverbrauch möglicherweise tatsächlich verdächtige Zeitgenossen sind – unter Generalverdacht sollte man sie aber natürlich nicht stellen. Im Bezug auf die Privatsphäre steht aber trotzdem zu viel auf dem Spiel, um die ISP zu stark in die Strafverfolgung und Überwachung zu integrieren. An der Contentschraube zu drehen, insbesondere was Verfügbarkeit und Preis angeht, scheint mir der bessere Weg zu sein.

Bild: Wikipedia

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Internetabhängiger der ersten Generation, begeistert sich für Netzpolitik, Medien, Wirtschaft und für alles, was er sonst so findet. Außerdem ist er ein notorisches Spielkind und hält seine Freunde in der „echten Welt“ für unverzichtbar.